Schauspielhaus

Klassiker "Peer Gynt" wandelt auf dem Boulevard

Die Schauspieler Josef Ostendorf und Angela Winkler in Hamburg auf der Fotoprobe von "Peer Gynt".

Die Schauspieler Josef Ostendorf und Angela Winkler in Hamburg auf der Fotoprobe von "Peer Gynt".

Foto: dpa

Drei Frauen, eine Figur: Die Hamburger "Peer Gynt"-Inszenierung von Simon Stone zeigt ein gut aufgelegtes Schauspielhaus-Ensemble.

Hamburg. Wer ist Peer Gynt und wie viele? So müsste die Frage wohl lauten angesichts der Premiere des Henrik-Ibsen-Klassikers im Schauspielhaus. Denn vor den Augen der Zuschauer durchleben und durchleiden gleich drei Frauen in unterschiedlichen Lebensstadien die Irrwege des „nordischen Faust“. Bei Simon Stone ist es ein „Peer Gynt“ ohne Peer Gynt. Und ohne Henrik Ibsen (auch wenn der später sogar in persona auftaucht).

Der australische Autor und Regisseur, entdeckt bei den Wiener Festwochen und seither als Hoffnungsträger an europäischen Bühnen herumgereicht, hat einen eigenen „Peer Gynt“-Text geschrieben und inszeniert. Stone dekonstruiert nicht und versucht, das Drama anschließend mit Regieeinfällen wieder zu beleben, er unternimmt den durchaus interessanten Versuch, das Archetypische ins Heute zu übersetzen.

Nur landet er bei einem obskuren Bühnenrealismus und einem gewollt ungekünstelten, aber leider auch wenig kunstvollen Soap-Text, dem jede höhere Ebene fehlt. Stone erzählt eine Familiensage über mehrere Generationen hinweg in ineinander greifenden Bildern, häufig unterhaltsam, manchmal auch zäh, aber immer dicht an der Motorik des Boulevards.

Für manche „Peer Gynt“-Motive findet er schöne Übersetzungen und die Schauspieler zwischen viel Hektik und Rennerei gute Momente. Das Ensemble – mit der ätherischen Angela Winkler als nach fast 50 Jahren zurückgekehrter Mutter und Ehefrau, mit Maria Schrader als ihrer ebenfalls verlorenen Tochter, einem wunderbar unsentimentalen Ernst Stötzner, dem wie meistens tollen Josef Ostendorf oder auch der hochenergetischen Gala Winter – ist gut aufgelegt. Der große Bogen aber fehlt und eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Fragen des Feminismus findet nicht statt.

Manche Zuschauer verließen das Theater vorzeitig, nach der Pause lichteten sich die Reihen. Der Applaus nach der Premiere war aber kräftig und sehr zugewandt.

Eine ausführliche Kritik lesen Sie in der Sonnabendausgabe des Hamburger Abendblatts.

Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg im Internet

www.schauspielhaus.de