10. Todestag

Aus dem Leben des "stillen Beatle" George Harrison

Zu George Harrisons 10. Todestag gibt es ein Buch und einen Film von US-Regisseur Martin Scorsese: "Living in the Material World".

Wenn es nach der aktuellen HVV-Werbung geht, fehlte den Beatles in Hamburg vor allem eins zum Glück: eine 9-Uhr-Gruppenkarte. Sehr witzig! Die Musiker brauchten während ihrer Zeit in der Hansestadt zu Beginn der 60er-Jahre aber wohl noch etwas mehr. George Harrison erinnerte sich daran: "Wir hatten nicht viel Geld, es reichte gerade fürs Essen. Eigentlich standen wir mit leeren Händen da, aber alles war unglaublich aufregend. Wir waren inmitten der frivolsten Stadt der Welt, und das mit 17 Jahren." Vor zehn Jahren ist der Musiker gestorben. Aus diesem Anlass hat Martin Scorsese einen Dokumentarfilm über ihn gedreht und Witwe Olivia Harrison einen Bildband veröffentlicht. Beide tragen denselben Titel: "George Harrison: Living in the Material World".

Auch wenn er nur 58 Jahre alt geworden ist: Der Mann, den sie den "stillen Beatle" nannten, hat ein abwechslungsreiches Leben geführt. Martin Scorsese, der so große Musikdokumentationen wie "No Direction Home" und "The Last Waltz" drehte, hat viel Material zusammengetragen und mit Freunden Harrisons gesprochen. Ravi Shankar, Paul McCartney, Ringo Starr, Eric Clapton, Phil Spector äußern sich über den Kollegen. McCartney erzählt, wie George überhaupt zu den Beatles kam. "John und ich waren für Soli einfach nicht gut genug." Das Buch zeigt Fotos und Zitate aus dem Film und zusätzliche Dokumente. Etwa Harrisons Deutschheft aus den 50er-Jahren. Damals quälte man Schüler in Liverpool mit Sätzen wie: "Der Taugenichts drückte die Augen fest zu, weil er erschreiben war." Wahrscheinlich meinte der kleine George "erschrocken".

Der Zeit in Hamburg ist im Buch ein Kapitel mit dem Titel "Mach Schau!" gewidmet. Fotografin Astrid Kirchherr und Musiker Klaus Voormann kommen darin zu Wort und schildern die Unterkunft der Band im Bambi-Kino auf St. Pauli in einer Art Besenkammer direkt hinter der Leinwand: Kein Schrank, kein Bad, nur eine nackte Glühbirne. "Es stank fürchterlich", so Voormann. Die Gerüche und der Lebensstandard sollten sich im Laufe der Zeit verbessern. Die Beatles wurden zu Idolen und lösten hysterische Reaktionen bei ihren Fans aus. Ohne Polizeikordons lief da bald nichts mehr. "Am Anfang ist es toll. Dann willst du nur noch, dass es aufhört", schildert Ringo Starr die Schattenseiten des Ruhms.

Auch Harrison soll dunkle Seiten gehabt haben, berichten seine Frau Olivia und McCartney. In Fragen der Treue nahm er es wohl nicht besonders genau. Das Thema holte ihn ein, als sein Freund Eric Clapton sich in seine damalige Frau Patti verliebte. Sie blieben Freunde, Clapton schrieb über die unglückliche Liebe den Song "Layla".

Harrison, dem es während seiner Beatles-Zeit nur selten gelang, seine Stücke auf den Alben zu platzieren, war nach dem Ende der Band lange der erfolgreichste Solokünstler des Quartetts. Er hatte Hits mit den Alben "All Things Must Pass" und den Titeln "My Sweet Lord", "What Is Life" sowie "Got My Mind Set On You". 1971 organisierte er im Madison Square Garden mit dem "Concert for Bangladesh" das erste große Pop-Benefiz-Event dieser Art. Harrison war ein leidenschaftlicher Gärtner, liebte Autorennen und hatte ein Faible für das Kino. Als der Komikertruppe Monty Python die Finanzierung ihres Films "Das Leben des Brian" platzte, gründete er die Produktionsfirma HandMade Films und rettete so das Projekt. Es kostete ihn vier Millionen Dollar. Python-Mitglied Eric Idle: "Das war die teuerste Kinokarte der Welt." Trotz seines Reichtums war Harrison aber auch ein sehr spiritueller Mensch.

1999 wurde der krebskranke Musiker in seinem Haus bei London, in dem er so zurückgezogen lebte, dass man ihn schon den "Howard Hughes von Henley" nannte, nachts von einem Irren überfallen. Olivia rettete ihm das Leben, als sie den Angreifer mit einem Schürhaken zur Strecke brachte.

Ringo hat George später am Sterbebett besucht. Er verabschiedete sich, weil er noch seine an einem Gehirntumor leidende Tochter sehen wollte. Der todkranke George fragte besorgt: "Willst du, dass ich mitkomme?" Als Starr Scorsese das erzählt, schießen ihm Tränen in die Augen. Harrison muss ein guter Freund gewesen sein.

"George Harrison: Living in the Material World". Buch von Olivia Harrison. Knesebeck-Verlag, 400 Seiten, 39,95 Euro. Dokumentation von Martin Scorsese (2 DVDs), 209 Min., ab 12 J., 14,99 Euro (ab 8.12. im Handel)