Wiederentdeckte Ausstellung

Die 60er-Jahre durch Dennis Hoppers Linse

Die erste Fotoausstellung des 2010 verstorbenen Schauspielers wird nach ihrer Wiederentdeckung erstmals in Berlin gezeigt

Berlin. Jahrzehntelang eingemottet und in Vergessenheit geraten ist Dennis Hoppers fotografisches Frühwerk nun erstmals in Europa zu sehen. „Dennis Hopper – The Lost Album“ im Martin-Gropius-Bau erwies sich für die Tochter des 2010 an Prostatakrebs gestorbenen US-Schauspielers („Easy Rider“) als sehr bewegende Erfahrung. „Es ist wie ein Besuch bei ihm“, sagte Marin Hopper am Mittwoch in Berlin über die Schau, die vom 20. September bis zum 17. Dezember gezeigt wird.

Zu sehen sind jene Originalabzüge von über 420 Fotografien, die der Schauspieler 1970 im texanischen Forth Worth ausgestellt hatte. Er hatte Künstler wie Andy Warhol und David Hockney ganz am Anfang ihrer Karrieren abgelichtet oder seine Schauspielkollegen Paul Newman und Jane Fonda vor die Linse bekommen. Hopper dokumentierte aber auch den Kampf des Bürgerrechtlers Martin Luther King, Jr und die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy.

Mit den kleinformatigen Bildern erzählt der Künstler nach Ansicht seiner Tochter aus erster Ehe eine ganz persönliche Geschichte der 60er Jahre zwischen Kunst und Politik: „Es ist, als ob er zu dir sprechen würde.“ Jede Fotografie sei wie ein Wort in einem Satz.

Eine „kleine Sensation“ nannte Museumsdirektor Gereon Sievernich die Schau, die zunächst nur in seinem Haus zu sehen sein wird. Die Arbeiten waren nach Hoppers Tod in seinem Nachlass entdeckt worden – in fünf Kisten mit der Aufschrift „Weihnachtsschmuck“, wie seine Tochter erzählte: „Wir standen unter Schock.“

Sievernich unterstrich den künstlerischen Wert von Hoppers Arbeiten. Er habe die Idee des entscheidenden Moments vom Pionier Henri Cartier-Bresson übernommen und seine Fotos nie gestellt. Kuratorin Petra Giloy-Hirtz, die maßgeblich an der Wiederentdeckung der Arbeiten beteiligt war, sagte, trotz seines Rufs als Enfant terrible habe Hopper die Arbeit mit der Kamera sehr ernst genommen. „Fotografie in Obsession“ habe Brooke Hayward die Einstellung ihres Ex-Manns beschrieben. „Er hat immer fotografiert“, erinnerte sich auch ihre Tochter Marin Hopper an ihre Kindheit.

Für den Schauspieler waren die zwischen 1961 bis 1967 entstandenen Fotografien künstlerisches Ventil und Überlebensstrategie zugleich. „Ich habe mit diesen Fotos keinen Cent verdient. Sie haben mich Geld gekostet, aber auch am Leben erhalten“, hatte er 1986 gesagt.

Hopper war mit 18 Jahren vom Filmstudio Warner Bros. unter Vertrag genommen worden, wegen schlechten Benehmens aber schnell im Abseits gelandet. „Sie waren der einzige kreative Output, den ich in diesen Jahren hatte, bis zu ’Easy Rider’“, sagte Hopper über die Fotos, die er als 25- bis 31-Jähriger gemacht hatte.

Die Arbeit an dem Roadmovie, das Hopper auch als Regisseur den Durchbruch brachte, beendete jäh sein Wirken als Fotograf. Erst Mitte der 80er Jahre habe Hopper, der sich auch als Kunstsammler einen Namen gemacht hatte, wieder zur Kamera gegriffen, sagte Kuratorin Giloy-Hirtz.