James Cook

MARKK-Ausstellung: Kritischer Blick auf Südsee-Ästhetik

Kunst aus dem Pazifik trifft auf Video: „Im Schatten von Venus“ von Lisa Reihana im Museum am Rothenbaum.

Kunst aus dem Pazifik trifft auf Video: „Im Schatten von Venus“ von Lisa Reihana im Museum am Rothenbaum.

Foto: Paul Schwimweg/MARKK / MARKK

Die neuseeländische Künstlerin Lisa Reihana stellt ihre Videoinstallation „Im Schatten von Venus“ im Museum am Rothenbaum vor.

Hamburg. Als der britische Kapitän James Cook im Jahr 1768 zum ersten Mal mit der „Endeavour“ gen Südkontinent aufbrach, träumte er von unbekannten Völkern und Ländern. Den riesigen Pazifischen Ozean, den er ein Jahr später erreichte, konnte er nur dank exzellenter Navigationskenntnisse sicher überqueren.

Sein Ziel: Tahiti – dort sollte Cook den äußerst seltenen Venustransit beobachten, um die Entfernung zwischen Erde und Sonne genauer bestimmen zu können. Er bestaunte aber nicht nur Himmelskörper. Auch die Einheimischen faszinierten ihn, die kunstvoll tatoierten Körper der Maori-Männer in Neuseeland und die beim Tanzen mit den Hüften schwingenden Schönheiten.

Museum am Rothenbaum: Videoinstallation „Im Schatten von Venus“ vor

Der Brite, der für seine Abenteuerlust und präzise Kartographie berühmt wurde, gilt auch als Entdecker dieser auf Klischees reduzierten „Südsee-Ästhetik“, die von zeitgenössischen Künstlern dankbar aufgegriffen wurde, um die Salons der europäischen Elite zu schmücken und erotische Sehnsüchte durch die „Pacifica Venus“ zu befördern.

Sie prägt bis heute die Vorstellungen eines fernen, exotischen Ozeaniens. Die Doppeldeutigkeit um den Venus-Begriff thematisiert die neuseeländische Künstlerin Lisa Reihana in ihrer Videoinstallation „Im Schatten von Venus (infected)“. Die Maori, 1964 in Auckland geboren, erzählt darin, wie europäische Forschungsreisende einst mit der Bevölkerung der pazifischen Inseln in Kontakt kamen.

Die aneinandergereihten Szenen, die sich mal um die Behandlung durch einen Medizinmann, mal um einen rituellen Kleidertausch oder auch um gewalttätige Auseinandersetzungen drehen, werden von Schauspielern, Studenten und Freunden der Künstlerin gespielt, platziert in eine Kulisse, die an ein romantisiertes französischen Tapetenmuster angelehnt ist.

Diese war der Ausgangspunkt für Reihanas Arbeit, die sich über elf Jahre erstreckte: „Mich interessieren die Schatten, übersehene oder unbeliebte Geschichten und Geschichten, die sich mit Gender befassen“, so die Künstlerin.

Reihanas Video wird zum ersten Mal in Deutschland gezeigt

Der 64 Minuten lange Film, der 2017 bei der Biennale in Venedig und anschließend in Galerien und Museen von New York bis Tallinn ausgestellt wurde, ist in zwei Teile gegliedert: Im ersten wird James Cook von einem Mann, im zweiten von einer Frau gespielt. „Die Einheimischen hielten ihn für einen Gott. Sie wussten nicht, ob Mann oder Frau.“

Das Museum am Rothenbaum zeigt die Arbeit zum ersten Mal in Deutschland. Auf einer 24 Meter langen Wand läuft das Video in Endlosschleife, mehrere Tonspuren mit Musik, Gesängen und Dialogen überlagern sich.

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Als Besucher kann man sich in diesem sinnlichen Kosmos aus Farben, Geschichten und Klängen verlieren und muss dabei aufpassen, „nicht immer wieder auf die gleichen alten Geschichten hereinzufallen“, wie es Direktorin Barbara Plankensteiner formuliert. Es gilt, die Sinne zu schärfen für ein Ungleichgewicht, das zwischen Entdeckern und Entdeckten schon zu Cooks Zeiten herrschte und das sich durch die späteren europäischen Kolonialherren zur Ausbeutung ausformte. „Reihana wirft diesen allzu oft kolonial geprägten Blick zukunftsweisend zurück“, lobt Kultursenator Carsten Brosda (SPD).

Unter dem Schatten vom Venus: James Cook auf Hawaii erschlagen

Als Bezug zur eigenen Erwerbsgeschichte haben die Kuratorinnen Jeannette Kokott und Emelihter Kihleng Objekte aus der Ozeanien-Sammlung des Museums ergänzt, darunter ein Kopfschmuck aus Polynesien, eine Kopfstütze von den Fidschi-Inseln und eine Holzmaske aus Papua-Neuguinea – Schönes und Alltägliches nebeneinander. James Cook wurde 1779 nach einem Streit mit Einheimischen auf Hawaii erschlagen – auch dies eine Szene unter dem Schatten von Venus.

„Im Schatten von Venus“ 19.2.-28.6. Markk (U Hallerstraße), Rothenbaumchaussee 64, Di-So 10.00-18.00, Eintritt 8,50/4,50 (ermäßigt)