Konzertkritik

Bernstein und Bigband-Sound beim Elbphilharmonie-Festival

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Helmut Peters
Außen schön, innen klangvoll: Hamburgs Elbphilharmonie bei Nacht.

Außen schön, innen klangvoll: Hamburgs Elbphilharmonie bei Nacht.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Das NDR Orchester spielte beim Elbphilharmonie-Festival „Age of Anxiety – An American Journey“ mit viel Emotion.

Hamburg. Leonard Bernstein ist – natürlich mit seiner „West Side Story“, aber auch als Dirigent – zu einer Ikone der amerikanischen Musik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geworden. Dass das NDR Elbphilharmonie Orchester in seinem Beitrag zum Festival „Age of Anxiety – An American Journey“ am Freitagabend ein Stück von ihm aufs Programm gesetzt hatte, war damit zwar eine Selbstverständlichkeit, längst aber nicht allein diesem Umstand geschuldet.

Es hatte auch damit zu tun, dass mit Marin Alsop eine amerikanische Dirigentin am Pult stand, die Bernsteins Schaffen sehr verbunden ist und ihrem ehemaligen Mentor viel zu verdanken hat. Sie dirigierte Bernsteins Sinfonie Nr. 2 „Age of Anxiety“, ein programmatisches Werk, das dem NDR-Festival seinen Titel gab und auf einen Gedicht-Titel des Poeten Wystan Hugh Auden zurückgeht.

Vielleicht gehört die 1949 uraufgeführte Sinfonie, in der es der literarischen Vorlage folgend um einen problematischen Selbstfindungsprozess junger Leute im Amerika der Nachkriegszeit geht, nicht zu Bernsteins stärksten Werken. Aber seine Idee, die sinfonische Gattung um ein Solo-Klavier zu erweitern, das in diesem Konzert von einem so fantastischen Pianisten wie Jean-Ives Thibaudet gespielt wurde, war ein genialer Kunstgriff.

Bernstein: Ein lebendiger Dialog mit den Orchesterinstrumenten

Aus dem melancholischen Einstieg mit zwei Klarinetten und einer Flöte, die zum Symbol einer tiefen Depression werden, erhebt sich das Klavier als Impulsgeber für Mut und Neuanfang. Ein lebendiger Dialog mit den Orchesterinstrumenten entwickelt sich, wobei Thibaudet die Rolle des Klavier im ersten Abschnitt eher so verstand, dass es nicht dominant, sondern als eine Art exponiertes Orchesterinstrument eingesetzt werden sollte. Der Höhepunkt des Werkes war zweifellos der Satz „The Masque“, eine Mischung aus Swing und Jazz, bei der die Klavierkaskaden sogar parallel zum Glockenspiel im Schlagzeug liefen und man immer wieder an Gershwins Klangwelten denken musste.

Minimalistisch und ziemlich jazzig ging es auch in John Adams’ „Fearful Symmetries“ zu, bei dem auch vier Saxophone, Synthesizer und Sampler zum Einsatz kamen und das NDR Elbphilharmonie Orchester kurzweilig wie eine „much bigger Bigband“ klang.

Die Aufführung war gleichzeitig ein Geburtstagsgeschenk für Adams, der am 15. Februar 75 geworden war. Mit viel Emotion spielte das Orchester unter der Leitung der Chefdirigentin vom ORF-Radiosymphonieorchester Wien außerdem Samuel Barbers kurzweiligen Second Essay op. 17, bei dem es allein zu Beginn ein paar wacklige Passagen in den Holzbläsern gab.

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