Elbphilharmonie

Vom Einspringer zur Idealbesetzung im Kleinen Saal

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Eigentlich war US-Pianist Fred Hersch mit mit dem Trompeter Enrico Rava verabredet. Der Ersatz war aber auch toll.

Eigentlich war US-Pianist Fred Hersch mit mit dem Trompeter Enrico Rava verabredet. Der Ersatz war aber auch toll.

Foto: Martin ZemaN

Die intellektuellen Jazz-Könner: Die Amerikaner Fred Hersch und Dave Douglas überzeugten in der Elbphilharmonie.

Hamburg. Eigentlich sollte Fred Hersch in der Elbphilharmonie-Reihe „Jazz Trumpet“ mit dem Trompeter Enrico Rava spielen. Doch der 82 Jahre alte Italiener musste den Auftritt wegen Krankheit absagen. Ein herausragender Ersatz wurde schnell gefunden: Dave Douglas, Jahrgang 1963, kam zusammen mit dem US-Pianisten nach Hamburg. Douglas zählt seit Jahrzehnten zu den überragenden Jazz-Persönlichkeiten – als Komponist, Bandleader und Instrumentalist.

Schnellspielerei und manchmal übertriebenes Angebertum ist weder seine Sache noch die von Hersch. Beide sind intellektuelle Könner, die mehr mit dem Kopf als aus dem Bauch heraus musizieren. Das zeigte sich auch im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Jede Note, jeder Akkord ist wohl gesetzt, beide lieben jedoch Rhythmik und Harmonik, die manchmal bewusst aus dem Ruder läuft.

Improvisationen von hoher Komplexität

Obwohl sie zur New Yorker Jazz-Szene gehören, haben sie nicht sehr oft zusammengespielt. Für Douglas bedeutete das, sich in die neueren Kompositionen von Hersch einzuarbeiten wie „A Lark“, das er dem Trompeter Kenny Wheeler gewidmet hat, oder „The Big Easy“, eine Komposition über New Orleans.

Die Jazz-Tradition klingt in vielen Stücken durch, das Vertraute wird aber immer wieder aufgebrochen, wenn es zu gefällig wird. Mitwippender Rhythmus oder mitsingbare Hooklines gibt es an diesem Abend nicht, dafür Kompositionen und Improvisationen von hoher Komplexität.

Das Publikum erklatscht sich drei Zugaben

Wie schon vor einigen Wochen beim Konzert von Jason Moran und Christian McBride an gleicher Stelle beziehen sich auch Hersch und Douglas immer wieder auf Thelonious Monk (1917-1982), diesen einzigartigen Pianisten und Innovator. Der 90-minütige Abend beginnt mit Monks „Reflections“, auch „Let’s Cool One“ gehört zum Repertoire. Hersch würdigt den Individualisten, der gern auf verstimmten Klavieren spielte und so einen ganz eigenen Stil kreierte, mit dem Stück „Dream Of Monk“, bei dem er seine Finger „monkisch“ über die Tastatur hüpfen lässt und mit ungewöhnlichen Harmoniefolgen im Geiste dieser Legende musiziert.

Das Publikum ist begeistert von der Begegnung der beiden Amerikaner und erklatscht sich drei Zugaben. Hier zeigt Hersch, dass er auch Pop beherrscht: Billy Joels „And So It Goes“ wird unter seinen Händen zu purer Schönheit.

( oeh )

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