Elbphilharmonie

Diana Damrau – feinster Silberklang und ein altes Problem

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Verena Fischer-Zernin
Große Stimme, starke Persönlichkeit. Diana Damrau in der Elbphilharmonie.

Große Stimme, starke Persönlichkeit. Diana Damrau in der Elbphilharmonie.

Foto: Sebastian MadeJ / Sebastian Madej

Die Sopranistin sorgt für Glücksgefühle - jeder Silbe verleiht Damrau Sinn. Wäre da nur nicht dieses Sänger-Problem im Großen Saal.

Hamburg. Bei der Zugabe haben sich Sopranistin und Orchester gefunden. Flüssiges Silber scheint aus Diana Damraus Kehle zu strömen, sie dosiert den Klang aufs Allerfeinste, ist noch im leistesten Piano im ganzen Saal zu hören. Mühelos wirkt das und ist doch große Kunst. Jeder Silbe verleiht Diana Damrau Sinn, ihre Stimme schmiegt sich förmlich in das innige Violinsolo, und die Begleitung ist so zärtlich, wie es diese Musik braucht.

„Und morgen wird die Sonne wieder scheinen“ heißt das Orchesterlied von Richard Strauss, mit dem die Sängerin und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Jérémie Rhorer die sechs vorherigen Strauss-Lieder krönen. Wie Diana Damrau sich für den Applaus bedankt und wie sie im Plauderton die beiden Zugaben ankündigt, das zeigt einmal mehr die glückliche Verbindung von Stimme und Persönlichkeit in dieser Künstlerin. So natürlich wie sich Diana Damrau im Kontakt mit den Menschen in der Elbphilharmonie gibt, so singt sie auch.

Diana Damrau zeigt mit leichter Geste ein altes Problem auf

„Ich darf mich entschuldigen?“, sagt sie zu den im Parkett Sitzenden, bevor sie sich zum Orchester und zu den Rängen dahinter wendet. So zeigt sie mit leichter Geste ein altbekanntes Problem des Saals auf: Sänger schicken ihren Stimmklang, wenn sie auf der Bühne neben dem Dirigenten stehen, von der tiefsten Stelle aus gerade ins Parkett hinein. Wer nicht halbwegs direkt in der Richtung sitzt, in die die Sänger gerade den Kopf drehen, hört – fast nichts. Was bei Diana Damrau und der Kammerphilharmonie an diesem Abend zu erleben ist.

Damrau hat zwar eine geschickte Art, sich zu drehen und viele Menschen einzubeziehen. Sie macht aber keine Kompromisse bei ihrer Interpretation. Und dann kommt noch die Machart der Strauss-Lieder dazu: Die sind duftige Gewebe, bestehen aber aus vielen kompliziert geschlungenen Fäden. Geraten die Fäden nicht zart genug, wird das Gewebe massiv. Und mit so hübschen, aber nicht gerade flaumweichen Tüchern deckt das Orchester die Sängerin immer wieder zu. Zumal Diana Damrau von ihrer berückenden Piano-Kultur nicht ablässt. Forcieren? Sollen andere.

Der blechstrahlende Schluss zu Jubel hin

Was hat die Deutsche Kammerphilharmonie ihrem Hamburger Publikum schon für Sternstunden an Inspiration, Hingabe, Essenz geschenkt! An diesem Abend ist einfach nur ein sehr, sehr gutes Orchester zu erleben. Rhorer dirigiert oft zu kleinteilig, um die Musik atmen zu lassen. Auch die „Metamorphosen“ für 23 Streicher, Strauss‘ untröstlicher Abgesang auf das im Zweiten Weltkrieg untergegangene Europa, entwickeln nicht ihren melancholischen Sog; der Beginn in den tiefen Streichern ist zudem unausgeglichen.

Aus der Dritten Tschaikowsky holt Rhorer, bekannt geworden als Originalklangspezialist für die Mozartzeit, mit seinem straffen Dirigierstil eher das das Klassische heraus als romantisches Schmachten. Der blechstrahlende Schluss reißt das Publikum, das vorher nach jedem Lied und jedem Satz stoisch applaudiert hatte, zu Jubel hin. Wie das halt oft so ist mit Sinfonieschlüssen.

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