Elbphilharmonie

Mehr Turn- als Lackschuh: So war Milows Konzert in Hamburg

| Lesedauer: 3 Minuten
Birgit Reuther
Sympathisch und erfolgreich: Milow hatte sichtlich Spaß in der Elbphilharmonie.

Sympathisch und erfolgreich: Milow hatte sichtlich Spaß in der Elbphilharmonie.

Foto: Rachel Shraven

Bei der SHMF-Verlängerung springt der Funke direkt auf das singende Publikum über. Das hatte auch noch reichlich zu lachen.

Hamburg.  Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist. Das Schleswig-Holstein Musik Festival, das offiziell am Wochenende sein Finale feierte, ging am Dienstag im großen Saal der Elbphilharmonie prominent in die Verlängerung, mit einer Verschränkung von Klassik und Pop.

Der belgische Sänger Milow, dessen einfühlsame Lieder zur Gitarre millionenfach gehört werden, war zu Gast bei „Mikis Takeover“. Die Idee: Der Geiger Mihalj Kekenj alias Miki, hauptberuflich Konzertmeister bei den Bergischen Symphonikern, lädt Popstars wie Max Mutzke und Joy Denalane dazu ein, ihre Nummern im kammermusikalischen Gewand zu präsentieren.

Nun also Miki und Milow. Ein Abend, an dem sich nicht die große avantgardistische Dekonstruktion des Pop ereignete. Eher zwei Stunden, in denen das Eingängige anders vibrieren durfte. Mehr Turn- als Lackschuh. Ein Fest für die hörbar anwesenden Fans von Milow. Und ein schöner Brückenschlag für all jene, die sich dem Pop aus klassischer Richtung nähern.

Milow in der Elbphilharmonie: Mehr Turn- als Lackschuh

Offenbar um den popkulturellen Bogen noch ein wenig weiter zu spannen, beginnt das Konzert nicht mit dem Gaststar selbst, sondern mit einer rhythmisch akzentuierten Fingerübung: Miki und sein fünfköpfiges Takeover Ensemble spielen das irrwitzig treibende „Misirlou“, bekannt aus Quentin Tarantinos Filmklassiker „Pulp Fiction“.

Und bevor Milow dann unter heftigem Applaus die Bühne betritt, schickt der Initiator des Abends noch eine eindeutige Botschaft in den pandemie-bedingt auf Lücke besetzten Saal: „Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie glücklich wir sind, auf dieser Bühne zu stehen“, sagt Miki. „Wir sind mit den Impfzahlen auf einem guten Weg. Das nächste Mal sitzen wir hier mit 2200 Leuten.“

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Da passt es durchaus, dass Milow zum Auftakt seinen Song „First Day Of My Life“ spielt – mit den prägnanten Zeilen: „These are crazy days / And all I have to offer is a simple song“. Aber ein einfaches Lied kann die Seele zumindest ein Stück weit heilen. Vor allem, wenn Pathos und Finesse beglückend aufeinandertreffen. Wenn die Streicher Milows Stimme mal fein gezupft, mal im emphatischen Fluss begleiten. Und wenn sie seinem warmen Gesang immer wieder Raum zum Atmen lassen.

Humorige Plaudereien zwischen Miki und Milow

Ob „You And Me (In My Pocket)“, „ASAP“, „Ayo Technology“ oder „Michael Jordan“ – federnd und fühlend begibt sich Milow hinein in die neuen Arrangements seiner Hits. Mit sichtlich Spaß agiert er im Halbkreis umgeben von Miki an der ersten Geige, Gergana Petrova an der Violine, Erin Kirby an der Viola, Matthias Wehmer am Cello, Max Dommers am Kontrabass sowie Veith Kloeters an Vibraphon und Percussion-Instrumenten.

Besonders sympathisch sind nicht nur diese musikalischen Interaktionen, sondern auch die humorigen Plaudereien zwischen Miki und Milow. Zwischen Englisch und Deutsch pendelnd reden sie über Homeschooling, persönliche Helden und Schnapstrinken in der Konzertpause. Und der Funke springt direkt auf das Publikum über, das unter seinen Masken nicht nur reichlich zu lachen hat, sondern auch – etwas dumpf, aber durchaus schön – ein ums andere Mal mitsingt. Etwa bei „Howling At The Moon“. Ein Song, der das Reisen rund um den Globus feiert. Wenn schon nicht real, dann zumindest musikalisch. Flirrend und feinsinnig.

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