Elbphilharmonie

Kent Nagano erteilt musikalischen Nachhilfeunterricht

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Dirigent Kent Nagano in der Elbphilharmonie in Hamburg (Archivbild).

Dirigent Kent Nagano in der Elbphilharmonie in Hamburg (Archivbild).

Foto: Christian Charisius / picture alliance/dpa

Wissens-Vermittlung mit viel Fingerspitzengefühl: Kent Nagano dirigierte Repertoire-Raritäten in der Elbphilharmonie.

Hamburg. Das Konzert-Etikett „Akademie“, von Generalmusikdirektor Kent Nagano ins örtliche Musikleben eingeführt, klingt nach einer gehaltvollen Sonderportion Wissens-Vermittlung, die man tunlichst mit viel Fingerspitzengefühl verabreichen sollte. Noch vor den Spezial-Konzerten mit Alfred Brendel als Gastredner und dem regulären Spielzeit-Start Anfang September meldeten sich Nagano und seine Philharmoniker mit Rand-Repertoire und der interessanten Umdeutung eines Klassikers in der Elbphilharmonie beim Publikum zurück. Musikalischer Nachhilfeunterricht, gewissermaßen.

„Wir haben Sie vermisst“, sprach Nagano allen auf der Bühne bei seiner Begrüßung aus der Seele. Als Vertonungs-Beleg dieser Gemütslage dann aber ausgerechnet Haydns „Abschieds“-Sinfonie auszuwählen, bei der sich im Schlusssatz das Orchester nach und nach absentiert – das war eine nagano-typische Volte, die er als vertonte Sehnsucht aufs ersehnte Zusammensein erklärte. Sein Haydn war freundlich und eher flächig, etwas zu gediegen vielleicht, um aufregend, anders, gar provokant zu sein. Doch es ging ja auch so glatt, und das ganz gut.

Elbphilharmonie: Kent Nagano rückte zwei Philharmoniker ins Rampenlicht

Dafür waren die folgenden Spezial-Konzerte umso dankbarer und raffinierter. Mit Strauss’ Duett Concertino für Klarinette, Fagott und Streicher, einem der alterslieben Spätwerke, in denen nobler Klassizismus und Klangsinnlichkeit Maß alles Wollens sind, rückte Nagano zwei Philharmoniker ins Rampenlicht: Patrick Hollich und José Silva machten aus dem Kabinettstückchen einen Genuss. Und Nagano dekorierte die wortlosen Dialoge mit „Rosenkavalier“-Schmäh und verklärter „Capriccio“-Anmut. Allerliebst, alles in allem.

Und auch ein Philharmoniker-Posaunist bekam danach noch seinen großen Auftritt: João Martinho stellte allen, die diesem Instrument kein ausgewachsenes oder gar interessantes Solo-Konzert zutrauten, das Konzert von Henri Tomasi vor. Fünfziger-Jahre-Moderne, gemäßigt und gut durchgemischt in den stilistischen Verweisen: eine Dosis Strawinsky, französische Eleganz, etwas Jazz, ein Hauch Humor. Wieder eine kleine Bildungslücke geschlossen.

Weiterer Termin: Philharmonisches Staatsorchester Hamburg mit Kent Nagano, Montag, 23.8., 20 Uhr im Großen Saal der Elbphilharmonie.

Akademie-Konzerte, u.a. mit Alfred Brendel: 3./4./5.9., www.staatsorchester-hamburg.de.

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