Konzertkritik

Von Vivaldi bis Folklore aus Norwegen in der Elbphilharmonie

Die  Elbphilharmonie in Hamburg.

Die Elbphilharmonie in Hamburg.

Foto: Andreas Laible

Kurzweilig und abwechslungsreich: Fest der Kammermusik bot im Großen Saal eine überraschende Vielfalt.

Hamburg. Folklore aus Norwegen, Blockflötenmusik von Bernstein, Solo für Bratsche, ein Quartettsatz von Schubert, ein Konzert von Vivaldi und eine Bläserserenade von Mozart – das alles in einem Konzert? So etwas erlebt man sonst nur bei Kammermusik-Festivals außerhalb der normalen Saison. Da sind Künstler meist mehrere Tage und eben nicht nur auf Stippvisite für ein Konzert.

Die Hamburgische Vereinigung von Freunden der Kammermusik macht’s auch während dieser schwierigen Saison möglich. Schon zum dritten Mal kamen renommierte internationale Künstler in den Großen Saal der Elbphilharmonie zum „Kammermusikfest“. Zwei Konzerte à 90 Minuten ohne Pause kurz vor dem erneuten Corona-Lockdown.

Da gaben die Deutschen Bläsersolisten (je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotte, Hörner) beim ersten Konzert ihr Debüt bei den Kammermusikfreunden und bestachen mit Mozarts Es-Dur-Serenade durch Präzision, Klangbalance und Musikalität. Überraschend, dass danach plötzlich aus Etage 15 des großen Elbphilharmonie-Saals norwegische Fol­klore auf der Hardanger-Fidel erklang. Ragnhild Hemsing geigte quasi im Multitasking: Mehrstimmig auf der Fidel gab sie durch zartes Fußklopfen bei einer „Dancing tune“ den Takt – so anmutig, dass die Zuhörer ganz verzaubert waren.

Virtuos, klangsensibel, facettenreich

Blockflöten-Star Maurice Steger aus der Schweiz tat sich im Duo mit Cellist Julian Steckel zusammen bei einer Ra­rität von Dirigenten-Legende Leonard Bernstein: „Variations On An Octatonic Scale“, virtuos, klangsensibel, facettenreich. Später wurde er vom Modigliani-Quartett beim Piccoloblockflöten-Konzert von Vivaldi begleitet, mit toller Intensität im langsamen Satz, mit etwas überzogenem Tempo im schnellen Satz. Atemberaubend zwar die Technik von Maurice Steger, aber man merkte auch, dass die „Modiglianis“ selten Barockmusik spielen. Das hört man eigentlich gern differenzierter. Bei Schuberts Quartettsatz c-Moll waren die vier Franzosen aber voll in ihrem Element.

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Bratschist Amihai Grosz servierte einen Satz aus einer von Bach inspirierten Solosuite von Max Reger, mit warmem, intensiven, variantenreichen Ton. Den Schlusspunkt dieses kurzweiligen und abwechslungsreichen Konzerts setzten noch einmal die Deutschen Bläsersolisten mit Mozart.