Konzertkritik

Ein Elbphilharmonie-Konzert voller Zauber und Dramatik

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Elisabeth Richter
Thomas Adès, hier bei der Grammy-Verleihung im Jahr 2014.

Thomas Adès, hier bei der Grammy-Verleihung im Jahr 2014.

Foto: DAN STEINBERG / picture alliance / AP Images

Thomas Adès und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen begeisterten im Großen Saal des Konzerthauses.

Hamburg.  Als Komponist gehört der Brite Thomas Adès, Jahrgang 1971, zu den meistgespielten seiner Generation. Als Pianist, Kammermusiker oder Liedbegleiter fasziniert er durch den Facettenreichtum seines Klaviertons, als Dirigent steht ein Vollblutmusiker am Pult, technisch souverän, zwingend, energisch und sensibel. Persönlichkeiten wie Thomas Adès sind heute im Klassikbetrieb rar geworden. Längst überfällig, dass in Hamburg einmal ein „Portrait Thomas Adès“ zu erleben ist. Vier Konzerte bietet die Elbphilharmonie in dieser Saison, beim Auftakt präsentierte sich Adès als Dirigent der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Wie genau Adès die Musik und ihre manchmal komplexen Strukturen durchschaut und vermitteln kann, dabei aber die Emotionen nicht vernachlässigt, das konnte man besonders stark bei den leisen, langsamen Stellen erleben. Egal, ob es Beethovens Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ war oder Adès’ Cellokonzert „Lieux retrouvés“, Schuberts Ouvertüre „Im italienischen Stile“ oder Sibelius’ zweite Suite zu Shakespeares „Der Sturm“. Nicht nur, dass musikalische Details klar ausformuliert waren. Intensität und Spannung ließen in keinem Moment nach, man konnte es förmlich bei Thomas Adès’ Händen sehen, wie sich die Magie auf Musiker und Publikum übertrug.

Geht es ins volle Orchestertutti – besonders bei Beethoven und Schubert –, fällt auf, dass Thomas Adès sich auch auf den typischen Beethoven-Stil der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen eingestellt hat. Seit der medial mit großer Resonanz aufgenommenen Einspielung der Beethoven-Sinfonien unter Paavo Järvi sind bei der Kammerphilharmonie rasante Tempi mit Präzision angesagt, schroffe Kontraste, manchmal herausknallende Akzente. Im wilden Wahn gehen da ab und zu auch mal Ruhe und Details flöten. Das ließ Adès an diesem Abend aber nicht zu. Zwar kam durchaus der eine oder andere Paukenschlag oder Blechbläser-Akkord reichlich scharf und hart, aber die Balance blieb im Ganzen gewahrt.

Thomas Adès berührt in der Elbphilharmonie

Nicht leicht zu hören war Adès’ Cellokonzert „Lieux retrouvés“ (Wiedergefundene Orte), ein virtuoses Werk für Solist und Orchester, bei dem sich der Solopart aber oft kaum abhebt vom dichten Orchesterklang. Adès spürt in vier Sätzen mit faszinierenden Klängen Stimmungen nach und ist zum Beispiel lyrisch-poetisch in „Felder“ oder hektisch-betriebsam in „Stadt“. Ein dramatisches, theatralisches Stück, wie geschaffen für den ohnehin ein wenig ins Theatralische neigenden, technisch souveränen Cellisten Stephen Isserlis.

Klangliche Magie und theatrale Spannung holte Adès dann zum Schluss am Pult der Deutschen Kammerphilharmonie auch aus Jean Sibelius’ Bühnenmusik zu Shakespeares „Der Sturm“ heraus. Kein Wunder, Adès hat selbst eine Oper zu dem Shakespeare-Klassiker komponiert. Ein berührendes Konzert voller Zauber und Dramatik.

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