Konzertkritik

Faber im Stadtpark: Zum Glück hat es geregnet

Der Schweizer Sänger und Songschreiber Julian Pollina (27) alias Faber ist der Sohn des italienischen Liedermachers Pippo Pollina, eines Freunds von Konstantin Wecker. Nun hat er im Hamburger Stadtpark gespielt.

Der Schweizer Sänger und Songschreiber Julian Pollina (27) alias Faber ist der Sohn des italienischen Liedermachers Pippo Pollina, eines Freunds von Konstantin Wecker. Nun hat er im Hamburger Stadtpark gespielt.

Foto: Peter Kaaden

Der Schweizer Sänger und seine verkleinerte Begleitband begeistern 800 Fans. Ein Lied widmet Faber einem Hamburger Musiker.

Hamburg. „Ich bin froh, wenn es regnet“, singt Faber am Dienstag zu Beginn seines Konzerts im Hamburger Stadtpark und dürfte mit der Meinung nicht nur auf der Bühne allein stehen. 800 Zuschauer haben sich in Regenjacken, Ponchos und Plastiktüten gewickelt und trotzen dem steten Wechsel aus Wind, Nieselregen und Schauern.

So schön es auch ist, dass Open-Air-Konzerte wieder erlaubt sind, letztendlich leben wir doch in Hamburg. Oder um mit Faber zu singen: „Es könnte schöner sein“. Aber der Ärger über nasse Hosen beim Platznehmen auf einem der 800 Stühle und schnell von Wein zu Weinschorle verwandelte Getränke verfliegt bei den Fans des Schweizer Musikers schon nach wenigen Minuten.

Fabers Chanson-Pop besticht durch ungewöhnliche Arrangements

Durch Auftritte beim Reeperbahn Festival und Dockville und Clubkonzerte in der Freiheit, Mojo Club, Molotow und Hebebühne sowie in der edel-optics.de-Arena hat sich der Sänger und Songschreiber aus Zürich hier eine große Fangemeinde erspielt, sein zweites Album „I Fucking Love My Life“ erreichte 2019 Platz drei in den Charts.

Und das zu Recht, sein grantiger Chanson-Pop in der musikalischen und lyrischen Schnittmenge von Element Of Crime, Rio Reiser, Konstantin Wecker und Adriano Celentano besticht durch ungewöhnliche Arrangements und exzessive Texte, die sich wortgewandt um Abstürze, Drogen, Widerstand und Liebespech drehen.

Faber widmet ein Lied Udo Lindenberg

Schon beim vierten Song „Top“ steht, tanzt und singt das komplette Publikum. Dennoch hat Julian Pollina alias Faber wirklich schlechte Laune, aber das muss auch so sein: „Das schlechte Wetter hat mich etwas runtergezogen, aber das finde ich besser für die Authentizität der Songs, weil es sonst etwas lächerlich ist. Aber jetzt bin ich schlecht gelaunt, und das ist super für euch, das verspricht eine goldene Show“, scherzt Faber.

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Er und seine halbierte Band mit dem trommelnden Posaunisten Tillmann Ostendarp und dem Bassist-Cellisten Janos Mijnssen zeigen ihr ganzes Können mit so berührenden wie provokanten Liedern wie „Lass mich nicht los“, „Generation YouPorn“, „Wem du’s heute kannst besorgen“, „Es wird ganz groß“, „Vivaldi“ und „Das Boot ist voll“.

Auch ein Hamburger Lebensstil-Vorbild Fabers wird bedacht. Das Lied „Ihr habt meinen Segen“ will er für einen bekannten Sänger, der hier in einem Hotel lebt, geschrieben haben. Zumindest wird Fabers Heimat Zürich beim Singen im Stadtpark ausgetauscht: „Auch wenn es draußen regnet und in Hamburg regnet’s oft“ – wie wahr!

100 Minuten lang gute und intelligente Unterhaltung

So schwebt über den 800 Gästen nicht nur der Bühnennebel, sondern ein Knistern und Rascheln von Funktionsjacken und Friesennerzen, ein Klatschen und Jubeln, unterbrochen von Zwischenrufen und Songwünschen: „Bella Ciao!“

Die Partisanenhymne gibt es an diesem Abend nicht, dafür aber „Volare“, „Die Tram ist leer“ und als letzte Zugabe „Tausendfrankenlang“. Das ist 100 Minuten lang gute und intelligente Unterhaltung. Wenn das Fabers Bestform ist, dann sollten wir immer froh sein, wenn es bei seinen Konzerten regnet.