Konzertkritik

Elbphilharmonie: Wenn Mephisto höhnisch aus der Orgel lacht

Durch Laszlo Fassangs Interpretation in der Elbphilharmonie lacht Mephisto auf der Orgel (Archivbild).

Durch Laszlo Fassangs Interpretation in der Elbphilharmonie lacht Mephisto auf der Orgel (Archivbild).

Foto: Pethö Zsuzsa

László Fassang überraschte erst mit Wagner. Dann improvisierte der Organist und spielte auf Wunsch Beethoven und Harry Potter.

Hamburg.  Bearbeitung und Improvisation: Diesen beiden Themen widmet sich der Organist László Fassang am Sonntagvormittag im Großen Saal der Elbphilharmonie. In der ersten Hälfte seines Konzerts präsentiert der Ungar, der inzwischen auch als Lehrer in Budapest und Paris tätig ist, Übertragungen großer Orchesterwerke für die Orgel. Tschaikowskys „Fantasieouvertüre zu Romeo und Julia“, gibt Fassang dank des zurückhaltenden Beginns Gelegenheit, die Klangmöglichkeiten der Klais-Orgel Stück für Stück vorzustellen.

László Fassang überraschte mit Mephisto-Walzer von Franz Liszt

Darauf folgt Richard Wagners Vorspiel zur Oper „Tristan und Isolde“, das durch den legendären Tristan-Akkord zu musikgeschichtlichem Weltruhm gelangte. Ihn interpretiert Fassang nicht mystisch und fragend, sondern überraschend direkt. Überhaupt nutzt er Wagners Musik übergangslos als Vorspiel für den darauffolgenden Mephisto-Walzer von Franz Liszt.

Das ursprünglich für Klavier komponierte Stück wurde von Liszt selbst für Orchester umgeschrieben und bietet sich für eine Orgelbearbeitung an. Starke Zungenstimmen wechseln sich mit sanften Abschnitten im Pianissimo ab, zwischendurch meint man das höhnische Gelächter des Mephistopheles zu hören.

Der Organist improvisierte Beethoven und Harry Potter an der Orgel

Nach der Pause zeigt sich Fassang in seiner liebsten Disziplin, der Orgelimprovisation, für die das Publikum vor Konzertbeginn musikalische Themenvorschläge abgeben konnte. So gibt es zuerst eine sehr gelungene symphonische Dichtung aus Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ und „Hedwig’s Theme“ aus den Harry-Potter-Verfilmungen. Natürlich darf auch die „Toccata d-Moll“ von Bach nicht fehlen, sie war unter den Publikumswünschen am häufigsten vertreten.

Fassang nimmt es durchaus humorvoll und dekonstruiert das ikonische Orgelwerk zu Avantgarde-Musik, sodass man den barocken Großmeister an Bord eines Raumschiffs meint. Als dritte Bearbeitung folgt Ravels Bolero, über dessen rhythmischem Grundgerüst sich allerdings Vangelis’ Filmmusik zu „1492: Conquest Of Paradise“ erhebt. Das Publikum in der Elbphilharmonie ist begeistert, besonders da als Zugabe der Deep-Purple-Klassiker „Smoke On The Water“ aus den Orgelpfeifen tönt.