Elbphilharmonie

Fast wie im Heurigen: Ein Hoch aufs Wienerlied!

Eine Vertreterin des „Freak Folk“: Sängerin und Akkordeonistin Alicia Edelweiss aus Wien.

Eine Vertreterin des „Freak Folk“: Sängerin und Akkordeonistin Alicia Edelweiss aus Wien.

Foto: Franzi Kreis

In der Elbphilharmonie spielten beim Festival „Ganz Wien“ mehr als 20 Künstler von der Donau. Publikum war begeistert.

Hamburg. Ein bisschen macht es sich dann doch bemerkbar – die Elbphilharmonie steht nicht an der Donau. Zwar hat sich das Foyer des Kleinen Saals in einen Heurigen verwandelt, ein Wiener Ausflugslokal mit Brezeln, Weißwein und kleinen Österreich-Flaggen über der Theke. Zwei aus der Alpenrepublik mitgereiste Gäste sorgen mit ihrem Wunsch nach „Apfelsaft gespritzt“ dennoch für fragende Blicke.

Der Nino aus Wien, der in Begleitung seiner dreiköpfigen Band am Freitagabend in der Elbphilharmonie auftritt, ist jedenfalls nicht sehr bemüht, die sprachlichen Barrieren zu überbrücken. Mit Bierflasche und Sonnenbrille am Hemdkragen schlurft er lässig auf die Bühne, seine Begrüßung macht er in breiter Wiener Mundart. Immerhin trägt sein Bassist, der während des Abends auch zweimal zur Klarinette greifen wird, eine Matrosenmütze.

Mehr als 20 Künstler aus Wien waren angereist

Beim Festival „Ganz Wien“, zu dem am Wochenende mehr als 20 Künstler aus der österreichischen Hauptstadt angereist sind, dreht sich alles um das Wienerlied, dieses für die Donaumetropole so eigentümliche Musik-Genre, das verschiedene Einflüsse in sich trägt. Entstanden im 19. Jahrhundert, vermischt es Volksmusik mit Wiener Klassik, Operette und Walzer, nimmt ausländische Stile wie Polka, Jazz und Tango auf. Es thematisiert Tod, Liebe, den Verfall der Sitten und die Freuden der Trunkenheit. Das Wienerlied erlebte in den 1970ern eine Renaissance durch Musiker wie Wolfgang Ambros. Der Nino aus Wien jedoch zählt zur jüngsten Generation österreichischer Liedermacher dieser Tradition.

In seinen Liedern erzählt er vom Alltag in den hinteren Ecken der Wiener Kaffeehäuser, den Freuden einer „Tschick“ (Zigarette) und endlosen Nächten am Prater. Nino und Band sind eine eingespielte Gruppe, fast schon lakonisch-locker spielen sie sich durch die Geschichten aus der Wiener Halbwelt, musikalisch ist das Quartett nah am Folk-Rock der 60er, konsequenterweise gibt es auch ein Bob-Dylan-Cover.

Nachdenkliche Lieder von Sigrid Horn

Deutlich ruhiger geht es am Sonnabend beim Auftritt von Sigrid Horn zu. Ihre nachdenklichen Lieder handeln vom Weggehen und vom Ankommen, auch sie singt in Mundart und schafft in Trio-Besetzung (Ukulele, Harfe, Akkordeon) eine intime Atmosphäre zwischen Kammermusik und Pop. Danach folgt, ebenfalls im Trio mit Akkordeon, Violine und Cello, Alicia Edelweiss, die ihre Musik selbst als „Freak-Folk“ bezeichnet.

Diese Bezeichnung ist durchaus passend, ihre zumeist englischsprachigen Lieder besingen die Freundschaft zu portugie­sischen Kakerlaken oder die Vorzüge von Müll, vorgetragen mit kieksendem Gesang und Hula-Hoop-Reifen. Auch wenn nicht immer alles verständlich war, das Elbphilharmonie-Publikum hat sich von der Vielseitigkeit des Wienerliedes begeistern lassen.

Wissenswertes zur Elbphilharmonie:

  • Die Elbphilharmonie ist ein Konzerthaus, das als neues Wahrzeichen von Hamburg gilt
  • Sie wurde im Januar 2017 offiziell eröffnet
  • Das 110 Meter hohe Gebäude liegt in der HafenCity in Hamburg und soll mit seiner Form an Wellen, Segel und Eisberge erinnern
  • Wo heute die Elbphilharmonie steht, befand sich früher der Kaiserspeicher A
  • Das Konzept der Elbphilharmonie stammt von Projektentwickler Alexander Gérard und wurde bereits 2001 vorgestellt. Der Bau dauerte von 2007 bis Ende 2016
  • Die Baukosten betrugen 866 Millionen Euro