Konzertkritik

Peter Maffay: Auf den Schock folgen drei Stunden Euphorie

Bis kurz vor Beginn des Konzerts in der ausverkauften Barclaycard-Arena stand der Auftritt des Rockstars auf der Kippe.

Hamburg. Der Konzerttag in Hamburg beginnt mit einem Schock: Gegen 17 Uhr stürzt Bassist Ken Taylor beim Soundcheck von der etwa zwei Meter hohen Bühne und bleibt regungslos liegen. Ein Rettungswagen kommt und bringt den Verletzten ins Krankenhaus. Entsetzen bei Peter Maffay, seiner Band und seinem Team. Und die Frage: spielen oder absagen? Während schon hunderte von Fans vor der ausverkauften Barclaycard-Arena auf Einlass warten, entscheidet die Band, aufzutreten.

Pascal Kravetz, sonst Keyboarder in Maffays Band, übernimmt die Rolle des Bassisten, Tony Carey, ein langjähriger Mitstreiter, setzt sich hinter die Keyboards. Mit 15minütiger Verspätung kommen die Musiker auf die Bühne und beginnen das Konzert. Maffay, sonst für Überpünktlichkeit bekannt, erklärt die Verzögerung und den Unfall und wird dafür gefeiert, dass er trotz der Sorge um Taylor die Show spielt.

Maffay lobt seine Band – und verrät einen Fehler

Bei einer Aftershow-Party lobt er seine Band überschwänglich für die Energie, die sich im Laufe des dreistündigen Auftritts entwickelt hat und in der alle auf der mitten in die Barclaycard-Arena gebaute Bühne von Song zu Song wieder sicherer wurden. Maffay räumt ein, dass er beim zweiten Song „Morgen“ noch so durch den Wind gewesen sei, dass er erste und zweite Strophe des Liedes vertauscht habe. Das begeisterte Publikum merkt jedoch nichts von der Anspannung, unter der die Musiker stehen. Wie eine gut geschmierte Maschine funktioniert das umgestellte Ensemble und präsentiert 28 Songs aus Maffays nun 50 Jahre langer Karriere.

1970 landete er mit „Du“ seinen ersten Hit als 21-Jähriger. Schon mitten im Konzert möchten die Fans die Schnulze hören, doch sie müssen sich bis zum ausgiebigen Zugabenteil gedulden, bis die Nummer endlich kommt. Der Abend beginnt mit den neuen Songs vom Album „Jetzt“, anschließend steigt der extrem frisch und agil wirkende Maffay in die Geschichte seiner Karriere ein.

Musikalische Weggefährten von früher begleiten Maffay durch das Konzert

Bei dieser Rückschau bringt er ein paar alte Weggefährten wieder auf die Bühne, die früher Teil dieser großen Musikerfamilie waren: Der Organist Jean-Jacques Kravetz kommt und spielt mit ihm das geradezu prophetische und hochaktuelle „Eiszeit“, das bereits 1982 erschienen ist; Bassist Steffi Stephan schnallt sich für ein paar Songs den Bass um; Eddie Taylor bläst ein grooviges Saxofonsolo.

Den größten Beifall erhält Gitarrist Frank Diez, der mit einem Gehstock auf die Bühne kommt und dann bei „Steppenwolf“ ein mitreißendes Gitarrensolo raushaut und später bei „Es war Sommer“ das bekannte, nur aus zwei Tönen bestehende Riff spielt, das vom Publikum mit „Pio, pio, pio“-Rufen begleitet wird.

Nach fast drei Stunden verabschieden sich Maffay, seine versierte Band und die Gäste mit „Sonne in der Nacht“ von einem euphorischen Publikum. Maffay ist seinem Ruf als ernsthafter und zuverlässiger Musiker wieder einmal gerecht geworden. Allüren kennt er nicht. Er weiß was er seinen Fans verdankt, und er wird nicht müde, es ihnen auch zu zeigen und zu sagen.