Konzertkritik

Klavierwettbewerb gewonnen, in der Elbphilharmonie gefeiert

Pianistin Maroussia Gentet spielte in der Elbphilharmonie.

Pianistin Maroussia Gentet spielte in der Elbphilharmonie.

Foto: Laurene Soyer

Beethoven, Ravel und ein Ritual aus der Südsee: Pianistin Maroussia Gentet stellte im Kleinen Saal ein starkes Programm vor.

Hamburg. Mit der Reihe „Talente entdecken“ ist ProArte vor zweieinhalb Jahren ein echter Coup gelungen. Zum Da-kann-man-nichts-falsch-machen-Abopreis von gerade mal 90 Euro in der teuersten Kategorie gibt es im Kleinen Saal der Elbphilharmonie viermal pro Saison die Begegnung mit Klavierwettbewerb-Preisträgern, die hier ein so aufgeschlossenes wie konzentriertes Publikum finden.

Am Mittwochabend war die Reihe an Maroussia Gentet, 2018 Siegerin beim renommierten Concours International de Piano d’Orléans, angereist mit einem Programm, das Beethoven und Ravel zu Neuer Musik in Beziehung setzte.

Eine zarte Person, in dezentem Schwarz gekleidet, doch von Äußerlichkeiten durfte sich niemand täuschen lassen. Zwar gab es an Beethoven im Jubiläumsjahr auch für sie kein Vorbeikommen, doch ähnlich wie das Orchester Gürzenich, das zwei Tage zuvor im Großen Saal mit einem ambitionierten Programm einen frischen Blick auf den Meister ermöglicht hatte, ging es auch bei der 27-Jährigen nicht darum, Erwartungshaltungen zu bedienen.

Maroussia Gentet spielt mit kecker Leichtigkeit

Für sie war Beethoven eher Mittel zum Zweck, eine Art Spiegelfläche für das, was noch kommen sollte. Entsprechend gab es keine Schwergewichte wie etwa die Hammerklavier-Sonate, sondern die schon 1799 geschriebenen Sonaten Nr. 9 und 10, gespielt mit kecker, unbekümmerter Leichtigkeit.

Die perfekte Umgebung für die Miniatur „Tangata Manu“ des italienischen Komponisten Marco Stroppa, der ein spirituelles Ritual von den Osterinseln in geradezu schwebende, flirrend-funkelnde Töne übersetzt hat. Ein Klangabenteuer für manipulierten Flügel, das das Publikum atemlos lauschen ließ. Danach dann „Invocation“ des 1992 geborenen Alex Nante als expressive Tour de force über die Tastatur – ein weiteres Beispiel dafür, wie viel faszinierende aber viel zu selten gespielte Klavierliteratur es abseits immer wieder betretener Pfade gibt.

Mit Ravels „Miroirs“, bei dem sie die Töne zu einer funkelnden Kette aufreihte, ging es ins Finale. Großer Jubel und als Zugabe noch einmal Beethoven: die Klaviersonate Nr. 22. Ein beeindruckender Auftritt.