CD-Kritik

Zwischen zwei Mozarts passt bei Mitsuko Uchida ein Widmann

Die Pianistin Mitsuko Uchida (Archivbild).

Die Pianistin Mitsuko Uchida (Archivbild).

Foto: Roland Magunia / HA

Uchidas Stärke als empathische und intelligent gestaltende Pianistin kommt bei der Aufnahme dabei bestens zum Tragen.

Hamburg. Kürzlich drehte ein Foto eines T-Shirts im Internet eine kleine Runde, auf dem stand: „Nicht alle Gemälde von Mozart waren perfekt!“ Totaler Quatsch, schon klar. Doch tatsächlich gibt es auch bei seinen Klavierkonzerten Unterschiede der Wunderbarkeit. 2017 hatte die Pianistin Mitsuko Uchida mit dem Mahler Chamber Orchestra (MCO) zwei große, späte Prachtbeispiele im Großen Saal der Elbphilharmonie zum Leuchten gebracht, spielend und dirigierend.

Nun also, knapp zwei Dutzend Stücke von einem Zyklus entfernt, zwei weitere mit ihr als Multitaskerin. Und obwohl Uchidas Stärke als empathische, sich selbst zurücknehmende und intelligent gestaltende Pianistin bestens zum Tragen kam, konnte sie mit dem Es-Dur-Konzert Nr. 22 KV 482 klarer und eindeutiger überzeugen als mit dem etwas konventionelleren 13. Konzert KV 387b.

Tänzerische Freude

Gemeinsamer Nenner: die tänzerische Freude, mit der Uchida nicht im klassischen Sinne Einsätze gibt, sondern die Musik beidarmig verkörpert, während sie um sie herum passiert. Da das MCO und die Solistin sich kennen und offenkundig mögen, sorgte das gegenseitige Vertrauen für weitestgehend ungetrübtes Vergnügen. Geschmeidig aufeinander hörend und reagierend, spulten sich geistreiche Dialoge ab, mit Uchidas elegant fließender Tongestaltung abgerundet.

In KV 482 aber stellenweise mit leichten Unschärfen in der Dynamik­abstimmung, wohl auch, weil die Instrumentation dieses Konzerts kompakter und sinfonischer ist als bei KV 387b. Dennoch: schön, fein, nobel, singend, eine reife, dennoch frische Leistung.

Lachenmann light

Zeitgenössisches Kontraste-Mittelstück war die Kammerorchester-Fassung von Jörg Widmanns Klangmöglichkeits-Studie „Choralquartett“. Etliche Streicher auf der Bühne, drei im Raum verteilte Holzbläser; gerade genug Avantgarde- und Verfremdungs-Effekte, um nicht vorschnell zu verschrecken. Lachenmann light, gewissermaßen. Sehr souverän abgeliefert auch das.

CDs: Mitsuko Uchida, Mozart-Klavierkonzerte (Gesamtaufnahme). English Chamber Orchestra, Jeffrey Tate (Philips, 8 CDs, ca. 27 Euro)