Theater für Kinder

Plattdeutsche Töne für "Bambi" im Ohnsorg-Dickicht

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Das Live-Hörspiel, vorn Julia Friede, im Ohnsorg-Studio.

Das Live-Hörspiel, vorn Julia Friede, im Ohnsorg-Studio.

Foto: Stephan Walzl

Wenn "Bambi" Premiere am Ohnsorg feiert, dann nicht nur auf hochdeutsch. Ein sehens- und hörenswertes Spektakel für Kinder.

Hamburg.  Ach, „Bambi“. Generationen von Kindern sind dem halb verwaisten Rehkitz verfallen. Am meisten natürlich der bekannten Disney-Version. Im Ohnsorg-Studio ist nun eine originelle Variante des Originals zu erleben. Regisseur Eike Gerrit Hannemann hat seine Inszenierung nach der Romanvorlage des österreichischen Schriftstellers Felix Salten in Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheater herausgebracht.

Die mit grünen Matratzen ausgelegte Bühne gleicht dabei eher einem Tonstudio. Über eine Leinwand flimmert Efeu. Bald kommen Rehkitz Bambi und seine Mutter aus dem Dickicht. Also, nicht wirklich, aber in der Vorstellungskraft. Dank des laut raschelnden Laubes, das Julia Friede, Gerrit Frers und Ralf Wegner hier vor die Mikrofone halten, wird bald ein ganzer Wald lebendig. An drei Tischen knistern sie mit Tonbändern, lassen die Rehe durch Sandkisten tapsen, zünden ein Geräuschfeuerwerk aus Tröten, Zischen, Summen und Fiepen. Und bald schon ist helllichter Tag, und der frühmorgendliche Höhepunkt steht an: der Besuch der Wiese.

Bambi muss auch einige Tiefschläge einstecken

Hier begegnet Bambi alsbald neuen Bewohnern, einem frechen Hasen, einem munteren Eichhörnchen und einem hektisch seine Frau suchenden Grashüpfer, denen Gerrit Frers mit ganzem Körpereinsatz und Stimmenvielfalt Leben einhaucht. Es ist eine wahre Freude, dem Darstellertrio, das sich hier in Trainingsanzügen ordentlich verausgabt, bei diesem munteren Live-Hörspiel zuzuschauen. Immer wieder wechseln sie dabei auch die Spielrollen, und Julia Friede erklärt als Mutter ganz nebenbei dem Bambi allerlei Wörter aus der Sprache des Waldes und der Wiese – dem Plattdeutschen.

So idyllisch bleibt es nicht. Die Geschichte hält für Bambi einige Tiefschläge bereit. Bambi lernt die Gefahr durch den Menschen („Er“) kennen. Die Mutter stirbt, auch Bambi selbst übersteht eine Jagd nur knapp. Wie gut, dass der Vater, der weiseste Rehbock des Waldes, ihn noch retten kann. Von ihm lernt Bambi auch die wichtigste Lektion: „,Er‘ ist es nicht, von dem alles kommt, was da wächst und lebt.“

Inszenierung folgt dem Original

Die Inszenierung folgt dem Original – bis hin zu seinem wenig beschönigenden Schluss, der vom Vergehen allen Lebens handelt. Ein Moment, der manches Kind im Ohnsorg-Studio nachdenklich stimmt, aber auch ein wichtiger dieser sehenswerten Inszenierung.

„Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde“ ab 8 Jahre, Schulvorstellungen wieder Mi 22./Do 23.1., je 11.00, Fr 24.1., 9.00, bis 27.2., Ohnsorg-Studio, Heidi-Kabel-Platz 1, Karten unter T. 35 08 03 21; www.ohnsorg.de

( asti )

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