A-Capella-Show

Mehr Kunst als Pop – mit Handclaps und „Uh-Uh-Uh“-Chören

Kat Frankie und ihr siebenköpfiger Chor der "Bodies"-Tour.

Kat Frankie und ihr siebenköpfiger Chor der "Bodies"-Tour.

Foto: FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH

Songwriterin Kat Frankie begeistert mit siebenköpfigem Chor und großer handwerklicher Fertigkeit a capella in der Elbphilharmonie.

Hamburg. Kat Frankie erlebt eine der eigenwilligsten Karrieren im deutschen Mainstream-Pop: Anfang des Jahrtausends startete die heute 41-Jährige in ihrer australischen Heimat mit Folk-Klängen. Nach ihrem Umzug nach Berlin 2004 spielte sie mit Songwriter Olli Schulz, mit Schmusepopper Clueso, eigentlich mit jedem, der sie nicht schnell genug von der Bühne jagte, unbeeindruckt von Stil- oder Coolnessgrenzen – bis zur erfolglosen Teilnahme am ESC-Vorentscheid mit dem Projekt Keøma. Und vor zwei Jahren veröffentlichte sie mit ihrer vierten Solo-CD „Bad Behaviour“ einen ganz eigenen R’n’B-Entwurf.

Kat Frankies A-Capella-Show in der Elbphilharmonie

Beim Elbjazz 2018 entwickelte Frankie die Idee, stärker mit A-Capella-Elementen zu arbeiten – was gerade angesichts der ausgefeilten instrumentalen Arrangements von „Bad Behaviour“ gleichzeitig als mutig und irritierend gesehen werden kann.

Tatsächlich ist der Auftritt Frankies und ihres siebenköpfigen Frauenchores am Montag im ausverkauften Großen Saal der Elbphilharmonie aber weder noch: Frankie probiert wie immer Neues aus. In diesem Falle die hochkulturell anmutende Präsentation von Popmusik, inklusive Tanz-Intro, szenischer Performance und aufwendiger Bühnenarchitektur.

Rotierende Ventilatoren verfremden Stimmen

Reiner Vokalpop ist das nicht mehr: "Summertime" etwa singt sie durch rotierende Ventilatoren und verfremdet die Stimme so halborganisch, das getragene „Versailles“ (das schon auf „Bad Behaviour“ stark auf Chöre setzte) im vom Publikum abgewandten Kreis der Sängerinnen, der sich nach einer Weile rhythmisch zu drehen beginnt.

Frankie hat nicht einfach ihre Songs in A-Capella-Versionen umarrangiert, sie hat sich genaue Gedanken gemacht, welcher Song in welcher Darbietung am stimmigsten ist. Was am Ende zu „A Body Of Work“ führt, einem politischen Stück, dessen giftiger Humor sich im Gesangskampf zwischen Sängerin und Chor manifestiert.

Klares künstlerisches Konzept

Hier zeigt sich, wie klar das künstlerische Konzept dieser Sängerin trotz aller Stilwechsel ist. Basis ist nicht zuletzt große handwerkliche Fertigkeit: Frankie mag nicht die virtuoseste Sängerin ihrer Generation sein, aber sie weiß, wie sie die Stimme gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen einsetzen muss, um musikalisch zu berühren.

Dabei ist sie nie eine Streberin, die mit Perfektion protzt, sondern schlicht eine Künstlerin, die ein nahezu sinnliches Verhältnis zum eigenen Können entwickelt: Es geht bei diesem Auftritt nicht zuletzt darum, Spaß am eigenen leidenschaftlichen Bemühen zu haben.

Partielles Scheitern: Mehr Kunst als Pop

Und dazu gehört auch, hin und wieder an Grenzen zu stoßen. Einem Song wie „Headed For The Reaper“ fehlt in der Chorvariante die dunkle Raffinesse der Studioversion, der Hit „Bad Behaviour“ wirkt mit Handclaps und „Uh-Uh-Uh“-Chören erschreckend harmlos. Nur ist solch ein partielles Scheitern unverzichtbarer Teil von Kunst – und Frankies A-Capella-Programm ist vom Selbstverständnis her eben tatsächlich mehr Kunst als Pop.

Dass sie mit Hochkultur-Orten dennoch bis zu einem gewissen Grade fremdelt, beweist ihr Abschiedsgruß an die Elbphilharmonie: „Danke, Hamburg“, ruft sie ins Publikum, „dass ihr uns das Gefühl gegeben habt, an einem solch lächerlichen Ort zu Hause zu sein.“