Konzertkritik

Samy Deluxe feiert Geburtstag – und verteilt Geschenke

Alles Deluxe in der Barclaycard Arena am Donnerstag: Samy Deluxe feiert seinen 42. Geburtstag mit einem fast vier Stunden langen Konzert.

Alles Deluxe in der Barclaycard Arena am Donnerstag: Samy Deluxe feiert seinen 42. Geburtstag mit einem fast vier Stunden langen Konzert.

Foto: Michael Rauhe / HA

12.000 Fans kamen zum fast vier Stunden langen Konzert des Hamburger Rappers am Donnerstag – und jeder bekam ein Geschenk.

Hamburg. Am Ende hat Samy Deluxe noch ein Geschenk für jeden Gast: 12.000 Schallplatten, diese runden schwarzen Scheiben aus Vinyl, werden nach dem fast vier(!)stündigen Konzert in der Barclaycard Arena draußen an glücklichen Besucher verteilt. Und dazu alle Alben des Rappers als ein „4 Monate Gratis-Musikgenuss“ – mit Apple Music per QR-Code. Für alle, die zuhause keinen Plattenspieler mehr haben. Allerdings, so steht es im Kleingedruckten auf der Plastikhülle: Nur für Neukunden ab 18 Jahren mit deutschem Wohnsitz bei Abschluss eines Apple Music Abos in einem Saturn Markt in Deutschland. So geht wohl Musikverkauf im Download-Zeitalter.

Dabei müsste ja eigentlich der Künstler selbst beschenkt werden. Schließlich feiert Samy Sorge aus Eppendorf hier heute seinen 42. Geburtstag. Vor 20 Jahren legte er noch Platten in der Roten Flora auf, heute füllt er quasi um die Ecke die riesige Arena, die es damals freilich auch noch gar nicht gab.

Samy Deluxe und seine opulente musikalische Armada

„Was geht ab, Hamburg City?“, lautet die Standard-Frage von da oben auf der Bühne ans Publikum. Die Antwort ist simpel. Die Zeiten ändern sich halt. Und komischerweise müssen sich nur die Musiker immer wieder die Frage gefallen lassen, wie lange sie denn noch Musiker sein wollen. Nie aber ältere Politiker, Taxifahrer oder Journalisten. „Mehr Rockopa geht nicht im Rap“, schreibt etwas verquer die „Zeit“ über Samy Deluxe. Als wenn jede musikalische Weiterentwicklung erst einmal Skepsis statt Spannung erzeugen muss.

Dabei reicht schon der Blick auf die Bühne, um deutlich zu machen: Wo früher ein paar Leute ausreichten, um die Beats, die Bässe und die Reime ins Publikum zu schleudern, sind heute mindestens ein Dutzend Könner am Werk. Natürlich Bass, Schlagzeug, Gitarren. Dazu Keyboard, Kontrabass, Percussion. Dazu ein kräftiges Bläser-Trio und drei großartige Chorsängerinnen. Viel mehr geht nicht. Eine opulente musikalische Armada, bei der sich die Frage stellt, warum das ganze wummernde Treiben mit dem Wort „Unplugged“, also sinngemäß „nicht verstärkt“, überschrieben wird.

Ordentlich auf die Ohren – auch mit Jan Delay und Max Herre

Passender ist da schon der Hinweis, der immer wieder in großen Lettern an der Rückwand der Bühne aufleuchtet: Live Music – mit einem Pfeil, der auf die Musiker zeigt. Davon gibt es ziemlich viele auf der Bühne, denn Samy Deluxe hat zu seinem Geburtstag zahlreiche Wegbegleiter eingeladen. Max Herre ist gekommen, Jan Delay natürlich. Wie schon bei der SaMTV Unplugged-Aufzeichnung, nur das in der Arena ein paar Leute mehr Platz haben als im April an Bord der MS „Bleichen“.

Es gibt ordentlich auf die Ohren. Von den Eimbush-Tapes über die Dynamite-Deluxe-Klassiker bis hin zu Samys Solo-Arbeiten, alle Songs gemeinsam mit dem DLX Ensemble neu arrangiert. Die Texte über Ausgrenzung und blinden Rassismus haben, leider, nichts an Aktualität verloren. Samy Deluxe ist immer noch ein gewaltiger Wortakrobat mit Haltung, der sich zudem mit Hip-Hop-Workshops um Jugendliche kümmert.

Samy Deluxe' Sohn Elijah hat einen Gastauftritt

Und auch keine Berührungsängste mit der Melancholie hat. Er setzt sich hin und singt ein Lied für seine Mama, die immer zu ihm gehalten hat, während sein Vater ihn verließ, als er zwei Jahre alt war. „Dies hier ist kein Supersong, nur ein paar Zeilen für Super-Mom.“ Und er hat seinen Sohn Elijah, der bei seiner Ex-Frau in Amerika lebt, aus Washington einfliegen lassen.

Elijah ist 15, nimmt sich die Gitarre und sein Vater singt: „Denn viele Leute können sich nicht vorstellen und wissen nicht, was es heißt, wenn dein Sohn neben dir im Bett liegt und dir sagt, er wär’ gerne weiß. Ich wär so gern dein Superheld, dein Superheld mit brauner Haut, aber ich kann nicht durch die Lüfte fliegen, kann aus den Händen keine Blitze schießen, aber was ich kann, ist für dich da zu sein und dir versprechen dich zu lieben.“

Am Ende hat Elijah noch einen fulminanten Solo-Auftritt als Rapper. Das Publikum kann damit nicht allzu viel anfangen. Jede Generation hat halt ihre Musik. Für den Vater war dieses Hip-Hop-Heimspiel, bei dem es von Anfang an niemanden auf den Sitzen hielt, dennoch der bisher größte aller Auftritte. „Danke, dass ihr so krass ausseht von hier oben.“