Konzertkritik

Publikum tanzt mit Fatoumata Diawara in der Elbphilharmonie

Die Sängerin Fatoumata Diawara aus Mali (Archivbild).

Die Sängerin Fatoumata Diawara aus Mali (Archivbild).

Foto: picture alliance/Darek Szuster/MAXPPP/dpa

Glückshormone fließen bei der Party im Großen Saal: Die Besucher klettern auf die Bühne, singen, klatschen und tanzen.

Hamburg. Was ist denn hier los...? Immer mehr Menschen klettern auf die Bühne im Großen Saal der Elbphilharmonie. Tanzen, klatschen, singen, während die Saalordnerinnen versuchen, den weiteren Zustrom so freundlich wie bestimmt zu stoppen – und ihnen doch anzusehen ist, dass sie eigentlich selbst gerne mitmachen würden. Da ist es kurz nach halb zehn am Sonnabendabend und auch Fatoumata Diawara strahlt übers ganze Gesicht. Das Hamburger Publikum mag als distanziert, sogar als steif gelten, doch hier und jetzt ist davon nichts zu merken. Die Sängerin aus Mali hat sie alle gekriegt, von der ersten Reihe bis zu denen ganz oben im 16. Stock; die Party schwappt durch den Saal.

Fatoumata Diawara kommt als Botschafterin Afrikas

Und doch ist für Fatoumata Diawara die fröhlich-ausgelassene Stimmung bei ihren Konzerten nicht alles. Sie kommt als Botschafterin eines Kontinents, dessen Zukunft sie mitgestalten will. Einerseits, indem sie gegen den Bürgerkrieg etwa in ihrer Heimat Mali ansingt und vor dem Song „Timbuktu“ über traumatisierte, weinende Kinder spricht. Andererseits, indem sie erklärt, wie wichtig es sei, Afrika nicht ständig über Defizite und Probleme, sondern vor allem über vorhandene Entwicklungspotenziale zu definieren.

Die Rhythmen ihrer vierköpfigen Band sorgen für das musikalische Gerüst, auf dem sie nicht nur ihren hypnotischen Gesang, sondern auch spektakuläre Gitarrenläufe entfaltet. Psychedelisch, treibend - für diese Riffs würde sie auch in Wacken gefeiert werden.

Das Elbphilharmonie-Debüt wird zum Mitmachkonzert

Sie betont Afrikas Einheit in der Vielfalt, singt Nina Simones „Sinnerman“ und widmet es den Vorbildern von Miriam Makeba bis Angélique Kidjo, verneigt sich dann vor Afrofunk-Superstar Fela Kuti (1938-1997) mit dem Song „Negue Negue“ (Lasst uns Spaß haben). Immer ekstatischer wird ihr Tanz, das um den Kopf gewickelte Tuch löst sich, die Rastalocken fliegen, und dann wird ihr Elbphilharmonie-Debüt zum Mitmachkonzert.

„Ihr könnt gerne aufstehen“ muss sie hier nicht zweimal sagen, sofort wird in den Sitzreihen getanzt, rhythmisch geklatscht, auch mal eine simple Melodie laut mitgesungen. Die Band, allen voran Gitarrist Yacouba Koné und Bassist Sékou Bah, schafft sich immer mehr rein, die Glückshormone fließen, auf und vor der Bühne.

„Wir sehen unterschiedlich aus, aber wir haben alle den gleichen Herzschlag“, fasst Fatoumata Diawara, das, was sich hier gerade abspielt, perfekt zusammen. Aus mehr als 2000 Individuen ist durch die Kraft der Musik, durch die Ausstrahlung dieser Frau, eine Gemeinschaft geworden. Und das fühlt sich ziemlich gut an.