Premiere

Ohnsorg: Minutenlanger Applaus für "Sternstunde" im Theater

Auch das noch: Erstmals begegnen sich die verfeindeten Diven Claudia McFadden (Sandra Keck, l.) und Athena Sinclair (Beate Kiupel) in der doppelt belegte Suite – und dann in den gleichen Roben.

Auch das noch: Erstmals begegnen sich die verfeindeten Diven Claudia McFadden (Sandra Keck, l.) und Athena Sinclair (Beate Kiupel) in der doppelt belegte Suite – und dann in den gleichen Roben.

Foto: Oliver Fantitsch

US-Komödie „Suite Surrender“ feierte in Murat Yeginers Regie als „Alarm in’t Grandhotel“ im Ohnsorg plattdeutsche Erstaufführung.

Hamburg.  November-Sonntage können ganz schön trüb sein – sogar in Hamburg. Umso schöner, wenn etwas Glanz in die „Hütte“ kommt, in diesem Fall ins Ohnsorg-Theater. Glamour herrschte am Heidi-Kabel-Platz schon vor der Premiere: Ein US-Oldtimer, ein Mercury Monterey aus den 50er-Jahren, brachte die beiden Protagonistinnen des Abends an den roten Teppich.

Separat und in gebührendem zeitlichen Abstand voneinander. Schließlich handelt es sich bei Claudia McFadden und Athena Sinclair um zwei verfeindete Diven, die in New York Karriere gemacht haben, obschon beide gemeinsame Wurzeln als Altonaer Deerns haben. Zuletzt aber wurden sie öffentlich handgreiflich, heißt es.

Eine Benefiz-Gala führt sie zurück nach Hamburg, ins Jahr 1953. Und dafür hat sich die Ohnsorg-Bühne in die schmucke Admirals-Suite des Luxus-Hotels „Vier Ozeane“ verwandelt, so richtig schön mit Alsterblick. Dumm und konfliktträchtig nur, dass beide Diven diese Suite für sich beanspruchen.

Ursprünglich spielt die Komödie 1942 in Florida

„Alarm in’t Grandhotel“ ist damit programmiert. Und die Komödie, vom US-Autor Michael McKeever (57) unter dem Titel „Suite Surrender“ ursprünglich 1942 in Florida angesiedelt, zündet mit allerlei hanseatischem Touch und Kostümpracht auch im neuen Gewand. Das Publikum goutierte die plattdeutsche Erstaufführung, eingerichtet von Georgia Eilert und übersetzt von Cornelia Ehlers, mit minutenlangem Applaus. Fast so, als könne es sich an der von Stephanie Kniesbeck opulent ausgestatteten Bühne mitsamt Schauspielern nicht sattsehen und die musikalischen Arrangements von Stefan Hiller nicht mehr aus dem Ohr bekommen.

Denn Claudia McFadden ist eine legendäre Gesangskünstlerin. Sandra Keck spielt sie nicht nur in roter Robe mit nahezu göttlichem Gehabe, sie singt auch: „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre...“ Doch ihr Schoßhündchen und (mindestens) ein Gläschen Gin sollten stets dabei sein.

Kaum hat sie sich in ihr Schlafgemach zurückgezogen, taucht im Vorzimmer der Suite mit Athena Sinclair die zweite Diva auf. Als Kontrast im schwarzen Kleid. Beate Kiupel gibt sie als exaltierte Star-Schauspielerin, die Mühe hat, die Zahl ihrer Ex-Ehemänner (sechs!) zusammenzubekommen, aber immerhin noch weiß, dass ihr mal Hollywood-Held Errol Flynn zu Füßen lag. Sie sieht sich am liebsten selbst – wie auf diversen mitgebrachten Fotos an der Wand und auf dem Klavier.

Erkki Hopf als Hoteldirektor sorgt „für eine Sternstunde“

Wer nun aber glaubt, „Alarm In’t Grandhotel“ sei eine reine K-&-K-Komödie mit den weiblichen Ohnsorg-Publikumslieblingen Keck und Kiupel, der hat die Amüsier-Rechnung ohne deren Entourage und das Hotelpersonal gemacht, allen voran Direktor Bendix S. Dethard. Den gibt Erkki Hopf als permanent überforderter Hotel-Manager in Nöten derart komisch, dass Ohnsorg-Intendant Michael Lang auf der anschließenden Premierenfeier von „einer Sternstunde für diesen Abend und für dieses Theater“ sprach. In der Tat hat Hopf alias Dethard alle Hände voll damit zu tun, dass sich die beiden Bühnen-Diven aufgrund seines Fehlers der Doppelbelegung nicht in der Suite begegnen. Eine tragisch-komische Figur par excellance. „De Water­stoffbomb is en groot Malöör. Dat hier is noch veel leger ...“, stöhnt er.

Es gebührt Ohnsorg-Oberspielleiter und Regisseur Murat Yeginer, die Fragen, wann (endlich) und wie (letztlich) die Diven aufeinandertreffen, im zweiten Akt als sich noch mal steigerndes turbulentes Verwirr- und Verwechslungsspiel auf die Spitze zu treiben. Das Timing stimmt, die Pointen sitzen, die Türen klappen auf zu und zu. Bilder weg, Blumen rein, Koffer raus, so geht es hin und her – je nachdem, welche der beiden Diven gerade in der Suite herrscht.

Markus Gillich als Claudius Privatsekretär Petersen und Julia Kemp als Athenas Privatsekretärin Meike leiden sichtlich unter ihren Herrinnen; die Pagen Fiete (Peter Christoph Grünberg) und Oddo (Horst Arenthold) können ihnen in diesem Tohuwabohu nur zeitweise Trost spenden Da kann Meike Meiners als lustige Frau Senator Dr. Ascan Mönckeberg noch so oft versuchen, schön zu singen.

Julia Weden erinnert als Klatschkolumnistin an „Horror-Gaby“

Am meisten bekommt in diesem Fall die Presse ab. Klatschkolumnistin Doerthe de Waal, die als einzige Hochdeutsch spricht, wittert die große Story im Zicken-Krieg, muss aber richtig einstecken. Julia Weden landet in ihrer komischen Rolle erst im Wandschrank, dann im Hotel-Pool und erinnert mit ausgeschlagenen Zähnen schließlich an „Horror-Gaby“ alias Ingrid Steeger aus der legendären „Klimbim-Familie“.

Aber die war ja ein Fernseh-Ereignis der 70er-Jahre. Das Ohnsorg-Theater entführt das Publikum noch bis zum 11. Januar 2020 ins Jahr 1953. Damals war Hamburg Schauplatz des Deutschen Turnfestes. Dass auf der Bühne mehrmals ein Turner (Mario Voß) mit Tarzan-Gehabe seinen artistischen Auf- und Abgang hat, sollte deshalb nicht verwirren. Und dass die beiden Diven aus Altona ihr ganz eigenes Spiel mit allen Beteiligten treiben, ebenso wenig ...

„Alarm in’t Grandhotel – Suite Surrender“Di 19.11., 19.30,. bis 11.1.2020, Ohnsorg-Theater (U/S Hbf.), Heidi-Kabel-Platz 1, Karten zu 21,- bis 34,50: T. 35 08 03 21; www.ohnsorg.de