Theaterkritik

"Die Therapie" – wenn zu Hause das Böse wohnt

Szene aus dem Stück "Die Therapie"  im Theater Haus im Park in Bergedorf.

Szene aus dem Stück "Die Therapie" im Theater Haus im Park in Bergedorf.

Foto: Bo Lahola/Altonaer Theater

Eine neue Inszenierung des Psychothrillers „Die Therapie“ nach dem Buch von Sebastian Fitzek hatte in Bergedorf Premiere.

Hamburg. „Das Böse hat bei uns zu Hause gewohnt.“ Und das Böse, es folgt ihr immer noch – Charlotte, dem zwölfjährigen Mädchen aus dem unvollendeten Werk der Kinderbuchautorin Anna Spiegel. Die an Schizophrenie leidende Autorin fühlt stets die Nähe der von ihr geschaffenen Figuren. Doch diese scheint fast lebendig: Charlotte verfolgt sie, zwingt die Autorin zu einer abenteuerlichen Irrfahrt von Berlin nach Brandenburg, zurück nach Berlin. Immer dramatischer werden die Ereignisse, immer gequälter fühlt sich die Autorin, so dass sie, nach langem Klinikaufenthalt, die Hilfe des Starpsychologen Dr. Viktor Larenz sucht.

Wenig Bühnenbild, nur etwas Spiel mit Licht und Dunkel

Drei Stühle, zwei Bücherstapel, ein Arbeitstisch mit Laptop: In diese Kulisse tritt Anna Spiegel (Isabell Fischer) in einer neuen Inszenierung des Psychothrillers „Die Therapie“ nach dem Buch von Sebastian Fitzek – für die Bühne bearbeitet von Marc Gruppe und jetzt als Hamburg-Premiere in Bergedorf zu sehen. Altonas Intendant Axel Schneider hat das Stück neu inszeniert, Regie geführt und es am Donnerstag erstmals im Bergedorfer Theater Haus im Park gezeigt. Demnächst wird es in den Hamburger Kammerspielen zu sehen sein.

Das Bühnenbild ist einfach, nichts lenkt ab von der Handlung, die sehr vielschichtig ist und allein mit dem Spiel von etwas Licht und Dunkel, mit etwas Sturm- und Wellengeräuschen untermalt wird. Intensiv schon der Start: Dr. Viktor Larenz, Starpsychologe aus Berlin, hat sich auf die nordfriesische Insel Parkum zurückgezogen. Er sucht die Ruhe. Denn seit vier Jahren ist seine Tochter Josephine, kurz Josie, verschwunden. Es fehlt jede Spur von ihr. Gerade ist er dabei, am Laptop – noch immer zutiefst aufgewühlt – die Fragen einer Illustrierten über den Vermisstenfall zu beantworten, da platzt Anna Spiegel (Isabell Fischer) in die Szene.

Das Spiel der drei Schauspieler ist eindringlich

Sie ist eigens auf die Insel gereist, um die Hilfe des Psychologen zu finden. Doch was sie da erzählt, diese Geschichte von Charlotte: Ist es nicht eigentlich die Geschichte von Josie? Zu viele Parallelen gibt es, zu viele tatsächliche Übereinstimmungen. Doch wie kann das sein? Psychologe Larenz wird immer nervöser, aufgewühlter, verzweifelter. Auch, weil ihn Parkums Bürgermeister (Hans Schernthaner) vor der mysteriösen Anna Spiegel warnt.

Wer glaubt, die Lösung zu kennen (und das Buch nicht gelesen hat), wird in diesem Stück wohl noch das eine oder andere Mal in die Irre geführt werden. Das Spiel der drei Schauspieler ist eindringlich, die Handlung komplex und wendungsreich. Das hat den Vorteil, dass die mit etwa 75 Minuten eher knappe Aufführung sehr kurzweilig ist – mancher Gedankengang aber auch in die Irre führt. Der eine wird das spannend finden, der andere vielleicht kompliziert. Die Lösung jedoch wollen wohl alle wissen: Warum wohnte „das Böse“ in Charlotte/Josies Haus?

Das Publikum im nicht ausverkauften Haus im Park würdigte die Inszenierung und die Schauspielleistung mit viel Applaus und auch begeisterten Pfiffen. In den Kammerspielen geht die Spannung weiter: Dort ist „Die Therapie“ im November/Dezember zu sehen.