Konzertkritik

Warum Michael Bublé in Hamburg "völlig fertig" war

Michael Bublé in der Barclaycard Arena in Hamburg

Michael Bublé in der Barclaycard Arena in Hamburg

Foto: Roland Magunia

In der Barclaycard Arena beweist der Sänger, warum er zu den Weltstars gehört – und wem aus seiner Familie er dies zu verdanken hat.

Hamburg. Mit den Stimmen in der Popmusik ist das immer so eine Sache. Es gibt ja genügend Leute, die auch das Genöle und Genuschel von Bob Dylan oder Udo Lindenberg als Gesang durchgehen lassen. Bei Michael Bublé aber gibt es keinen Interpretationsspielraum. Der kanadisch-italienische Sänger hat seiner Stimme alles zu verdanken.

Ein Weltstar mit mehr als 40 Millionen verkauften Tonträgern. Ein vierfacher Grammy-Preisträger, der allein das Album „Christmas“ mehr als zehn Millionen Mal verkauft hat. Ein ehemaliger Hochzeitssänger, der zum globalen Entertainer wurde und mühelos die großen Arenen dieser Welt füllt.

Auch in Hamburg strömen rund 11.000 Besucher in die nahezu ausverkaufte Barclaycard Arena, um diese Stimme zu hören. Erwartungsvoll und bestens gelaunt. Als ihr Idol acht Minuten nach acht auf die überdimensionale Bühne mit einem 20 Meter langen Steg, der in den Innenraum ragt, kommt, kann die Party beginnen. Mit „Feeling Good“ gibt Michael Bublé die Richtung vor, der bereits beim zweiten Song „Haven’t Met You Yet“ fast alle Besucher folgen: Sie verlassen ihre Stühle und fangen an zu tanzen.

Bublé ist mit seiner Familie nach Hamburg gekommen

„Welcher Tag ist heute?“, fragt er. „Donnerstag?“ Dann erklärt der 44-Jährige flugs den Donnerstag zum „neuen Sonnabend“. Es darf also gefeiert werden. Jetzt ist der Moment. Michael Bublé ist so wie seine Songs. Leicht und lässig singt und plaudert er sich durch den Abend.

Erzählt, dass seine Frau und seine drei Kinder nach Hamburg mitgekommen sind. Und das Konzert für ihn deshalb viel mehr sei als nur eine Show, nämlich eher ein sehr gut bezahlter Zwei-Stunden-Urlaub. Weil er zuvor 24 Stunden im Hotel hinter seinen Kindern herlaufen musste. „Nein, bitte nichts anfassen. Nein, lass das sein!“ Völlig fertig sei er deshalb.

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Natürlich wissen die Fans, dass er drei Jahre zuvor durch die Hölle gegangen ist, als sein Sohn Noah an Krebs erkrankte. Er wollte seine Karriere aufgeben und sich ausschließlich um seine Familie kümmern. Die Behandlung aber hat gut angeschlagen, und nun ist Michael Bublé wieder da. Hat vor einem Jahr sein neues Album vorgelegt. Und tourt wieder um die Welt. Mit großer Besetzung.

Sein Orchester mit Dirigent besteht aus 34 Musikern. Allein 13 Streicherinnen sorgen für ausreichend warme Töne, genauso groß ist die männliche Bläser-Truppe, die mächtig Druck macht. Ihr Chef hat kein Problem damit, seinen Musikern Raum zu geben. Sein Trompeter bekommt bei „You’re Nobody Till Somebody Loves You“ ein beeindruckendes Gesangs-Solo, während sich Michael Bublé artig neben den drei großartigen Chorsängern einreiht.

Der Weltstar widmet Lied seinem Großvater

Und dann ist da noch der junge Hamburger aus dem Publikum, der sagt, dass er Jessie heißt und sich einen Song wünschen darf, den er selbst singt: „Crazy Little Thing Called Love“ von Queen. Jessie singt wie Freddie Mercury, und jeder fragt sich, ob das jetzt inszeniert und Teil der Show war. Oder ob der Junge wirklich so gnadenlos gut singen kann.

Dabei ist das im Grunde völlig egal. An einem Abend mit Bublé geht es auch um Illusionen. Um Musik und Tanz. Um Salsa, Jazz und Rock ‘n’ Roll. Um Songs, die fast sämtlich von der Liebe und vom nach Hause kommen erzählen. Und um rührende Storys. Bevor er „Fly Me To The Moon“ singt, erzählt Michael Bublé die Geschichte von seinem italienischen Großvater, der ihn ermutigte, die Jazzstandards zu lernen und an Talentwettbewerben teilzunehmen. Und durch dessen Plattensammlung er Dean Martin, Louis Armstrong oder Bing Crosby kennengelernt hat. „Mein Großvater ist der Grund, warum ich jetzt hier stehe.“ Und dieses Lied, arrangiert von der US-amerikanischen Musikproduzenten-Legende Quincy Jones, spiele er deshalb nur für ihn.

Nach zwei Stunden und knapp zwei Dutzend Songs verlassen sehr viele glückliche Menschen die Arena. Und die meisten werden das unterschreiben, was Michael Bublé ihnen gleich zu Beginn des Konzerts gesagt hat: „Alles, was ihr mir heute Abend gebt, ich schwöre, ich gebe es euch tausendmal zurück.“