Theaterkritik

„Shakespeare in Love“ – weniger wäre hier mehr gewesen

Die jungen Darsteller können die Schwächen der Regie bei der Inszenierung von "Shakespear in Love" am Altonaer Theater nicht ausgleichen.

Die jungen Darsteller können die Schwächen der Regie bei der Inszenierung von "Shakespear in Love" am Altonaer Theater nicht ausgleichen.

Foto: G2 Baraniak

Zu hastig, zu aufgedreht: Die Bühnenfassung des Kinoerfolgs „Shakespeare in Love“ am Altonaer Theater funktioniert nicht ideal.

Hamburg. William Shakespeare war ein großer Menschenkenner und ein Meister des subtilen Humors. Die mit sieben Oscars prämierte Verfilmung „Shakespeare In Love“ nach dem Drehbuch von Marc Norman und Tom Stoppard zeichnete seine Persönlichkeit stilsicher nach. Auch wenn es sich natürlich um eine fiktive Geschichte handelte. Regisseur Franz-Joseph Dieken setzt am Altonaer Theater bei der Inszenierung der Bühnenfassung von Lee Hall dagegen auf einen eher derben Humor.

Das Ausstatterduo Yvonne Marcour und Sabine Kohlstedt hat eine schlichte elisabethanische Bühne als Theater im Theater errichtet, auf der sich vor und hinter einem Vorhang das Geschehen abspielt. In ihren vielfarbig gemusterten Strumpfhosen, Pump-Hosen und farbigen Halskrausen sorgen die Darsteller schon mal für einige Schauwerte. Das Setting verspricht einen klaren Fokus, der sich zunehmend verflüchtigt.

Mehr Konzentration, weniger Schmiere hätte gut getan

Obwohl die junge Schauspielerriege sehr engagiert aufspielt, wird sie von der Regie offenbar stetig weiter zu Maßlosigkeit und Übertreibung getrieben. Von Shakespeares Verständnis von Komödie ist das weit entfernt. Auch die feine Ironie des Filmerfolgs „Shakespeare in Love“ sucht man vergeblich. Mehr Konzentration, weniger Schmiere hätte dem Abend gut getan.

Schließlich gibt es auch einiges zu erzählen und diese Handlung ist so gut geschrieben, dass sie fast von alleine funktioniert. Der wegen einer Schreibblockade zerknirschte Dichter Will Shakespeare, gespielt von einem zauderlich zweifelnden David Nadvornik, erhält den Auftrag für ein Stück, doch ohne die Einflüsterungen seines Konkurrenten Christopher Marlowe (Joseph Reichelt) bekommt er keinen poetischen Satz zustande. Auch die Umstände erscheinen widrig.

Shakespeare verzettelt sich

Theaterbetreiber Philip Henslowe (Klaus Ebert) hat Schulden bei Hugh Fennyman (Jacques Ullrich). Shakespeares neue Komödie „Romeo und Ethel, die Piratentochter“ soll es richten. Shakespeare verzettelt sich, verspricht gleich mehreren Theatermachern Stücke und hadert mit Inspirationsmangel und Geldsorgen.

Ohne fertiges Stück und nur mit dem Hauch einer Idee versehen, castet der Dichter aber schon mal eine Besetzung. Der ehrgeizige Webster (Pedro Reichert), der raumgreifende Ned (Mats Kampen) und der androgyne Sam (Hannes Träbert) geben ihr Bestes, bedienen aber am Ende vor allem ein Knallchargentum im dauererregten Ton vor einem Dichter am Rande des Nervenzusammenbruchs.

„Shakespeare in Love“: Rätsel um das Wesen der Liebe

In diesem Testosteron-geprägten Setting muss es die Liebe schwer haben. Lisa Josephine Ahorn gibt mit großer Besonnenheit und angenehmer Unaufgeregtheit Viola von Lesseps, Tochter aus vornehmem Haus mit einer heimlichen Leidenschaft für die Schauspielerei. Verkleidet als Thomas Kent, spricht sie vor und greift die Rolle des Romeo ab. Dabei verliebt sie sich in Shakespeare und das Doppelspiel wird kompliziert, als er seinerseits anlässlich einer Begegnung für Viola entflammt.

Doch die ist von ihrem Vater dem aasigen Adeligen Wessex (allzu manieriert: Ingo Meß) als Ehefrau versprochen. Wessex geht mit dem als Violas Amme getarnten Shakespeare eine Wette mit der Königin als Richterin ein, zur Frage, ob das Wesen der Liebe in einem Theaterstück darstellbar sei.

Die Liebe hat es im Altonaer Theater nicht leicht

Nun ja. Die Liebe, zumal wenn sie eine gewisse Tiefe ausloten soll, hat es im Altonaer Theater auf jeden Fall nicht leicht. Und der Humor leider auch nicht. Gerade eine Komödie braucht Strenge, Genauigkeit, Kunstfertigkeit. Derart in Dauererregung aufgeheizt und aufgeladen, tut sich der Abend schwer, in die dramatischen Entwicklungen nach der Pause einzumünden. Das Liebesspiel des sich schließlich findenden Paares wirkt seltsam unbeholfen und plakativ. Das Drama um den Tod des Christopher Marlowe, dessen Namen Shakespeare missbraucht hat, um sich vor Wessex zu tarnen, geht in einer seltsamen Travestie-Nummer unter.

Auch die musikalischen Intermezzi, zu denen die jungen Nebendarsteller immer wieder an die Rampe treten, wirken wenig originell, sondern deplatziert. Die inhaltlich völlig unmotivierten Zuckungen von Jacques Ullrich etwa. Später die um Schillern und Glitzern arg bemühte Funk-Band. Und zuletzt Pedro Reichert, der anlässlich der sich zuspitzenden Ereignisse um Viola und Wessex „Take Me Home, Country Roads“ anstimmt.

Am Ende wird es hastig bei „Shakespeare in Love“

Das Geschehen wird im zweiten Teil hastig abgespult, die Handlungsfäden mit unnötiger Eile zusammengeführt. Beinahe verpasst man da den Höhepunkt, wenn nämlich Viola erkennt, dass sie zwar mit Shakespeare in Armut leben könnte, er aber nicht ohne das Theater. Die Liebe hat auf Erden keine Zukunft, ist ohnehin und immer begrenzt durch den Tod. Die Kunst aber, sie währt ewig. Und so ist es eigentlich ein wunderbarer Moment, wenn Shakespeare die ersten Handlungsstränge seiner nächsten Komödie „Was ihr wollt“ skizziert.

Der Abend unterhält durchaus, hätte aber ohne die Überzeichnung schärfere Kontur erlangt. Weniger wäre in dieser Inszenierung mehr gewesen.

„Shakespeare in Love“ bis 6.12., Altonaer Theater, Museumstr. 17, Karten: T. 39 90 58 70