Theaterkritik

„Das Theater der Nacht“ macht müde und trägt keinen Abend

Vasna Aguilar im „Theater der Nacht“.

Vasna Aguilar im „Theater der Nacht“.

Foto: Maximilian Arntzen

Die Inszenierung im Lichthof Theater ist kunstvoll, mit eindrucksvoller Körperlichkeit. Aber es führt nirgendwo hin.

Hamburg. Ein Mann und eine Frau in einem Gang einer Art Behörde. „Ich bin keinesfalls auf den festgelegt, der ich bin“, skandiert die Choreografin und Performerin Vasna Aguilar und beginnt, sich immer grotesker zu bewegen. Bald schon vollführt sie im Wechsel mit
Lukas Gander vor einem Gazé-Vorhang eine Art Schattenspiel.

Henri Hüster, seit seiner Theaterabende „Irre“ und „Versuch über die Schwierigkeit Nein zu sagen“ hoch gehandeltes Regietalent, tritt hier erstmals mit einem mit dem Dramaturgen Hannes Becker verfassten Text an. Für die Uraufführung verwandelt sich das Lichthof in ein „Theater der Nacht“. Dunkel und verrätselt bleibt es leider auch.

Eindrucksvolle Körperlichkeit

Der Abend ist geprägt von starkem Formwillen und viel Können. Auch von einem ausgeprägten Misstrauen gegenüber einer kohärenten Erzählung. Episode folgt auf Episode, neue, berückende Licht- und Schattenspiele entstehen. Das sieht alles kunstvoll aus, und die Performer bewegen sich mit eindrucksvoller Körperlichkeit. Doch es führt nirgends hin. Die düsteren Elektroklänge verstärken zusätzlich das Gefühl, in einem David-Lynch-Film gelandet zu sein, in dem man nur die Hälfte versteht.

Aguilar spielt unter anderem eine Barbara (oder ihren Schatten), die mit Lukas Ganders Herrn Walli (oder seinem Schatten) eine Noch-nicht- oder Nicht-mehr-Beziehung unterhält. Irgendwie soll das mit Ilse Aichinger zu tun haben. Ein Autor tritt auf und erzählt gestenreich, wie ein Schuster seine Identität an den eigenen Schatten verliert. Eine an ein Andersen-Märchen erinnernde Episode, die jedoch seltsam losgelöst im Raum steht. Zur Halbzeit erzählen Aguilar und Gander die Geschichte mit Pappfiguren auf einem Tageslichtprojektor einfach noch einmal nach. Es kommt zu einer immer wieder variierten und auf die Dauer etwas ermüdenden Liebesabschiedsszene. Und zu einer „Ich habe nichts hinbekommen“-Loser-Szene.

Unabgeschlossen und ungefähr

Das „Theater der Nacht“ verharrt bis zuletzt im Ungefähren, Unabgeschlossenen. Als Metapher für unsere fragmentierte Wirklichkeit mag das eine berückende Idee sein. Allein, sie trägt nicht einen ganzen Abend.

„Theater der Nacht“ nächste Vorstellungen 31.10., 2.11., jew. 20.15, 3.11., 18.00, Lichthof Theater, Mendelssohnstraße 15, Karten unter T. 01806/700 733