Theaterkritik

Erich-Kästner-Adaption: Schlaglichter auf eine Umbruchszeit

Am Monsun Theater wurde „Fabian" nicht radikal aktualisiert.

Am Monsun Theater wurde „Fabian" nicht radikal aktualisiert.

Foto: Kathrin Mayr

„Fabian – Der Gang vor die Hunde“ verweist am Monsun Theater durch den relevanten Inhalt auf die Gegenwart.

Hamburg.  Selbst gut ausgebildete, junge Menschen kommen auf keinen grünen Zweig. Rechte schicken sich an, die Macht zu übernehmen. Und die urbanen Liberalen finden auf die Bedrohung keine Antwort… Ein Stoff aus der Gegenwart? Nein, Erich Kästners Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“, erschienen 1931 kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Im Ottenser Monsun Theater haben sich Autor Clemens Mägde und Regisseurin Kathrin Mayr der Vorlage unter dem neuen Untertitel „Der Gang vor die Hunde“ angenommen – ohne radikale Aktualisierungen, aber mit einem interessanten Kunstgriff. Zwar wird die Geschichte des Mittdreißigers Fabian erzählt, der sich bemüht, in unsicheren Zeiten moralisch das Richtige zu tun und vom Geschehen mitgerissen wird, zumindest in den wichtigsten Stationen.

"Fabian" – wichtigstes Bühnenelement ist ein Glücksrad

Allerdings ist die Handlung dank der Bühne von Monsun-Intendantin Françoise Hüsges zersplittert – wichtigstes Bühnenelement ist ein Glücksrad, das nicht nur an das vergnügungssüchtige Berlin der Weimarer Republik erinnert, sondern vor allem als Wegweiser für die Erzählung dient: Mittels des Rades werden die einzelnen Szenen von „Fabian“ angespielt, eine Wurst weist hier auf den Besuch der Mutter hin, die frische Blutwurst vom Land mitbringt, ein Torso auf das Atelier der Bildhauerin Reiter, eine Vase auf den geschmückten Tisch bei Fabians Freundin Cornelia.

Eine stringente Erzählung bekommt man so nur mit radikalen Eingriffen in den Lauf des Glücksrads hin, aber um Stringenz geht es Mayr in ihrer Inszenierung gar nicht. Eher darum, Schlaglichter auf eine Umbruchszeit zu werfen, um den Preis, dass die Szenenfolge unlogisch wird. Immerhin, das Darstellerquartett aus Gregor Müller, der die Titelfigur als patenten Kerl mit offenem Lachen und reizendem Stirnlöckchen spielt, Irene Benedict, Flavio Kiener und Lisa Ursula Tschanz lässt das Glücksrad manchmal Rad sein und sorgt so für halbwegs nachvollziehbares Geschehen, was die Dekonstruktion zwar ausbremst, sie aber fürs Theater lesbar macht.

Abend könnte auch am Thalia laufen

Freilich um den Preis, dass die Aufführung fast zu perfekt daherkommt. Eine eigene Freie-Szene-Ästhetik findet sich hier nicht, im Grunde könnte der Abend auch am Thalia (wo man sich mit Kästner-Adaptionen auskennt) oder am Landestheater Schleswig-Holstein (wo Mayr häufig inszeniert) laufen. Aber so etwas ist lässliches Strukturgemäkel, angesichts eines Stoffs, dessen Relevanz auf der Hand liegt.

„Fabian. Der Gang vor die Hunde“ wieder am 26. 10., 21. und 22. 11., jew. 20 Uhr, Monsun Theater, Friedensallee 20, Karten unter T. 3903148