Hamburg-Konzert

The National, Lieblinge des Stadtparks

Sänger Matt Berninger, Aufnahme von 2014,

Sänger Matt Berninger, Aufnahme von 2014,

Foto: imago stock&people

Matt Berninger und seine Band spielten mal wieder in Hamburg. Zum Schluss tat der Sänger das, was er immer tut.

Hamburg. Die US-amerikanische Band The National ist bekannt für ihren zwischen Rock und Balladen angesiedelten Sound. Wahrscheinlich ist ihr wahres Alleinstellungsmerkmal das vitale Schlagzeugspiel von Bryan Devendorf. Der Mann ist einfach wahnsinnig gut. Immer am Klöppeln und Hauen, ein nervöser Pulsator. Dennoch ist es, ewiger Vorteil des Frontmann-Status, der sich enigmatisch gerierende Sänger Matt Berninger, der mit seinem ausgeprägten Bariton als entscheidend für die Popularität der Band gilt.

Die hat im Laufe der jetzt 20-jährigen Bandkarriere kontinuierlich zugenommen. Barack Obama, der ehemalige US-Präsident, gilt als großer Fan. Seit 2010 sind alle vier in diesem Zeitraum erschienenen Alben in die Top Ten der deutschen Albumcharts gelangt. Das jüngste, „I’m Easy to Find“, kam bis auf Platz zwei. Wobei, was Deutschland und Hamburg angeht, die gestiegene Beliebtheit The Nationals am besten am Stadtpark abzulesen ist. Als sie dort vor neun Jahren spielten, war der Platz vor der Freilichtbühne noch ziemlich geräumig. 2014 war es wesentlich voller, und diesmal nun war das Konzert bereits nach kurzer Zeit ausverkauft.

Also drängte sich das akademisch geprägte Publikum vor der Bühne. Vor zwei Jahren waren die New Yorker letztmals in der Hansestadt, damals mit hochkultureller Fassade: Die Rockband spielt in der vornehmlichen Klassik-Spielstätte Elbphilharmonie.

Trägheit des Publikums

Im Stadtpark war das Publikum im übrigen so zurückhaltend gestimmt wie immer: Für die verhältnismäßige Trägheit sorgen verlässlich die pittoreske Kulisse und der fehlende Jubelhall. Das Klatschen wabert halt gen Abendhimmel. Nur zwei Jahre liegen zwischen den beiden bislang letzten Alben der Band, und der Kreativschub fußt auf einer Sache besonders: der Entdeckung des weiblichen Prinzips (sieht man mal von der Zusammenarbeit mit dem Regisseur Mike Mills ab). Auf dem Album sind Sharon Van Etten, Lisa Hannigan, Phoebe Bridges, Mina Tindle, Kate Stables und Gail Ann Dorsey zu hören.

Mina Tindle und Gail Ann Dorsey sind nun auf der aktuellen Tour als Sängerinnen mit dabei. Zehn Lieder von der neuen Platte, die eher elegisch als laut ist, wurden gespielt, und man durfte da noch einmal feststellen, wie klug der Schachzug war, weiblichen Gesang in den National-Sound zu integrieren.

Stimmlich schon mal besser in Form

Was ganz sicher auch daran lag, dass Berninger stimmlich schon mal besser in Form war. Wobei die Gebrochenheit des Baritons, der sich überschlagende Vortrag stets am besten zu den oft selbstzerquälten Texten passt. Beim Zugabenstück „Mr. November“, das auf neue Songs wie die auch live formidablen „The Pull of You“ und „Where Is Her Head“ und alte Favoriten wie „Green Gloves“ und „Fake Empire“ folgte, marschierte Berninger wie so oft durch die Reihen. Und danach wieder zurück in Richtung Bühne, die in diesem Moment das Licht der Verheißung war – der Rockstar auf Abwegen, der wieder heimfindet zu seiner Band. Zum Schluss wie immer „Vanderlyle Crybaby Geeks“, ganz ohne Mikrofon.