Konzertkritik

Panic! At The Disco: Eigentlich fehlt nur ein Elefant

Der Sänger von Panic at the Disco, Brendon Urie, bei einem Auftritt in Manchester im März dieses Jahres (Archiv).

Der Sänger von Panic at the Disco, Brendon Urie, bei einem Auftritt in Manchester im März dieses Jahres (Archiv).

Foto: picture alliance / Photoshot

Die Band um Sänger Brendon Urie macht vor 8000 Besuchern ein Fass auf – musikalisch und was die Bühnenshow angeht.

Hamburg. „Sehr beeindruckend Deutschland“ – so kommentierten Panic! At The Disco auf Twitter die überwältigend große Ticket-Nachfrage für die Deutschland-Konzerte ihrer „Pray For The Wicked“-Tour, für die das aktuelle Album der Alternative-Rockband aus Las Vegas namensgebend ist. Die bereits ausverkauften Konzerte wurden in größere Hallen verlegt und die Hamburger konnten sich besonders freuen: Sie waren auf dem Tourplan nämlich ursprünglich gar nicht vorgesehen. Die Fans in der Barclaycard Arena dankten es am Donnerstagabend mit bombastischer Stimmung.

Zehn Minuten vor Beginn der Show zählt eine Uhr die Zeit bis zum Start um 21 Uhr herunter. Kurz bevor der Countdown bei Null landet, reißt es das Publikum auf den Rängen schon von seinen Sitzen. In den Jubel schweben Streicher, Bläser und ein mittig platziertes Schlagzeug auf Podesten aus der Dunkelheit hervor, bevor Frontmann Brendon Urie für einen Überraschungsmoment sorgt, als er plötzlich aus dem Boden der Bühne springt und den Song „(Fuck A) Silver Lining“ des aktuellen Albums anstimmt. Zeitgleich schießen silberfarbene Konfettifäden in die Luft.

Set aus 14 Jahren Bandgeschichte

Das Publikum ist von Beginn an elektrisiert. Auch 14 Jahre nachdem Panic! At The Disco, damals noch im Highschool-Alter, mit ihrem Debütalbum „A Fever You Can’t Sweat Out“ durchstarteten, weiß die US-Band um Sänger Urie zu begeistern.

Ihr Publikum besteht auch heute noch größtenteils aus Teenies, die teilweise in Begleitung der Eltern erschienen sind – etliche Fans sind jedoch auch zusammen mit den Musikern älter geworden. Und gerade die älteren Semester goutieren, dass Panic! At The Disco sich durch die kompletten sechs Studioalben und damit auch die verschiedenen Stilrichtungen der vergangenen 14 Jahre spielt. „I Write Sins Not Tragedies“, ihren ersten Hit aus dem erfolgreichen Debütalbum, heben sie sich für die Zugabe auf und sorgen dadurch kurz vor Ende noch einmal für komplette Eskalation – vor allem bei den drei Fans, die die ersten Takte auf der Bühne mitsingen dürfen.

Piano schwebt über Köpfen der Zuschauer

Den bisher größten Charterfolg landeten Panic! At The Disco mit ihrem aktuellen Album, das Lied „High Hopes“ lief auch hierzulande im Radio rauf und runter, wodurch die Band zahlreiche jüngere Fans dazugewonnen haben dürfte. Nicht nur bei diesem Hit wird textsicher mitgesungen.

Während Sänger Urie bei „Death Of A Bachelor“ mit der ersten Reihe auf Tuchfühlung geht, schwebt am hinteren Hallenrand ein weißer Flügel auf einem kleinen Podest von der Decke. Dann bahnt er sich, begleitet von Sicherheitspersonal, seinen Weg durch einen abgesperrten Bereich in der Mitte des Publikums, klettert auf das Podest und erzählt im Dunkeln eine musikalische Anekdote aus seiner Kindheit. Kurz darauf sorgt er für einen magischen Moment, als er sich für das Bonnie Raitt-Cover „I Can’t Make You Love Me“ an das Klavier setzt, das sich, über den Köpfen der Zuschauer schwebend und in weißes Licht getaucht, Richtung Bühne bewegt.

Geschmeidiger Hüftschwung

Während sich die Besetzung von Panic! At The Disco über die Jahre mehrfach änderte, ist Brendon Urie seit Bandgründung die Konstante. Auch an diesem Abend zeigt er, begleitet von seinen Musikern, eine beeindruckende One-Man-Show. Dass er auf der Bühne über eine erstaunliche Kondition verfügt, unterstreicht der Frontmann, als er bei „Miss Jackson“, immerhin der 22. Song des Abends, mit einem Rückwärtssalto überrascht. Neben seinen Tanzeinlagen verausgabt er sich nicht nur gesanglich und am Piano, sondern zwischenzeitlich auch an der Gitarre und am Schlagzeug und vor allem mit einem geschmeidigen Hüftschwung, während um ihn herum die Pyrotechnik zischt. Auch an Lichteffekten wird bei dem zweistündigen Konzert nicht gespart.

„Fehlt eigentlich nur noch, dass jetzt Elefanten auf die Bühne kommen, ansonsten haben wir eigentlich alles gesehen“, hört man jemanden auf den Rängen flüstern. Ohne Elefant, aber dafür mit nacktem Oberkörper kommt Urie für die Zugabe zurück auf die Bühne, bevor er die Fans im Konfetti-Feuer-Nebel in die Nacht entlässt.