Elbphilharmonie

Jörg Widmann mit Feuer und lautem Stampfen im Großen Saal

In der Elbphilharmonie umjubelt: Komponist Jörg Widmann (Archivbild).

In der Elbphilharmonie umjubelt: Komponist Jörg Widmann (Archivbild).

Foto: Christian Charisius / dpa

Der Komponist inspirierte die Junge Deutsche Philharmonie zu kraftvollem Spiel – und bewies, wie wohl er sich mit der Akustik fühlt.

Hamburg. Jörg Widmann und die Elbphilharmonie: das passt. Schon in der Eröffnungswoche Anfang 2017 begeisterte der Komponist mit seinem opulenten, von Kent Nagano aus der Taufe gehobenen Auftragswerk „Arche“; danach war er in fünf gefeierten Konzerten als Porträtkünstler zu Gast. Und auch jetzt, beim Auftritt mit der Jungen Deutschen Philharmonie im Großen Saal konnten die Besucher wieder erleben, wie wohl er sich mit dem Raum und seiner Akustik fühlt – und weshalb er zurecht als einer der vielseitigsten Klassik-Künstler der Gegenwart gilt.

Als Klarinettist und Arrangeur in Personalunion eröffnete Jörg Widmann den Abend: mit seiner eigenen Bearbeitung des Andante aus Mendelssohns Klarinettensonate, in der er die Klavierbegleitung auf zarte Streicherflageoletts und Klangtupfer von Harfe und Celesta auffächert. Sanft säuselnd füllte sein Ton da den Saal, mit der bittersüßen Melodie der Klarinette. Der Auftakt zu einem Programm, das die Idee des instrumentalen Gesangs ins Zentrum rückte und von wechselnden Seiten beleuchtete.

Junge Deutsche Philharmonie zeigte professionelles Niveau

In seiner „Messe“ von 2005 verzichtet Widmann auf die sonst üblichen Vokalstimmen von Chor und Solisten und lässt stattdessen das groß besetzte Orchester singen. Mit einer einstimmigen Linie, die zunächst backstage von einer Trompete geblasen und dann durch die verschiedenen Instrumentengruppen weiter gereicht wird. Aber auch mit choralhaften Momenten, die immer wieder wie Zitate aus der Vergangenheit aufschimmern.

Die Mitglieder der Jungen Deutschen Philharmonie – eine Elitetruppe aus handverlesenen Musikstudenten – demonstrierten unter Leitung von Widmann ihr professionelles Niveau. Sei es in den solistischen Bläserpartien oder im Tutti, wenn der Komponist tief in den Farbtopf greift und gewohnt virtuos mit Kontrasten spielt und reizvolle Mischungen schafft, wie beim anthrazitglänzenden Mix von Bassklarinette, Kontrabass und Akkordeon.

Widmann weiß, wie es geht und nutzt das manchmal fast schon zu effektvoll aus. Das Bild der Kreuzigung im Crucifixus etwa hätten wir sicher auch ohne das überdeutliche Hämmern des Schlagwerks verstanden. Aber mit so einer wirkungsmächtigen Sprache hält man seine Hörer natürlich bei der Stange.

Das tat Widmann schließlich auch in der zweiten Sinfonie von Robert Schumann. Mit Feuer, Temperament und bisweilen auch lautem Stampfen inspirierte er seine jungen Kolleginnen und Kollegen zu einer temporeichen, energischen und kraftvollen Interpretation, die im langsamen Satz aber auch emotionale Tiefen auslotete und dabei wieder einen innigen instrumentalen Gesang anstimmte.