Hamburg

Hipster-Kammerorchester aus New York in der Elbphilharmonie

The Knights, Hipster-Kammerorchester aus New York

The Knights, Hipster-Kammerorchester aus New York

Foto: Sarah Sma

So bunt wie die Knights sind, so bunt war auch ihr Konzert im Großen Saal: Von adrett, aber harmlos bis allerliebst und wirklich toll.

Hamburg.  Nachdem die Knights, dieses coole, immer für Überraschungen gute Hipster-Kammerorchester aus New York, in der Elbphilharmonie Barockes und Beethoven auf sehr unterschiedlichem Niveau abgeliefert hatte, wurde es für einige Minuten dann doch noch wirklich toll: Die Geigerin Christina Courtin und die Flötistin Alexandra Sopp sangen am Bühnenrand „I’ll Fly Away“, eine dieser unerschütterlich optimistischen Gottesdienst-Hymnen, bei denen das Kopfkino sofort weißgestrichene Dorfkirchen in den Appalachen einblendet und George Clooney mit Welpen-Charme durch „O Brother, Where Art Thou?“ stolpert.

Die Mandoline, mit der Avi Avital im Hauptteil des Abends adrette Bach-Solo-Konzert-Bearbeitungen gespielt hatte, zappelte wie ein angeschickertes Bluegrass-Banjo durch die Akkorde; das Orchester, das sich eben noch an Beethovens Achter Sinfonie versucht und größtenteils verhoben hatte, tat wacker mit. Und die Welt war für diese Minuten sehr in Ordnung, erst recht, als sich alle Knights leise singend allen Abschnitten des Großen Saal zuwandten und das Publikum selig mitsummte.

Das Knights-Konzert gehört ins Langzeitgedächtnis

Dass Avital unmittelbar davor mit einer orientalischen Zugabe daran erinnerte, dass der musikalische Horizont nicht an willkürlichen Grenzen oder gar Mauern enden darf, war eine weitere flotte Repertoire-Volte. Genau deswegen gehört dieser Abend auch ins Langzeitgedächtnis.

Im Kernrepertoire jedoch ließ das Konzert nicht wenige Wünsche offen. Die Idee, mit Jean-Féry Rebels berühmtem Suiten-Satz „Le cahos“ zu beginnen, in dem alle Töne einer Oktave gleichzeitig erklingen, bevor sich das Durcheinander in französische Barock-Noblesse zurechtsortiert – die hatte was. Doch sowohl dort als auch bei Rameaus „Zoroastre“-Ouvertüre wurde erstaunlich schnell das Leistungslimit der Knights hörbar.

Großzügiger Applaus fürs Bach-Arrangement

Wer weiß, welche Funken, wie viel Bums und und Brio diese Musik in den Händen versierterer Experten haben kann, der ist für lediglich freundliches Mittelmaß schnell verloren. Andere gehen deutlich frecher, radikaler, brillanter, gekonnter mit dieser extrem temperamentvollen Musik um.

Auch die zeitgenössische, raffiniert verfremdende Couperin-Bearbeitung von Thomas Adès blieb vor allem Kabinett-Stück der Knights statt Entdeckung. Allerliebst und mit anmutigem Drive tänzelte Avitals Mandoline anschließend durch die zurechtarrangierten Noten-Ornamente, die Bach für andere Instrumente geschrieben hatte, zum Dank für den großzügig spendierten Applaus legte Avital gleich noch ein ganzes Vivaldi-Konzert obendrauf.

Beethoven harmlos und pauschal vor sich her dirigiert

Kritisch wurde es nach der Pause, denn so harmlos und pauschal, wie Eric Jacobsen die Achte von Beethoven vor sich her dirigierte, anstatt in die Tiefe zu gehen, ist sie nun wirklich nicht.

In manchen Konzerten kann man nicht alles haben.