Konzert in Hamburg

Womit Peter Tschentscher der Kultur Hoffnung macht

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Marcus Stäbler
Bürgermeister Peter Tschentscher: „Eine schwere Zeit für die Kultur liegt hinter uns.“

Bürgermeister Peter Tschentscher: „Eine schwere Zeit für die Kultur liegt hinter uns.“

Foto: Claudia Höhne

Beim Finale der Kultursommers auf dem Rathausmarkt gab es ein bemerkenswertes Grußwort des Bürgermeisters.

Hamburg.  Das Finale des Hamburger Kultursommers auf dem Rathausmarkt zu feiern, mit dem letzten von vier Open-Air-Konzerten des Philharmonischen Staatsorchesters: eine schöne Idee. Und eine praktische dazu. So hatte es der Bürgermeister nicht weit zu seinem Grußwort. Ein kurzes zwar, aber ein interessantes.

Denn er freute sich nicht nur über die gerade zurückliegenden 1800 Veranstaltungen an 200 Orten in vier Wochen des Kultursommers, sondern formulierte einen Satz, der sich als Signal deuten lässt. „Wir haben eine schwere Zeit für die Kultur hinter uns“, sagte Peter Tschentscher, „denn in der Corona-Pandemie war vieles, was wir gewohnt sind in dieser Stadt an kultureller Vielfalt, nicht möglich.“

Worte von Hamburgs Bürgermeister lassen hoffen

Vergangenheitsform. Schlussstrich. Wir haben die schwere Zeit hinter uns: Das klang zumindest nicht so, als hätte der Bürgermeister vor, das Kulturleben im Herbst wieder runterzufahren, falls die Inzidenzen weiter steigen. Diese Botschaft lässt hoffen – und war ein passender Startschuss für das Konzert, das rund 70 Minuten lang einen unbeschwerten Ton anschlug.

Drei Wochen vor der Eröffnungspremiere der Staatsoper mit „Hoffmanns Erzählungen“ präsentierte das Philharmonische Staatsorchester unter Kent Nagano eine Jacques-Offenbach-Gala. Also quasi vertontes Champagnerprickeln mit einem ordentlichen Schuss Witz und Ironie. Gemeinsam mit fünf Solistinnen und Solisten der Oper, die dafür „natürlich die Besten“ ausgewählt hatte, wie Intendant Georges Delnon in seiner gutgelaunten Moderation ankündigte.

Ein Hauch von Verona über dem Rathausmarkt

Was nicht zuviel versprochen war. Nach dem schmissigen Einstieg mit der Ouvertüre zu „La belle Hélène“ bat Nagano als erstes Oleksiy Palchykov an die Rampe. Der ukrainische Tenor schmachtete und schmetterte mit Schmelz und Strahlkraft, elektronisch verstärkt und auf Videoscreen übertragen, wie alles an diesem Abend. Super Typ, super Stimme. Als er zum Schlusston der Arie „Va pour Kleinzach“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ die Arme zu einer großen Tenor-Geste ausbreitete, wehte ein Hauch von Verona über den Rathausmarkt.

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Palchykov war der vokale Haupt-Act, im Wechsel und Zusammenspiel mit nicht minder hinreißenden Auftritten seiner Kolleginnen und Kollegen. Kristina Stanek betörte mit ihrem warmen Mezzo, der Bassbariton Chao Deng beeindruckte mit stimmlicher Fülle. Und die Sopranistin Lini Gong sang und spielte die Olympia aus „Hoffmanns Erzählungen“ als lebensgroße Puppe, die ihre Koloraturen erst blitzsauber zirpt und dann plötzlich abwürgt, wenn ihre Mechanik versagt und der Oberkörper nach vorne klappt. Hihi.

Tschentscher klatschte Beifall auf Rathausmarkt

Kent Nagano und die Philharmoniker – in der Klangbalance vielleicht eine Spur unterrepräsentiert, jedenfalls direkt vor der Bühne – begleiteten das Ganze schwungvoll und mit Spaß an der Sache. Etwa wenn Flöte und gezupfte Geigen in „La Vie parisienne“ ihre neckischen Pointen setzen.

Bei der berühmten Barcarolle, Offenbachs größtem Hit, hätte Nagano ruhig mit den Sängerinnen Kristina Stanek und Elbenita Kajtazi schwelgen dürfen, das blieb ein bisschen kühl. Dafür gab er ganz am Schluss, vergnügt grinsend, den Massenanimateur, und dirigierte den Can-Can-Rhythmus aus „Orpheus in der Unterwelt“ ins begeisterte Publikum rein. Das ließ sich nicht zweimal bitten – selbst der Bürgermeister klatschte mit.

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