Musik in Hamburg

Eine ganze Reihe Weltstars bei den Symphonikern

Sir Jeffrey Tate am Tag der Programmvorstellung in der Laeiszhalle. Er wurde an diesem Tag 74 Jahre alt

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Sir Jeffrey Tate am Tag der Programmvorstellung in der Laeiszhalle. Er wurde an diesem Tag 74 Jahre alt Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

An seinem Geburtstag stellte Chefdirigent Sir Jeffrey Tate in der Laeiszhalle das Programm für die Saison 2017/2018 vor.

Hamburg.  Programmplanung? Nichts leichter als das. Jedenfalls wenn sie nach der Devise geht, die man Rolf Liebermann nachsagt, dem legendenumwobenen früheren Intendanten der Staatsoper: Stars zu verpflichten sei wirtschaftlich sinnvoll.

Auch in Zeiten klammer öffentlicher Kassen lohnt es sich, auf dem Satz mal herumzudenken. Die Symphoniker Hamburg haben ihn jedenfalls beherzigt. Bei der Vorstellung der kommenden Saison, nach der Eröffnung der Elbphilharmonie die erste „ganze“ als Residenzorchester der Laeiszhalle, zog der Intendant Daniel Kühnel einen ­illustren Namen nach dem anderen aus dem Hut: Martha Argerich, Kirill Ger­stein, Radu Lupu, Gerhard Oppitz, Mitsuko Uchida.

Nur Pianisten? Genau, aber was heißt da nur, es sind alles Künstler von Rang. Die fünf kommen über die Saison und die verschiedenen Reihen des ­Orchesters verteilt, sind aber auch konfektioniert als eigenes Abo zu ­buchen, mit im Paket ist der junge spanische Pianist Javier Perianes.

Um intelligente Programme ist das Orchester nie verlegen

Bei allem Finanzärger der vergangenen Jahre, bei aller Unsicherheit über die jährlichen 900.000 Euro Bundesmittel aus dem Programm „Exzellente ­Orchesterlandschaft Deutschland“ (die Beauftragte des Bundes für Kultur und Medien, Monika Grütters, hatte kürzlich hinter das für die Förderung verlangte „erhebliche Bundesinteresse“ ein Fragezeichen gesetzt), eins muss man dem Orchester lassen: Um intelligent erdachte, wirkungsvolle Programme ist es nie verlegen.

Verglichen mit dem früheren Multimedia-Aufwand, findet die Saisoneröffnung in einem eher schlichten Rahmen statt, sozusagen als Netto-Konzert. Allerdings ein hochprozentiges: Chefdirigent Jeffrey Tate, seit gut einer Woche ist er Ritter und mit „Sir Jeffrey“ anzusprechen, dirigiert Strauss’ melancholisch-süffige „Metamorphosen“ für 23 Solostreicher und dazu die monumentale Neunte von Bruckner.

Die sonntäglichen Sinfoniekonzerte, aber auch die Donnerstagsreihe „VielHarmonie“ stellen Raritäten wie Strawinskys Sinfonia Concertante oder das Violinkonzert von einem gewissen Julius Conus (dessen einziges Werk) neben Altbekanntes wie Brahms’ Zweite oder Mozarts „Kleine Nachtmusik“. Frisch serviert und mit wachen Ohren gehört, warum nicht?

Die Sonderkonzerte vereinen Traditionelles wie die obligatorische Beethoven-Neunte am Silvestertag mit handverlesenen Programmen für die Ausflüge des Orchesters in die Elbphilharmonie. Dort dirigiert Markus Stenz die deutsche Erstaufführung von Detlev Glanerts „Requiem für Hieronymus Bosch“, und wenn die Musik nur halb so ausladend ist wie die Bilder des niederländisches Malers, wird der Saal ­ordentlich gefordert.

Geistliche Musik im Mittelpunkt der Matinee-Konzerte

Jetzt, da das NDR Elbphilharmonie Orchester und das Philharmonische Staatsorchester ihre Sonntagmorgenkonzerte in den neuen Saal an der ­Hafenkante verlegt haben, kapern die Symphoniker den gut eingeführten Programmplatz mit einer einfachen und einfach guten Idee für eine neue Programmreihe: Sie stellen geistliche Musik in den Mittelpunkt ihrer Matinee-Konzerte. Mit dabei ist die EuropaChorAkademie, mit der die Symphoniker zur neuen Saison eine feste Kooperation beginnen.

Den bewährten künstlerischen Partnerschaften mit dem ersten Gastdirigenten Ion Marin und dem ersten Gastkünstler, dem Geiger und Dirigenten Guy Braunstein, bleibt Kühnel treu. Zu den Gästen zählen etwa der Dirigent James Feddeck und die Cellistin Alisa Weilerstein.

Es bleibt erstaunlich, was für Brocken Kühnel für ein Orchester programmiert, das seiner Stammbesetzung nach die ideale Größe für klassische und romantische Sinfonien hat, nämlich eine sogenannte Zwölferbesetzung, das heißt zwölf erste Geigen, zehn zweite, acht Bratschen und so weiter. Bei den Symphonikern spielten so gut wie alle alles, betonte Kühnel. Dennoch: Für Spätromantisches und Modernes müssen Streicher zugekauft werden und Extrainstrumente wie Wagnertuben sowieso. Finanzielle Sorgen scheint Kühnel das nicht zu bereiten. In der Saison 2015/16 habe man zum vierten Mal in Folge den einst mit der Kulturbehörde ausgehandelten Plan übererfüllt.

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