Drama

Ein leuchtendes Juwel

Michael Ranze

"Secret Sunshine" von Lee Chang-dong glänzt mit seiner famosen Hauptdarstellerin.

Es ist der Versuch eines Neuanfangs: Nach dem Unfalltod ihres Mannes zieht die Klavierlehrerin Shin-ae (Jeon Do-yeon) mit ihrem Sohn Jun von Seoul in die Provinzstadt Miryang. Der Grund: Es ist die Heimatstadt des Verstorbenen. Doch so richtig einleuchtend ist diese Entscheidung nicht. Die junge Frau fühlt sich denn auch eigentümlich fremd in diesem Ort, die Avancen von Jong-chan (Song Kang-Ho) nimmt sie desinteressiert zur Kenntnis. Dann geschieht - in einem radikalen Richtungswechsel - das Unfassbare: Jun wird entführt und ermordet. In ihrer Verzweiflung sucht Shin-ae Trost bei Gott und wird strenggläubige Christin. Jetzt wäre sie sogar bereit, dem Mörder ihres Sohnes zu vergeben. Doch dann geschieht wieder etwas, das sich nicht vorausahnen ließ.

Der koreanische Regisseur Lee Chang-dong hat mit seinem vierten Film ein vielschichtiges, facettenreiches Drama über Leid und Trauer, Schuld und Sühne inszeniert, das sich ganz den genreüblichen Erzählkonventionen verweigert. "Secret Sunshine" ist ein ungewöhnliches Filmjuwel: makellose, lichttrunkene Bilder, ein unaufdringlicher, gemächlicher Stil und eine überragende Hauptdarstellerin. Von milder Zuversicht über Apathie bis hin zu Hass und Bitterkeit zieht Jeon Do-yeon alle Register.

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