Berliner Schaubühne

"Peer Gynt": Lars Eidinger im Schrottlabor

Lars Eidinger in Strapsen.

Lars Eidinger in Strapsen.

Foto: dpa

Lars Eidinger in "Peer Gynt" - das ist exzentrisches, schrilles und ungewöhnliches Theater voller bizarrer Einfälle.

Berlin. Wenn Lars Eidinger (44) auf einer Bühne steht, dann ist er ohnehin schon raumgreifend. Nun aber hat er die Berliner Schaubühne sogar ganz für sich alleine. Eidinger nimmt sich "Peer Gynt" des norwegischen Autors Henrik Ibsen vor - und schafft mit dem Künstler John Bock ein Schrott-Sammler-Labor.

Mit geschminktem Gesicht und Perücke hat Eidinger ein bisschen was vom Joker aus den "Batman"-Geschichten. Er trägt rote Strapse, bastelt sich einen Aluhut oder steht (mal wieder) splitternackt auf der Bühne. Er singt, klebt sich einen Kassettenrekorder an den Kopf, lässt sich in einen Pornofilm projizieren und isst dann eine Möhre.

In der Geschichte geht es eigentlich um einen verarmten Bauernsohn, der mit seinen Fantasiegeschichten die Realität zu verdrängen versucht. Für Eidinger eigentlich eine ideale Rolle. "Ich will ich sein - en bloc, total", sagt seine Figur an einer Stelle.

Eidinger quält sich mit einem Rollator durch den Raum, malt sich grün an und pustet Staub in die Luft. So viele Effekte nacheinander, das ist fast etwas vorhersehbar und einfach. Stärker wird die Inszenierung dann, wenn sie den Textpassagen mehr Platz einräumt.

Zu der schrillen Inszenierung gibt es natürlich kein normales Programmheft aus Papier - sondern eine "Programm-Unterhose" mit Aufdruck. Die kann man sich dann anziehen oder nicht. Eidinger sagt bei der Premiere am Mittwochabend nach dem Schlussapplaus jedenfalls: "Für mich war's richtig gut heute."