Bedenkzeit erbeten

Sasha Waltz lässt Verbleib beim Staatsballett Berlin offen

Sasha Waltz, Choreografin und Intendantin des Berliner Staatsballetts, bittet um Bedenkzeit.

Sasha Waltz, Choreografin und Intendantin des Berliner Staatsballetts, bittet um Bedenkzeit.

Foto: dpa

Bleibt Sasha Waltz doch? Nach ihrer ursprünglichen Ankündigung, das Staatsballett Berlin zusammen mit ihrem Co-Intendanten zu verlassen, lässt sie ihren Weggang nun offen.

Berlin. Sie fühle sich "überrumpelt", ihr Partner habe sich unabhängig von ihr zum Weggang entschieden: Sasha Waltz hat sich am Montag verärgert über den Ausstieg ihres Co-Intendanten beim Staatsballett Berlin, Johannes Öhman, geäußert.

Gleichzeitig ließ die Tanzregisseurin offen, ob sie - wie zunächst angekündigt - auch gehen will. Die Entscheidung des schwedischen Tänzers und Choreographen Öhman, nach nur wenigen Monaten gemeinsamer Arbeit zum Jahresende nach Stockholm zurückzukehren, sei "sehr kurzfristig und unerwartet" gekommen. Unter diesen Bedingungen sehe sie es nicht als sinnvoll an, alleine die Leitung der Kompanie zu behalten.

Noch am vergangenen Mittwoch hatte Waltz erklärt, dass sie ebenfalls ihre Amtszeit vorzeitig beenden und das gemeinsame Projekt nicht alleine fortsetzen wolle. Ab der Spielzeit 2021 wolle sie sich ganz ihre eigenen Kompanie "Sasha Waltz & Guests" widmen.

Am Montag sagte Waltz dann auf einer Pressekonferenz, sie wolle überlegen, in welcher personellen Konstellation sie beim Staatsballett bleiben könne. "Ich erlaube mir, mir diese Zeit zu nehmen." Die Bedenkzeit sei sie den Tänzerinnen und Tänzern schuldig. Danach wolle sie einen Vorschlag vorlegen. Als Vertreterin des modernen Tanzes müsste ihr jemand mit "klassischer Expertise" zur Seite stehen. Sie könne sie aber nicht vorstellen, dass so jemand jetzt "aus dem Hut gezaubert" werde.

In einer schriftlichen Erklärung hieß es: "In meiner Verantwortung gegenüber dem Staatsballett, werde ich in Ruhe und ohne Zeitdruck eine Entscheidung über das Ende meiner Amtszeit fällen."

Die beiden Co-Intendanten hatten am vergangenen Mittwoch nach nur wenigen Monaten an der Spitze des Staatsballetts erklärt, dass sie die gemeinsame Leitung zum Jahresende 2020 aufgeben. Sie hatten diese erst seit August 2019 gemeinsam inne. Ursprünglich sollten sie bis zum Ende der Saison 2024/25 bleiben.

Öhman kehrt nach Stockholm zurück, wo er schon im März das Ballett-Theater Dansens Hus übernimmt. Er begründete seinen Weggang, mit beruflichen und persönlichen Gründen. "Man hat mir vor Weihnachten ein sehr schönes Job-Angebot gemacht", das er nicht abschlagen wollte. Auch private Gründe spielten eine Rolle. "Die Entscheidung habe ich allein getroffen, ohne dass jemand anders als ich beteiligt war", ließ er danach erklären.

Sasha Waltz sagte dazu, sie und Öhman hätten eine "einheitliche künstlerische Vision" für das Staatsballett. Die kommende Saison sei bereits geplant und werde auch in dieser Form stattfinden.

Das vorzeitige Ende der gemeinsamen Arbeit von Waltz und Öhman war von dem Tanzensemble heftig kritisiert worden. "Mehr noch sind wir enttäuscht, dass wieder einmal wir Tänzerinnen und Tänzer die Leidtragenden dürftigen Kulturmanagements sind", hieß es in der Mitteilung des Ballett-Vorstands.

Das Ensemble hatte bereits gegen die Berufung des klassischen Choreographen Öhman und der Tanzregisseurin Waltz protestiert und eine auf das klassische Ballett ausgerichtete Leitung gefordert.