Energiesparen in der Kultur

Hamburg tüftelt an Notfallplan für seine Museen

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„Kulturgut von großer Bedeutung für das kulturelle Erbe“: Hans Makarts Historiengemälde „Der Einzug Karls des V. in Antwerpen“ in der Kunsthalle.

„Kulturgut von großer Bedeutung für das kulturelle Erbe“: Hans Makarts Historiengemälde „Der Einzug Karls des V. in Antwerpen“ in der Kunsthalle.

Foto: Fred Dott

Kulturstaatsministerin Claudia Roth drängt auf konkrete Sparmaßnahmen, um der Energiekrise zu trotzen. Was jetzt denkbar wäre.

Hamburg.  Gut möglich, dass die Garderoben der großen Museen in diesem Herbst und Winter leer bleiben, weil sich das Publikum in Daunenjacke und Wollmantel aufmacht zur Ausstellungsbesichtigung. „Es könnte etwas kühler werden in den Häusern“, sagt Alexander Stockinger. Der kaufmännische Geschäftsführer am Museum für Kunst und Gewerbe hatte vor wenigen Wochen das elf Hamburger Museen umfassende Projekt „Elf zu null“ angekündigt, bei dem alle Bereiche auf ihre CO-Wirkung überprüft und Experten für die Nachhaltigkeitstransformation ausgebildet werden.

Nun wird es von oberster Stelle dringlicher: Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat mit ihren Länderkollegen weitere Vorkehrungen für eine mögliche Gasnotlage in die Wege geleitet. Kultureinrichtungen und deren Trägern wird „dringend empfohlen, zeitnah Maßnahmen des Risikomanagements und der Notfallplanung zu ergreifen“, heißt es in dem Schreiben des Bundes.

Energiesparen: Museen auf Energieversorgung angewiesen

Die für Kultur zuständigen Ministerinnen und Minister appellierten an die Bundesnetzagentur, im Falle der Gasnotlage bei einer Abwägungsentscheidung solche Kultureinrichtungen zu priorisieren, „die Kulturgut von großer Bedeutung für das kulturelle Erbe bewahren und die aus konservatorischen Gründen zur Abwendung von Schäden auf die stabile und ausreichende Energieversorgung angewiesen sind“.

Das betrifft in besonderer Weise die Museen, die klimatische Anforderungen aus eigenem Interesse und vonseiten leihgebender Institutionen bei Gemälden, Skulpturen und anderen sensiblen Objekten erfüllen müssen. Und die dadurch eine rund vier Mal höhere Klimawirkung haben als andere Kulturstätten wie Theater oder Konzerthäuser.

Absenken der Temperatur bis auf 17 Grad denkbar

„Die Energiekrise erfordert, dass wir jetzt zweigleisig fahren. Neben der langfristig angepeilten Klimaneutralität müssen die Museen kurzfristig reagieren und vor allem ihre Gebäudetechnik nachschärfen“, so Stockinger. „Unabhängig von Öffnungen oder Schließungen bleibt es die Aufgabe, Klimakorridore für den Schutz der Objekte zu gewährleisten, die bestimmte Temperaturen und Feuchtigkeitswerte je nach Material der Objekte vorschreiben. Wo konservatorisch möglich, wird die Temperatur in den Depots langsam abgesenkt. Doch je kühler es wird, desto mehr muss man die Luft entfeuchten, um Schimmelbildung zu vermeiden.“

Was wiederum Energie kostet. „Zusammen mit unseren konservatorischen Teams stellen wir uns dieser Herausforderung und suchen den bestmöglichen Weg.“ Für den Fall eines totalen Stromausfalls gäbe es im Haus ein Notstromaggregat – allerdings zur Evakuierung der Mitarbeiter und nicht zur Aufrechterhaltung des Betriebs.

Materialien im MK&G äußerst sensibel

Im MK&G kommt hinzu, dass es viele unterschiedliche Materialien mit jeweils unterschiedlichen Anforderungen für die Lagerung oder Ausstellung gibt. So seien Glas und Zinn etwa äußerst sensibel. „Zusammen mit unseren konservatorischen Teams schauen wir jetzt alle Abteilungen ganz genau auf ihre Bedürfnisse hin an.“

Auch der Deutsche Museumsbund gibt seinen Mitgliedern Tipps, wie sie ihre Exponate energieschonend bewahren und präsentieren können: „Prüfen Sie die Möglichkeit, Materialien mit homogenen konservatorischen Anforderungen zusammen aufzubewahren oder ob Sie die Sammlung vorübergehend auf Räume umlagern können, die energieschonender klimatisiert werden können oder bereits auf Grund der baulichen Substanz die besten klimatischen Bedingungen bieten“, heißt es in einer entsprechenden E-Mail.

„Einen wirklichen Notfallplan gibt es noch nicht"

Klimasensitive Objekte könnten in speziellen Vitrinen präsentiert und, beispielsweise im Fall von Holz oder Textilien, mit Salzlösungen, Flüssigkeitsmischungen, Silicagel und anderen Trocknungsmitteln behandelt werden. „Vieles davon haben wir bereits umgesetzt“, sagt der Geschäftsführer. „Einen wirklichen Notfallplan gibt es aber noch nicht. Dazu werde ich mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Museen zeitnah zusammensetzen.“ Das Wichtigste sei, dass Museen und andere Kulturstätten weiterhin zugänglich blieben.

Im MARKK prüft die Technische Leitung derzeit, in welchen Bereichen des wertvollen ethnologischen Sammlungsbestandes (sowohl im Museum am Rothenbaum wie im Depot in Fischbek) die Temperatur nach Vorgaben heruntergefahren werden kann. Metall müsse etwa anders verwahrt werden als Objekte mit Federn. Was bedeutet, dass im Depot Objekte oder auch ganze Sammlungen nach Materialbeschaffenheit oder Klimagruppen zusammengeführt werden müssten.

Energiesparen: Museen verzichten auf Außenbeleuchtung

Laut den neuen Verordnungen des Senats verzichtet man schon jetzt in den vorgegebenen Zeiträumen auf Außenbeleuchtung der Gebäudeanlage. In Treppenhäusern wird die Beleuchtung in Zukunft über Präsenzmelder oder Lichtautomaten gesteuert. Außerdem werden die Büroräume nur bis maximal 19 Grad beheizt. Im Oktober sollen alle 250 Heizkörper im Gebäude hydraulisch abgeglichen und mit einem Behördenthermostat ausgestattet werden, der einen festen Wert sicherstellt.