Museums-Tipps

Zehn Objekte, die man in Hamburg kennen sollte

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Bettina Probst ist seit 1. November 2020 Direktorin am MHG.

Bettina Probst ist seit 1. November 2020 Direktorin am MHG.

Foto: Michael Rauhe

Direktorin Bettina Probst wählt zum 100. Jubiläum des Museums für Hamburgische Geschichte ihre persönlichen Favoriten aus.

Hamburg. Am 13./14. August wird das Museum für Hamburgische Geschichte 100 Jahre alt. Dieses Jubiläum begehen Bettina Probst und ihre Mannschaft mit einem Festwochenende am 27. und 28. August. Zuvor aber blickt die Direktorin, die gerade die Modernisierung und Neukonzeption der Dauerausstellung plant, auf ihre erstaunliche Sammlung: An die 530.000 Objekte erzählen detailliert und spannungsreich von der wechselvollen Historie der Stadt.

Für das Hamburger Abendblatt wählte sie exklusiv zehn Exponate aus, die ihr besonders am Herzen liegen. „Ich habe aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf und in die Sammlung geschaut: Neben unterschiedlichen Themen war mir ein Gang durch die Zeiten wichtig. Außerdem wollte ich zeigen, welche unterschiedlichen Objektgruppen die Sammlung ausmachen, darunter Gemälde, Schmuck und Alltagsgegenstände. So stehen Klassiker neben Kuriosa – alle bedeutsam für die Dokumentation der Hamburger Stadtgeschichte.“

„Große Freiheit in St. Pauli“, Elsa Haensgen-Dingkuhn, um 1930

Die Straße Große Freiheit gehörte ursprünglich zu der Stadt Altona. Dort siedelten sich seit dem 17. Jahrhundert Menschen an, die hier – anders als in Hamburg – Gewerbe- und Glaubensfreiheit genossen. Nach und nach wandelte sich die Straße und wurde Teil des Vergnügungsviertels auf St. Pauli.

Das Gemälde ist eine eher zahme Darstellung des damaligen Geschehens. St. Pauli und die dortige Vergnügenskultur ist natürlich ein wesentliches Thema des unweit von St. Pauli gelegenen Museums.

Modell des Konvoischiffs „Wappen von Hamburg III“, 1720

Das bewaffnete Konvoischiff begleitete Hamburger Handelsschiffe und schützte diese vor einem Überfall durch Piraten im Atlantik und im Mittelmeer.

Das Modell im Maßstab 1:16 war in der Werft für den Bau des Originalschiffes hergestellt worden; dieses lief am 12. November 1722 vom Stapel. Dem Modell verdanken wir eine sehr gute Einsicht in die damalige Kunst des Schiffbaus.

Menschlicher Schädel („Störtebeker-Schädel“), um 1400

Der Schädel wurde 1878 bei Erdarbeiten auf dem Grasbrook, Hamburgs mittelalterlichem Hinrichtungsplatz, gefunden. Weil nach dem lübischen Recht alle Seeräuber geköpft werden sollten, wurde dieser Schädel mit dem Piraten Klaus Störtebeker in Verbindung gebracht. Das ist aber nicht bewiesen – fest steht nur, dass es sich um einen Schädel aus der Zeit um 1400 handelt.

Eine aufwendige Rekon­struktion hat dem Schädel ein „Gesicht“ gegeben, sodass sich die Besucher der Dauerausstellung eine gute Vorstellung von den damaligen Piraten machen können. Das Objekt zählt zu den absoluten Klassikern der Sammlung und der Dauerausstellung und wird von allen Besucherinnen und Besuchern sehr geschätzt – es ist so eine Art Markenzeichen des Museums.

Modell des Salomonischen Tempels, 1680 bis 1692

Dieses in seiner Größe und Detailtreue beeindruckende Modell des Salomonischen Tempels wurde ursprünglich für eine Aufführung in der Hamburger Oper geschaffen.

Der unter König Salomo errichtete erste Tempel in Jerusalem war als Aufbewahrungsort der Bundeslade das wichtigste jüdische Heiligtum. Er ist nur aus schriftlichen Überlieferungen bekannt. Das aus Texten konstruierte Modell zählt zu den Besonderheiten der Sammlung.

Nabelklemme in der Gestalt eines Storches, 1802

Beim Öffnen enthüllt die Klemme ihr Geheimnis: Im Bauch des Storches liegt ein gewickeltes Baby. Dieses Schmuckstück erhielten wohlhabende Frauen zur Geburt ihres ersten Kindes

Portal des alten Hamburger Rathauses, 1601

In das von Fritz Schumacher entworfene Museumsgebäude wurden zahlreiche Details historischer Bauwerke – sogenannte Spolien – integriert, unter anderem auch architektonische Reste des beim Großen Brand 1842 zerstörten Hamburger Rathauses.

Hier ist das Ganze auf einer Zeichnung von 1895 zu sehen. „Gute Verteidigung sichert Sieg und Frieden, Voraussetzung für Wohl und Reichtum der Stadt“ verkünden die Figuren am Portal des Rathauses: Viktoria mit dem Siegeskranz und zwei Soldaten neben wappenhaltenden Löwen. Zu den verschiedenen Spolien wurde gerade ein Digital-Projekt begonnen, das die Versatzstücke zukünftig in einer App erläutern soll.

Wirtshausschild „Schulter-Blatt“, 1700

Dieses Schild, das aus dem Schulterblatt eines Wals gefertigt wurde, hing am Eingang einer 1686 gegründeten Kneipe in Altona. „Schulterblatt“ hieß bald auch die Straße im heutigen Schanzenviertel. Bemalt mit Bierkrug, Flasche, Trinkglas und Tonpfeifen, lockte das Schild sicherlich nicht nur durstige Matrosen an.

Erstes Impf-Fläschchen mit dem Wirkstoff von BioNTech-Pfizer, 2021

Ende 2021 konnte in Deutschland mit den ersten Impfungen gegen das Sars-CoV-2-Virus begonnen werden – ein Wendepunkt im Pandemiegeschehen.

Für die Corona-Collection des Museums, die gleich zu Beginn der Pandemie geschaffen wurde, konnte mit Unterstützung der Sozialbehörde das erste in Hamburg verwendete Impf-Fläschchen mit dem Wirkstoff von BioNTech-Pfizer gesichert werden. Dieses wird sicher in der zukünftigen neuen Dauerausstellung einen zentralen Platz bekommen.

Jungfernstieg bei Abendbeleuchtung, Ernst Eitner (1867–1955), 1894

Als Ernst Eitner, in einer früheren Ausstellung des Jenisch Hauses als „Monet des Nordens“ geadelt, dieses Bild schuf, gab es elektrische Straßenbeleuchtung erst seit kurzer Zeit, sie galt seinerzeit als Wunder der Technik. Der Maler lässt das Kunstlicht auf dem regennassen Pflaster reflektieren und erzeugt so eine besondere Abendstimmung. Es könnte auch eine Szenerie aus Paris sein.

„Die Beatles im Top Ten Club in Hamburg“, Germin, 1960

Das Top Ten wurde auf der Reeperbahn 1960 eröffnet. Vom 1. April bis 1. Juli 1961 traten hier allabendlich die Beatles zusammen mit Tony Sheridan auf.

Die Fotos von Germin (Gerd Mingram) entstanden eher nebenbei, als er einen anderen Auftrag auszuführen hatte. Für uns dokumentieren sie aber die Fab Four in ihrer frühen Hamburger Schaffensphase.