"Breit in 100 Sekunden"

Heinz Strunk plärrt Ballermann-Parodie nach "Layla"-Debatte

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Heinz Strunk: „Breit in 100 Sekunden“

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Der Hamburger Autor wird zu "Pierre Panade", sein neuer Song tut besonders weh. Ein perfekter Soundtrack zum neuen Roman.

Hamburg. „Liebe ist ein Gefühl, Durst auch/Ich bin schuldig, weil nüchtern“, plärrt Heinz Strunk vor unverkennbarer Ostseekulisse in die Kamera. Im allerschmerzhaftesten Ballermann-Modus, das geht nicht anders bei dem Text. Als Animateur des Suffs peitscht er in seiner Version des Unterhalters seine Party-Message in die Gehörgänge. „Breit in 100 Sekunden“ heißt Strunks Beitrag zum Weltunkulturerbe des deutschsprachigen Festzelthit. Ein Vollgas-Vollglas-Kracher, kaum auszuhalten, also genau richtig für selige Stunden der Trunkenheit.

Nüchtern gesehen, ist das Lied besoffen wahrscheinlich nämlich echt gut. Gilt auch für den Videoclip, den der Hamburger Schriftsteller („Fleisch ist mein Gemüse“) gemeinsam mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ auf Youtube veröffentlichte.

Heinz Strunk plärrt Antwort auf Ballermann-Song "Layla"

Strunk ballert seinen Hit dort nicht in El Arenal, aber immerhin Hohwacht an der Ostsee. Der 60-Jährige hat auf Anfrage der Zeitung – wie auch andere Schriftstellerkollegen wie Wladimir Kaminer und Jan Weiler – eine Antwort auf den wegen seines Sexismus umstrittenen diesjährigen Ballermann-Song „Layla“ getextet und als einziger auch eingesungen.

Wobei man durchaus davon ausgehen kann, dass Strunks Beitrag völlig unabhängig von der aktuellen Aufregung um Schlagertexte unter der Gürtellinie fertig war. Dem Abendblatt erzählte Strunk schon im vergangenen Jahr, dass er an einer neuen Kunstfigur mit dem Namen „Pierre Panade“ arbeite, einem Mann des Schlagers, der an jegliche Schmerzgrenzen geht.

Heinz Strunk liefert perfekten Soundtrack zu "Ein Sommer in Niendorf"

„Breit in 100 Sekunden, in alle Löcher lass ich es laufen, dann bleib ich breit für einhundert Stunden,/immer nur Saufen Saufen Saufen/Ich will dich feiern sehen, abgehn sehen/Aus allen Löchern soll es laufen/Ich will dich feiern sehen, so richtig abgehn sehen und dann immer weitersaufen/Er trank Wodka, sie stand so da/Auch Taxis sind Autos – schenk ein das Ding/Nachdurst ist schlimmer, schlimmer als Heimweh/Ich geh mal auf Klo und dann heißt es free willy“ – Parodie geglückt, kann man da sagen.

Mit seinem aktuellen Roman steht Strunk derzeit auf Platz zwei der Bestsellerliste. Der neue Song ist, wenn man so will, beinah der perfekte Soundtrack zu „Ein Sommer in Niendorf“.