Future Female Africa

Neues Aktionsbündnis soll Diversität in Unternehmen fördern

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Mehr als 160 Frauen aus Berlin, Hamburg, Nairobi und Kampala gehören bereits zum Aktionsbündnis von Onejiru Arfmann.

Mehr als 160 Frauen aus Berlin, Hamburg, Nairobi und Kampala gehören bereits zum Aktionsbündnis von Onejiru Arfmann.

Foto: Matthias Arfmann

Hamburger Musikerin Onejiru Arfmann hat Netzwerk Future Female Africa gegründet. Weshalb Afrika der Zukunftskontinent der Stunde ist.

Hamburg. Future Female Africa heißt das neue Netzwerk der Hamburger Musikerin und Unternehmerin Onejiru Arfmann. Mehr als 160 Frauen aus Berlin, Hamburg, Nairobi und Kampala gehören bereits zu dem Aktionsbündnis, das unterstützt wird vom Auswärtigen Amt, von der Wasserinitiative Viva con Agua und von der Berliner Curl Agency, die sich für mehr Diversität in Unternehmen einsetzt. Wir haben mit ihr über die innovative weibliche Kraft gesprochen, die aus Afrika und der afrikanischen Diaspora erwächst.

Hamburger Abendblatt: Was war die Ursprungsidee von Future Female Africa?

Onejiru Arfmann: Ich setze mich seit Jahren für das Empowerment von Frauen ein. Und ich bin sehr für offenen Dialog. Aber am Anfang der Pandemie habe ich mich gefragt: Wie soll das funktionieren, wenn man sich nicht begegnen kann? Ich war aus familiären Gründen 2020 in Kenia, wo der Lockdown sehr strikt war. Viele Freundinnen vor Ort erzählten mir: Wir als Entrepreneurinnen können unsere Produkte nicht verkaufen, wir können nicht in Aktion treten. Da entstand die Idee einer digitalen Plattform, um sich auszutauschen. Bald kamen zum Glück persönliche Treffen hinzu.

Future Female Africa: Diversität am Verhandlungstisch

Warum sehen Sie Frauen als Zukunftstreiberinnen für Afrika?

Arfmann: Die Schwarze Frau hat es gesamtgesellschaftlich am schwersten. Das haben wir bei Black Lives Matter gemerkt, da kommt noch MeToo noch obendrauf. Afrika ist der Zukunftskontinent der Stunde. Es gibt eine hohe Zahl an Entrepreneurinnen, aber das ist oftmals eine One-Woman-Show. Von afrikanischen Frauen wird erwartet, resilient zu sein. Sie müssen 24 / 7 funktionieren. Das ist ein fragiles System. Deshalb wollen wir Dialoge anstoßen. Future Female Africa ist eine explorative und kollaborative Reise.

Und wir möchten die Menschen im globalen Norden davon überzeugen, in diese Frauen zu investieren. Diese Entwicklung mögen allerdings nicht alle. Manche Männer fragen: Wollt Ihr uns loswerden? Nein, aber wir wollen mit an den Verhandlungstisch. Nur so können wir Ungerechtigkeit abschaffen. Deshalb ist die Aussage von Außenministerin Baerbock so wichtig, dass feministische Außenpolitik kein Gedöns ist.

Sie sprechen gezielt auch Frauen an, die in Europa leben – warum?

Arfmann: Viele afrodeutsche Frauen haben keine Verbindung zum afrikanischen Kontinent, werden aber von der deutschen Mehrheitsgesellschaft damit assoziiert und gefragt: Woher kommst du wirklich? Wann gehst Du zurück? Durch diese permanente Konfrontation entstehen Fragen nach der eigenen Identität. Wir wollen den Frauen anbieten: Wenn Du Dich mit deinen Wurzeln befassen möchtest, kannst du das tun. Etwa, indem Du eine Shero, also eine unserer weiblichen Heldinnen, in Kampala anrufst und mit ihr Fragen erläuterst wie: Wo komme ich her, wo gehe ich hin, wer bin ich?

Wie haben Sie die Akteurinnen von Future Female Africa gefunden?

Arfmann: In jeder Stadt gibt es zwei Co-Gastgeberinnen, die mitbestimmen, welche Sheros mit an den Tisch sollen. Mit dabei sind Gründerinnen und Geschäftsführerinnen, Politikerinnen und Macherinnen aus Kultur, Sport, Food, Fashion und Business. Es geht darum, sich gegenseitig zu verstärken, zu unterstützen und auch kontrovers zu diskutieren. Denn Future Female Africa ist sehr heterogen. Die Frauen bringen ganz verschiedene Perspektiven ein.

Future Female Africa: Transparenter und persönlicher

Wer ist genau dabei?

Arfmann: Ein Shero der ersten Stunde ist die Musikerin Nneka, die ja sowohl in Hamburg als auch in Nigeria lebt. Mit ihren Inhalten und ihrer ganzen Persönlichkeit ist sie ein super Role Model. Mit dabei ist auch Doreen Nabwire, die als erste Kenianerin in Europa professionell Fußball gespielt hat. Für ein Benefizturnier ihrer Initiative Girls Unlimited haben wir kurzfristig Sponsoren akquiriert und eine Grafikerin sowie eine Filmemacherin aus unserer Community aktiviert. Nun soll eine Doku über Doreen entstehen. Das ist nur ein Beispiel, wie sich Energie und Dynamik von Future Female Africa anfühlen.

Was ist für die Zukunft geplant?

Arfmann: Wir möchten die Webseite so gestalten, dass unsere Sheros ihre Geschäftsmodelle präsentieren können. Zudem soll eine Datenbank entstehen, damit niemand mehr sagen kann, sie hätten keine Schwarze Frau für ihr Projekt oder ihre Podiumsdiskussion gefunden. Und wir wollen die persönlichen Begegnungen global sowohl in den Metropolen als auch im ländlichen Raum ausbauen.