Triennale

Wichtige Ausstellungen in Kunstverein und Kunsthaus

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Das Rechercheprojekt „Cambio“ von Formafantasma beschäftigt sich mit dem Thema Waldsterben, zu sehen in einer Ausstellung im Kunsthaus Hamburg.

Das Rechercheprojekt „Cambio“ von Formafantasma beschäftigt sich mit dem Thema Waldsterben, zu sehen in einer Ausstellung im Kunsthaus Hamburg.

Foto: Formafantasma

Triennale der Photographie: Eine US-Fotokünstlerin und ein italienisches Künstlerduo verarbeiten Wasserkrise und Waldsterben kritisch.

Hamburg.  Rund 12.000 Besucherinnen und Besucher haben sich am Eröffnungswochenende bereits die Ausstellungen im Rahmen der Triennale der Photographie angesehen. Auch im Programm: der Kunstverein mit LaToya Ruby Fraziers Fotoserie „Flint Is Family, Act III“.

Die US-Foto- und Videokünstlerin, Jahrgang 1982, dokumentiert im letzten Teil der Serie die Wasserkrise in Flint im US-Staat Michigan in den Jahren 2014 bis 2019. Die städtischen Behörden und die im Niedergang befindliche Auto-Industrie hatten die Wasserversorgung vernachlässigt und geschädigt. In der Folge verseuchte unter anderem Blei das Trinkwasser. Die Menschen wurden krank. 17 von ihnen starben zusätzlich an Lungenentzündungen.

Triennale Hamburg: Fotos erzählen Geschichte der Bewohner

Vor Ort traf Frazier auf die Dichterin und Aktivistin Shea Cobb und deren beste Freundin Amber Hasan. „Act III“ erzählt bei allen Schrecknissen von einem Funken Hoffnung, der Einführung einer Wasseraufbereitungsanlage 2019, die diese Frauen auf einem privaten Gelände aufstellen ließen und nun betreiben. Die eindringlichen Fotos zeigen die Reaktionen der Bewohner, erzählen ihre Geschichten und Schicksale und weisen auf das kostbare Gut Trinkwasser hin.

Das bedrohte ökologische Gleichgewicht beschäftigt auch das italienische Designerduo Formafantasma. In der Ausstellung „Seeing the Wood for the Trees“ sind Besucher im Kunsthaus Hamburg aufgefordert, das Ökosystem Wald neu zu begreifen. In ihrem Rechercheprojekt „Cambio“ hat sich Formafantasma in drei Videoarbeiten mit der Entwicklung globaler Holzprojekte befasst. Der erste Film zieht die Betrachter besonders hinein.

Triennale Hamburg: Film sendet wichtige Botschaft

In üppige Sitzkissen eingesunken taucht man in den per Laserscanner erzeugten Film „Quercus“ (lat. Eiche, 2020) ein. Er zeigt einen Eichenwald in Virginia; mal zeichnen sich seine Äste, Wurzeln und Blätter als rötliches, mal als weißes Skelett gegen das Schwarz des Waldes ab. Aus dem Off ist ein Text des italienischen Botanikers und Philosophen Emanuele Coccia zu hören, der die Perspektive der Bäume einnimmt. Ein berückender Effekt.

Der zweite Film „Cambio“ (2020) zeigt filmisch collagierte Bildessays zur Entwicklung der Holzindustrie und den Zusammenhang mit kolonisierten Regionen im 19. Jahrhundert. Der dritte Film mit dem Titel „Seeing the Wood for the Trees“ (2020) offenbart die Rolle internationaler Behörden und Abkommen, die eine nachhaltige Forstwirtschaft durchsetzen wollen. Am Ende steht eine Botschaft, die Wissenschaft und Kunst gleichermaßen teilen: Nur wenn die Bäume überleben, überlebt auch der Mensch.

LaToya Ruby Frazier: „Flint Is Family, Act III“ bis 2.10., Kunstverein in Hamburg, Klosterwall 23, Di bis So 12.00–18.00; Eintritt 5,-/3,- (erm.), www.kunstverein.de; Formafantasma: „Seeing the Wood for the Trees” bis 31.7., Kunsthaus Hamburg, Klosterwall 15, Di bis So 11.00–18.00, Eintritt 6,-/4,- (erm.), www.kunsthaushamburg.de

( asti )