Zukunftsstipendium

Unbürokratische Hilfe für 550 Kunstschaffende

| Lesedauer: 4 Minuten
Eröffnung Filmfest Hamburg 2020 Kultursenator Carsten Brosda

Eröffnung Filmfest Hamburg 2020 Kultursenator Carsten Brosda

Foto: Marcelo Hernandez/FUNKE Foto Services / Marcelo Hernandez / Funke Foto Services

Beachtliche Summe: Laut Kultursenator Brosda ist es das bislang „größte Stipendienprogramm“ für Hamburgs soloselbstständige Künstler.

Hamburg.  Die Freie und Hansestadt hat ein weiteres Programm zur finanziellen Unterstützung der Hamburger Kulturszene aufgesetzt. Frisch vergeben worden sind nun 550 sogenannte Zukunftsstipendien aus einem insgesamt 3,3 Millionen Euro umfassenden Förderfonds. Sie sind jeweils mit 6000 Euro dotiert und gehen an freischaffende Künstlerinnen und Künstler vor allem aus der Bildenden Kunst, aber auch der Musik und der Literatur.

Eine Förderoffensive, die Carsten Brosda in die seit dem Beginn der Pandemie laufenden Bemühungen mit klarer Stoßrichtung einordnet. „Es ist das größte Stipendienprogramm, das es für soloselbstständige Künstlerinnen und Künstler in Hamburg bislang gegeben hat“, sagt der Kultursenator, dessen Haus während der Pandemie rund 100 Millionen Euro zusätzlich für das kulturelle Leben bereitgestellt hat.

Kulturbehörde vergibt 550 Zukunftsstipendien für Hamburger Künstler

Die Zahlen lesen sich wie folgt: 35 Millionen Euro Hilfspaket Kultur für einzelne Einrichtungen und Veranstalter und Programme, 13 Millionen Verlustausgleich für die Museumsstiftungen und staatlichen Einrichtungen, 7,7 Millionen aus der Hamburger Corona-Soforthilfe für Unternehmen aus dem Bereich Kultur und Kreativwirtschaft. Und außerdem, als breit gestreute Unterstützung für die vielen Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer, 30 Millionen Euro als Corona-Soforthilfe (für 10.600 Soloselbstständige gab es jeweils 2500 Euro) und 14 Millionen Neustartprämie für mehr als Künstlerinnen und Künstler (jeweils 2000 Euro).

Für Brosda („Soloselbstständige Künstlerinnen und Künstler hatten es in den letzten eineinhalb Jahre besonders schwer“) sind die Zukunftsstipendien Chefsache. Einnahmequellen seien weggebrochen, „viele gerieten in eine unsichere wirtschaftliche Lage und mussten um ihre Existenz als Künstler oder Künstlerin bangen“.

Außergewöhnlich viele Zukunftsstipendien vergeben

Mit 350 Stipendiaten hat die Bildende Kunst den größten Anteil, bei je 100 Stipendiaten in Musik und Literatur. Deswegen, wie es aus der Behörde heißt, weil es in letzteren beiden Sparten vorher schon zusätzliche Fördermaßnahmen gegeben habe. Die Zukunftsstipendien wurden über ein Juryverfahren vergeben; Jurys der jeweiligen Disziplinen beurteilten die eingereichten Projekte nach Kriterien und künstlerischer Qualität. In diesem Förderverfahren konnten laut Behörde „außergewöhnlich viele der guten Anträge bewilligt werden“.

Zu bürokratischer Verkomplizierung soll es laut Behörde, die bei der Vergabe der Stipendien mit der Hamburgischen Kulturstiftung, dem Berufsverband bildender Künstler*innen und dem Landesmusikrat Hamburg kooperierte, nicht kommen. Bei früheren Staatshilfen gerieten Selbstständige in die Verlegenheit, diese zurückzahlen zu müssen: Weil bei ihnen keine Betriebskosten entstanden und die Zahlung zur Deckung des Lebensunterhalts genutzt wurde. Die Zukunftsstipendien unterscheiden sich nach Angaben der Kulturbehörde grundlegend von der Coronahilfe des Bundes. Die Stipendiensumme fließe ohne langwierige Prüfung von Betriebskosten.

Projektförderung für Bildende Kunst wurde verdoppelt

Dass der Bund derzeit ebenfalls weitere Hilfen ausschüttet, wird in der Behörde positiv gesehen: „Für die Bundesstipendien gibt es Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet. Um die zur Verfügung stehenden Stipendien konkurriert eine große Anzahl Künstlerinnen und Künstler. Die Hamburger Stipendien ergänzen daher die Bundesförderung, sodass über beide Wege viele Hamburger Künstlerinnen und Künstler Stipendien erhalten.“ Hamburg habe mit seinen Hilfsprogrammen darauf geachtet, die Bundeshilfen sinnvoll zu ergänzen und gegebenenfalls Lücken zu schließen.

Die etatmäßige Projektförderung im Bereich Bildende Kunst wurde, wie die Behörde außerdem mitteilte, für 2021 einmalig auf 100.000 Euro verdoppelt. Geplant ist zusätzlich ein Förderprogramm für „umfangreichere Projekte“ im unteren sechsstelligen Bereich. Richten soll es sich an Künstlerinnen und Künstler sowie Akteure der Szene wie Kuratoren, Vermittler und Ausstellungsorganisatorinnen.

( tha )