Elbphilharmonie

Wenn Grenzen zwischen Interpreten und Publikum verschwinden

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Außen schön, innen klangvoll: die Elbphilharmonie in der Hafencity.

Außen schön, innen klangvoll: die Elbphilharmonie in der Hafencity.

Foto: Michael Rauhe

Der Kammermusik-Abend im Kleinen Saal der Elbphilharmonie war eine Sternstunde voller Intimität und Intensität.

Hamburg. Im Idealfall schafft Kammermusik eine solche Nähe, dass die Distanz zwischen Interpreten und Publikum verschwindet. Diese Intensität erreichte der Abend „Auf den Saiten zu singen“ im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Ein beglückendes Erlebnis, für das einiges zusammenkam, was man so noch nicht zusammen gehört hatte.

Zum einen das fein komponierte Programm: Es verzahnte Lieder und instrumentale Werke – in der ersten Hälfte von Franz Schubert, in der zweiten von Robert Schumann – zu einem dichten Spannungsbogen, aus Stücken in kleiner Besetzung. Teilweise im Original, teilweise in neuen Versionen, die eigens für das Programm entstanden sind. Darunter einige hinreißende Liedbearbeitungen vom Bratscher Gregor Sigl, wie Schumanns „Zwielicht“ für Vokalstimme, Klavier und Streicher.

Elbphilharmonie: Kammermusik mit charismatischer Hauptfigur

Damit sind wir beim zweiten Punkt: Ein Ensemble aus erstklassigen Musikerinnen und Musikern, das die Stücke teilweise selbst arrangiert und in der Aufführung eng miteinander verwoben hat. Sigl und die Geigerin Vineta Sareika vom derzeit pausierenden Artemis Quartett bilden mit der phänomenalen jungen Cellistin Julia Hagen ein starkes Streichtrio. Der Pianist Alexander Lonquich fügt sich sensibel ein, wo es die Musik will, tritt aber auch als Solist und Liedbegleiter in Erscheinung. Und Florian Boesch ist die charismatische Hauptfigur.

Der österreichische Bassbariton fesselt mit einem breiten Spektrum an Farben, dynamischen Nuancen und Erzählhaltungen. Manchmal, wie bei Schuberts „An die Musik“, verwischt er die Grenzen zwischen Singen und Sprechen und berührt mit schlichtem Ton. Und im nächsten Moment drängt er dann mit seinen instrumentalen Partnerinnen und Partnern in die Extreme.

Zwischen finsterer Dramatik und Säuselklang

In Schuberts „Frühlingstraum“ reißt Boesch einen beklemmenden Kontrast auf, zwischen finsterer Dramatik und Säuselklang, entrückt bis ins Falsett. Man spürt die Verzweiflung eines Menschen, der den Kontakt zur Realität abbricht, um dem Schmerz der Einsamkeit zu entfliehen. Einer von vielen ergreifenden Momenten, mit denen der Abend sein Publikum bannte. In einer Sternstunde kammermusikalischer Intimität und Ausdruckskraft.

( Stä )