Elbphilharmonie

Wahlsonntag? Da darf das Publikum die Stücke auswählen

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Am Wahlsonntag durfte das Publikum Stücke in der Elbphilharmonie auswählen.

Am Wahlsonntag durfte das Publikum Stücke in der Elbphilharmonie auswählen.

Foto: Jann Wilken

Beim Kammermusikfest stimmte das Publikum im Großen Saal mit aufgeschlagenen Programmheften ab. „Wahlbetrug“ gab es auch.

Hamburg. Ob’s zum Konzept gehört? In den Unterlagen zum 4. Kammermusikfest der Hamburgischen Vereinigung von Freunden der Kammermusik ist ein Foto von Dmitri Schostakowitsch abgedruckt, untertitelt mit dem Namen Felix Mendelssohn. Und da die Matinee am Wahlsonntag im Großen Saal der Elbphilharmonie unter der Überschrift „Mehr Demokratie wagen“ die Stückauswahl in die Hände des Publikums legt, wittert der Vereinsvorsitzende und Conférencier Ludwig Hartmann erstmal versuchten Wahlbetrug. Zur allgemeinen Erheiterung.

Hartmann führt in gewohnt launiger Manier durch den Morgen, kleine Sticheleien in Richtung Berlin inbegriffen, und dekliniert durch, was rund um eine Bundestagswahl so an Themen aufkommt. Die Kammermusik-Wahl ist übrigens mitnichten lupenrein grundgesetzkonform. Geheim? So gar nicht, abgestimmt wird für jedermann sichtbar durch Hochheben der aufgeschlagenen Programmhefte mit einfarbig roten bzw. schwarzen Doppelseiten.

Elbphilharmonie: Auch Orlowsky zu Gast

Gleich, naja – wenn Hartmann sich mit den Mehrheitsverhältnissen unsicher ist, zählt er nicht durch, sondern lässt eine Dame aus dem Parkett eine Münze werfen. Und das mit der Freiheit ist auch so eine Sache. Schon das erste Stück ist gesetzt, aber immerhin mit einem quasi amtlichen Werk, nämlich Haydn op. 76 Nr. 3 C-Dur, langsamer Satz, ja genau, das ist der mit der Nationalhymne. Vom Schumann Quartett so sensibel und von innen her leuchtend interpretiert, wie man es sich vom eigenen Volk und der eigenen Regierung nur wünschen kann.

Zu Gast sind auch das ATOS Klaviertrio und der Klarinettist David Orlowsky. Alle acht vollbringen sie immer wieder das Wunder, das überaus animierte Publikum mit der Tiefe und Dringlichkeit ihres Musizierens der gewählten Stücke in immer wieder anderen Zusammensetzungen in ihren Bann zu ziehen. Dies ist eben immer noch eine Kammermusikmatinee mit entsprechend gespitzten Ohren. Und kein politischer Frühschoppen.

( vfz )