Pop-Up-Store

Hamburgs kleinster Buchladen – auch ein Minimuseum

| Lesedauer: 4 Minuten
Der Hamburger Journalist Marco Maurer hat ein wunderbares Buch über eine Italien-Reise geschrieben und dazu für zwei Monate am Lehmweg Hamburgs kleinsten Buchladen eröffnet.

Der Hamburger Journalist Marco Maurer hat ein wunderbares Buch über eine Italien-Reise geschrieben und dazu für zwei Monate am Lehmweg Hamburgs kleinsten Buchladen eröffnet.

Foto: Andreas Laible

Autor Marco Maurer lädt in seinem Eppendorfer Pop-Up-Store zu einer gedanklichen Italienreise ein – mitten in Hamburg.

Hamburg.  Olivenölmüller Michele aus Kalabrien, Zitronenbauer Vincenzo von der Amalfi-Küste und den sizilianischen Stoffhändler Signor De Pasquale, sie alle kann man im Moment in Hamburg treffen. Zumindest in den Erzählungen von Marco Maurer. Der 41-Jährige ist 2019 in einem alten Fiat Cinquecento von Sizilien über Neapel, Rom und die Alpen bis nach Hamburg gefahren. Und hat die Reise und die Menschen, die er getroffen hat, in seinem Buch „Meine italienische Reise – oder wie ich mir in Sizilien einen uralten Cinquecento kaufte und einfach nach Hause fuhr“ festgehalten, das vor wenigen Tagen im Prestel Verlag erschienen ist.

Eigentlich hätten nun Lesungen für das Buch angestanden, Corona machte auch diesem Autor einen Strich durch die Rechnung. Mit der Absage der Leipziger Buchmesse reifte der Plan zu „Marco e amici“: „Ich hatte keinen Bock auf Online-Lesungen und so ist die Idee entstanden. Und wurde immer größer: Von einem Raum zu einer Erlebnisbuchhandlung“, sagt Maurer.

Hamburgs kleinster Buchladen auf 80 Quadratmetern

Auf 80 Quadratmetern können seine Besucherinnen und Besucher jetzt Kapitel für Kapitel nachempfinden, was er erlebt hat. Dafür hat sich der Autor Exponate aus Italien schicken lassen: Im Eingangsbereich hängt eine Wäscheleine aus Neapel, auf einem Regal liegt ein Nudelholz, an dem noch Mehl klebt. Sonnencreme und Salami sind auch durch FFP2-Masken zu riechen.

Termine vergibt Maurer nicht, ein Haushalt oder eine Person können jeweils spontan den Laden betreten. Der Besuch ist kostenlos, einen Espresso gibt es für einen und das Buch für 26 Euro. Fotografien aus „Meine italienische Reise“ von Pulitzer-Preisträger Daniel Etter, der Maurer durch Italien begleitet hat, gibt es auch zu kaufen.

Die Besucher sind froh, dass es den Laden in der aktuellen Zeit gibt

Seinen Gästen erzählt Maurer davon, wie er die Schwiegermutter von Al Pacino traf (zumindest die Darstellerin aus „Der Pate“), in heimischen Küchen Gnocchi kochte und Hilfe dabei bekam, seinen Wagen zu reparieren. „Ich habe das Privileg, drei Mal zu reisen. Das erste Mal mit dem Auto, das zweite Mal, während ich geschrieben habe. Und das dritte Mal jetzt, jeden Tag“, sagt Maurer.

Die Besucher seien froh, dass es den Laden in der aktuellen Zeit gibt. So auch Hanne und Rainer Hild aus Schnelsen: „Hier kann man eintauchen und den Urlaub um sich herumschaffen“, sagen sie. „Das freie, lockere ,In der Welt sein’, dazu wird man hier durch Kleinigkeiten inspiriert.“

Hamburgs kleinster Buchladen noch bis 7. Mai geöffnet

Hinter der „Ein-Buch-Buchhandlung“ steckt aber auch noch ein zweiter Gedanke. „Es ist nicht nur ein Buch über Italien. Es ist auch ein Buch über Herkunft, eine Hommage an Leute, deren Herkunft man so in Eppendorf oft nicht mehr findet: Automechaniker, ,normale’ Bäcker, nicht die mit Backwaren ab 12 Euro“, sagt Maurer, der schon 2015 über Bildung und soziale Herkunft geschrieben hat. „Der Laden ist auch ein Statement gegen Gentrifizierung.“

Das Budget seiner ursprünglich geplanten Lesungen ging zwar in den Laden, komplett gedeckt sind die Kosten aber noch nicht. Dabei soll eine Crowd­funding-Kampagne helfen, die Maurer am vergangenen Wochenende gestartet hat.

Über den Instagram-Kanal „marcoeamici“ spricht der Autor außerdem jedes Wochenende in seinen „Amici Talks“ mit verschiedenen Gästen über Themen wie „Amore und Arbeit“ oder „Italien und seine Songs“. Gestreamt wird aus dem Laden in Eppendorf – und es gibt nicht allein Dolce Vita: Mit einem Sprecher von Seawatch wird Maurer darüber reden, warum der keinen Urlaub in Italien machen würde. „Ich habe zwei Formate in mir: Unterhaltung und den Kampf gegen Ungerechtigkeiten“, sagt Maurer.

„Marco e amici“ ist noch bis zum 7. Mai ist im Lehmweg 43 von 9 bis etwa 20 Uhr geöffnet. Der nächste „Amici-Talk“ mit Bäckerin Melissa Forti findet am 2. April um 20.15 Uhr auf Instagram statt.