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Neue Schätze im Museum Kunst der Westküste

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Vera Fengler
„Auf der Brücke“, ein beeindruckendes Bild des Skagen-Malers Christian Krohg.

„Auf der Brücke“, ein beeindruckendes Bild des Skagen-Malers Christian Krohg.

Foto: Lukas Spörl/Museum Kunst der Westküste

Trotz ausbleibender Touristen eröffnen drei sehenswerte Ausstellungen auf Föhr, unter anderem mit dem Hamburger Maler Jochen Hein.

Hamburg. „Neue Schätze im Museum Kunst der Westküste. Von Max Liebermann bis Jochen Hein“ – das Museum auf Föhr weiß zu punkten in diesem Frühjahr. Rechtzeitig zum Beginn der Märzferien eröffnete das Ausstellungshaus, das vor elf Jahren gegründet wurde und Kunst entlang der Westküste von Nordnorwegen über Deutschland bis zu den südlichen Niederlanden zwischen 1830 und 1930 sowie zeitgenössische Kunst unter dem Generalthema Meer und Küste präsentiert, mit drei neuen Schauen die Saison 2021 im Urlaubsort.

Nur, dass die Tore natürlich nicht wirklich öffnen. Und weit und breit auch keine Urlauber zu sehen sind, die sich die Werke ansehen könnten. In dem hübschen Inselort Alkersum, wo das Museum mit Gretjens Gasthof liegt und das noch im Herbst vergangenen Jahres Zentrum des kulturellen Lebens war, ist es nun sehr still.

Bis zur Öffnung kann das Museum in 3D besucht werden

Nur in den Museumsräumen wird, wie in Hamburger Häusern übrigens auch, fleißig gearbeitet und installiert. Würden die Museen morgen wiedereröffnen dürfen – das Haus wäre bereit. In den „Schätzen“ wird eine Auswahl an Neuerwerbungen um Max Liebermann, Erich Heckel und den Skagen-Malerinnen und -Malern sowie mit Anja Jensen und Mila Teshaieva im Bereich der internationalen zeitgenössischen Kunst im Dialog mit schon länger im Sammlungsbestand befindlichen Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, darunter Otto Heinrich Engel und Hans Peter Feddersen.

Weiterhin zeigt das MKdW die erste Einzelausstellung des jungen niederländischen Künstlers Sjoerd Knibbeler mit „In Elements“ sowie „Made auf Föhr. Fotografie aus dem Artist-In-Residence-Programm“ mit Arbeiten von Nicole Ahland, Elina Brotherus und Thomas Wrede.

„Es ist natürlich bedauerlich, dass die drei hoch attraktiven Ausstellungen noch nicht physisch besucht werden können und dass der für uns alle so wichtige direkte Austausch miteinander und mit der Kunst und dem geistigen Raum, den sie uns eröffnen kann, noch nicht wieder möglich ist“, sagt Direktorin Ulrike Wolff-Thomsen. Vielleicht ist es Routine, vielleicht Trotz, dass die Museumsleute dennoch ihrem Ausstellungsrhythmus treu bleiben, sich dem Lockdown nicht geschlagen geben wollen.

Das „schönste Strandbild Liebermanns“ ist zu sehen

Alternativ und „um Lust auf die Zeit, wenn die direkten Begegnungen wieder möglich sein werden, zu machen“, hat Ulrike Wolff-Thomsen das „MKdW 3D“ ins Leben gerufen: ein virtueller Rundgang, der mit Filmen, Interviews und kurzen Kuratorinnenführungen die Werke erlebbar macht, über ihre Geschichte und Herkunft aufklärt.

Manche gelangen durch sogenannte Zustiftungen ins Haus, andere, wie etwa Max Liebermanns Strandbild „An der See“ von 1911 kommen als Dauerleihgabe aus einem Familienerbe in die noch im Aufbau befindliche Sammlung. Es sei das „schönste Strandbild Liebermanns, eine neue Sicht auf den Impressionismus, ein sensationeller neuer Schatz“, so die Direktorin. Mit nur wenigen schnellen Pinselstrichen male Liebermann die Silhouette eines jungen Mädchens und die der anderen Kinder und jungen Mütter. „Und die Rezeptoren unserer Wahrnehmung setzen daraus diese Szenerie am Strand zusammen.“

Auf dieselbe Weise funktioniert die Bildillusion des Hamburger Malers Jochen Hein: Sein drei mal zwei Meter großes Gemälde „Kochende See“ von 2020 zieht die Betrachter direkt ins wogende und schäumende Nass. Es ist „der große Wunsch“ der Direktorin, dass dieser Hein neben dem beeindruckenden „Nordsee“-Triptychon von 2003 und dem Gemälde „Das Schwarze Meer“ (2018) im Museum verbleibt.

Deshalb wird sie im entsprechenden Video auch ganz konkret: „Eigentlich würde dieses Bild auf dem Kunstmarkt 100.000 Euro kosten. Der Künstler hat es uns für die Hälfte überlassen, da wir sein Lieblingsmuseum sind. 20.000 Euro haben wir schon zusammen.“ Bei den restlichen 30.000 Euro hofft sie auf das Engagement von Stiftern und Besuchern.

Nur mit Insulanern lohnt der Ausstellungsbetrieb nicht

Es ist höchst ungewöhnlich, so offen über den Preis eines Kunstwerkes zu sprechen. So ungewöhnlich wie das ganze Haus, das durch seine exponierte Lage nun ein bisschen in der Zwickmühle sitzt. Denn auch, wenn die Museen schon morgen wiedereröffnen dürften, hätte das für das Museum Kunst der Westküste kaum Wirkung. Denn nur mit den 8.000 auf Föhr lebenden Insulanern lohnt der Ausstellungsbetrieb nicht. „Es fehlen die Urlauber“, sagt Sprecherin Merlene Röker.

Jochen Heins Einzelausstellung 2016 sahen 30.000 Menschen; die großartige, multimedial gestaltete „Seestücke“-Doppelschau im vergangenen Jahr konnte trotz Pandemie-Beschränkungen und auch dank eines sehr umfangreichen Familienprogramms vor Ort 25.000 Besucherinnen und Besucher locken, dazu noch einmal 20.000 digital.

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Wegen dieser großen Online-Resonanz wird das Museum auch weiterhin an seiner digitalen Strategie arbeiten. Die aktuellen Ausstellungen laufen bis Juni beziehungsweise September – es besteht also Hoffnung, sich die Werke auch noch persönlich ansehen zu können.

Um die wirtschaftliche Zukunft ihres Hauses macht sich die Direktorin keine Sorgen: „Durch die tollen Neuzugänge mit herausragenden Werken von Max Liebermann, Erich Heckel und den Skagen-Malern, darunter Michael Ancher und Christian Krohg, und auch im Bereich der internationalen zeitgenössischen Kunst sind wir auf nächste Zeit gesehen relativ unabhängig von kostenintensiven auswärtigen Leihgaben. Somit können wir auch in dieser Hinsicht finanziell verantwortlich auf Sicht fahren.“

Das Museum im Internet: www.mkdw.de