Goldener Bär

Berlinale: Die Kino-Woche der Regisseurin Maria Schrader

| Lesedauer: 5 Minuten
Volker Behrens
Maria Schrader, Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin.

Maria Schrader, Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin.

Foto: Reto Klar

Die Regisseurin hat gerade einen Lauf. Bei dem Kino-Festival tritt ihr neuer Film „Ich bin dein Mensch“ im Wettbewerb an.

Hamburg/Berlin. Es ist ein uralter Menschheitstraum, selbst künstlich Primaten erschaffen zu können. Prometheus benutzte dazu Lehm und Wasser, war aber immerhin ja noch selbst Titan, also Gott. Pygmalion bildhauerte eine Statue und verliebte sich in sie. Oft geht die Sache jedoch nicht gut aus, weil es als Frevel gilt, sich in das Handwerk der Götter einzumischen, siehe Mary Shelleys „Frankenstein“. In Maria Schraders Film „Ich bin dein Mensch“, der am Montag im Berlinale-Wettbewerb um den diesjährigen Goldenen Bären lief, geht es darum, wie sich ein ganz spezieller Roboter in den Alltag einfügen lässt.

Noch immer sind die Kinos geschlossen – und dennoch ist gerade diese Woche eine, die zeigt, was für einen Lauf die Filmemacherin Maria Schrader („Vor der Morgenröte“) gerade hat. Die von ihr inszenierte Serie „Unorthodox“ war für die Golden Globes nominiert. Gewonnen hat sie nicht, froh ist die Schauspielerin, die sich zunehmend als Regisseurin etabliert, trotzdem: „Man sollte sich auch darüber freuen, wenn es nicht klappt. Es ist ein großes Spiel.“ Die Serie hätte Brücken gebaut in Länder mit ganz anderem kulturellen Hintergrund. So war sie auch in Saudi-Arabien und im Iran in den Top Ten.

Film: Wissenschaftlerin lässt sich auf Leben mit Roboter ein

„Ich bin dein Mensch“ stellt nun einige kluge Fragen zum Zusammenwirken zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz. Was wird unter diesen Umständen aus Vertrauen und Liebe, was macht diese Situation mit dem Bewusstsein und der Seele? Sind Roboter vielleicht sogar die besseren Partner? „Ist der Mensch nicht wirklich gemacht für eine Befriedigung seiner Bedürfnisse, die per Bestellung zu haben ist? Sind nicht gerade die unerfüllte Sehnsucht, die Fantasie und das ewige Streben nach Glück die Quelle dessen, was uns zum Menschen macht?“, heißt es am Schluss.

Nur widerwillig lässt sich die Wissenschaftlerin Alma (gespielt von der früheren Thalia-Schauspielerin Maren Eggert) auf den Wunsch ihres Dekans ein, drei Wochen mit einem Roboter zusammenzuleben, der ganz genau auf ihre Bedürfnisse hin konfiguriert worden ist. Ihre erste Begegnung mit Tom (Dan Stevens) endet als Flop, sein Sprachprogramm hängt sich auf. Als der Fehler behoben ist, nimmt sie ihn mit nach Hause.

Alma entdeckt Gefühle für den Roboter Tom

Tom ist blitzgescheit, gebildet, gut-aussehend, er startet sofort eine unbeholfene Charme-Offensive: „Deine Augen sind wie Bergseen ...“ Sie verhält sich ihm gegenüber abweisend, und in ihr Bett lässt sie ihn schon mal gar nicht. Stattdessen räumt er ihre Wohnung nach Robotervorstellungen auf. „Ich bin nicht auf der Suche nach einem Partner“, blafft sie ihn an.

Obwohl oder weil sie sich von ihrem Ex (Hans Löw war am Thalia Eggerts Ensemblekollege) getrennt hat, hängt sie an der Idee einer romantischen Liebe. „Mach dir nichts draus, wenn dein Algorithmus da an seine Grenzen stößt. Das ist menschlich“, sagt sie zynisch zu Tom. Aber dann entdeckt Alma Gefühle für ihn. Die Probleme löst das nicht, es verändert sie nur.

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Nachdenkliche, lustige und dramatische Elemente

Das Drehbuch für diesen ungewöhnlichen Film, der nachdenkliche, lustige und dramatische Elemente vereint, haben Maria Schrader und Jan Schomburg geschrieben. Es geht auf eine Erzählung von Emma Braslavsky zurück. Privat ist die Schrader („Aimée & Jaguar“, Ensemblemitglied am Deutschen Schauspielhaus) übrigens nicht gut auf Programmvorschläge zu sprechen, die ihr von Algorithmen gemacht werden. „Ich halte das nur schwer aus und klicke dann ganz andere Sachen an. Ich reagiere auf diese Vorschläge mit Rebellion.“

„Ich bin dein Mensch“ hat die Regisseurin unter Corona-Bedingungen im vergangenen Sommer in Berlin gedreht. Zweimal wurden die Dreharbeiten wegen positiver Covid-Tests unterbrochen, aber es war falscher Alarm. Mit einem besonders sorgfältigen Hygienekonzept wurde die Anfangsszene in einem Tanzlokal mit fast 80 Leuten in einem fensterlosen Raum gedreht. „Wir hatten alle ordentlich Angst“, erinnert sich Maria Schrader. Teilweise tanzten echte Paare miteinander, es war sehr voll. „Das hatte man lange nicht gesehen. Es war sensationell, eine Feier, als gäbe es kein Morgen.“ Es ist gut gegangen.

„Ich bin dein Mensch“ soll im Sommer in Kinos kommen

Schrader kann sich auf eine sehr sicher spielende Maren Eggert verlassen, an ihrer Seite der erfolgreich zur Selbstironie neigende Brite Dan Stevens („Downton Abbey“). Kameramann Benedict Neuenfels hat die Geschichte in kühl-elegante Bilder gefasst.

Produziert hat den Film Lisa Blumenberg („Bad Banks“) für die Hamburger Letterbox Filmproduktion. Heute nimmt Blumenberg an einer internationalen Podiumsdiskussion der Organisation Women in Film and Television (WIFT) teil, in der es um die Zukunft des Genres romantische Komödien geht. „Ich bin dein Mensch“ soll, wenn die Pandemie es zulässt, im Sommer in die Kinos kommen.