Hamburg

Was Orchester und Theater zu Silvester zeigen

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"Die Fledermaus" steht zu Silvester in der Staatsoper und in der Elbphilharmonie auf dem Spielplan.

"Die Fledermaus" steht zu Silvester in der Staatsoper und in der Elbphilharmonie auf dem Spielplan.

Foto: Daniel Dittus

Zum Jahreswechsel sind zahlreiche Streams im Angebot. „Die Fledermaus“ flattert gleich zweimal vorbei.

Hamburg. Es hat, am Ende dieses Seuchen-Jahres 2020, eine ironische Note: Gleich zweimal können sich Musikfreunde in Hamburg an "Die Fledermaus" halten. Jenes Tier - zumindest darin sind sich die Virologen weitgehend einig -, welches das natürliche Reservoir für das Coronavirus bildet. Über die möglichen sogenannten Zwischenwirte, die Überträger auf den Menschen, Ende 2019 auf dem Wildtiermarkt in Wuhan streiten sich die Wissenschaftler bis heute.

Nicht aber die Musikwissenschaftler darüber, dass "Die Fledermaus" als Höhepunkt der Goldenen Operetten-Ära gilt. Und so steht Johann Strauß' 1874 in Wien uraufgeführtes Werk zu Silvester in der Staatsoper und in der Elbphilharmonie auf dem Spielplan - wegen der landauf, landab geschlossenen Theater und Konzerthäuser jeweils nur virtuell.

Staatsoper ergänzt ihr kostenloses Streaming-Angebot

Die Staatsoper ergänzt bis Neujahr mit dem "Fledermaus Special" ihr kostenloses Streaming-Angebot, Ausschnitte der Neuproduktion sind unter www.staatsoper-hamburg.de abrufbar. Unter der musikalischen Leitung Jonathan Darlingtons können Interessierte etwa Hulkar Sabirova, Matthias Klink, Narea Son und Kristina Stanek erleben. Schauspieler Jürgen Tarrach gibt als Gerichtsdiener Frosch sein Debüt am Haus, der Chor der Staatsoper singt, das Philharmonische Staatsorchester spielt.

In der Elbphilharmonie war die kultige Operette um die champagnerselige Festgesellschaft beim Prinzen Orlofsky erstmals Neujahr 2019 zu hören. Silvester ist das Gute-Laune-Stück noch einmal als Stream zu erleben. "Wenn die Polka lustig klingt, Freundchen, glaub mir das verjüngt", heißt es etwa bei einem der Sänger-Darsteller. Das NDR Elbphilharmonie Orchester leitet Dirigent Manfred Honeck, der NDR Chor singt (www.elbphilharmonie.de).

Symphoniker Hamburg bleiben der Tradition treu

Coronabedingt zwar ohne Sänger, jedoch aus Tradition führen die Symphoniker Hamburg zum Ende des Beethoven-Jahres dessen letzte vollendete Sinfonie auf - hier quasi unvollendet: "Beethovens 9. Symphonie. Eine Symphonie ohne Chor. in drei Sätzen und einer Aktion", lautet der Titel des Projekts, für das Theater- und Opernregisseur Christoph Marthaler den vierten Satz inszeniert.

Schillers "Freude schöner Götterfunken" kann man sich also hinzudenken, wenn Chefdirigent Sylvain Cambreling am Silvester-Nachmittag um 16 Uhr erstmals das auf diese Art neue Werk präsentiert (kostenlos auf www.symphonikerhamburg.de). Intendant Daniel Kühnel sagt: „Es wäre besonders schmerzlich, fast paradox, wenn die Aufführung gerade jetzt, da sie nötiger denn je ist, komplett ausfallen würde."

Ruhe auf der Reeperbahn

Und wo bleibt der (Theater-)Spaß? Auf der Reeperbahn und am Spielbudenplatz, wo sonst zu Silvester Böller und Gefühle explodieren, soll diesmal Ruhe herrschen. Betrifft auch Schmidts Tivoli und Schmidt Theater, in dem die schräge Varieté-Revue "Schmidts Ritz" bis Anfang November nur zwei Wochen lang spielte. Deren Gastgeber waren die Vorfahren aus der Musikkomödie "Die Königs vom Kiez". Das laute Familienoberhaupt führt als "Der Käpt'n in Karantäne" nun sein Video-Tagebuch "aus dem Souterrain des Lebens", wie auf der Bühne verkörpert von Götz Fuhrmann. "

Vom Millern- bis zum Nobistor kam mir der Kiez nie so trostlos vor", flucht der Käpt'n in seinem Keller, jedoch gibt ihm seine Berta (Carolin Spieß) verbal Kontra. Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth schrieben kurz vor Ultimo eine neue Folge, damit Schmidt-Fans noch mal was zu lachen haben (alle Folgen kostenlos unter www.tivoli.de).

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Das Ohnsorg-Theater hat zwar keinen aktuellen Stream auf seiner Webseite www.ohnsorg.de, verweist dort neben den "Ohnsorg-Stars im Porträt" indes ruhigen Gewissens per Trailer auf einen Klassiker: "Tratsch im Treppenhaus", der legendäre Schwank von 1966 mit Heidi Kabel und Henry Vahl, ist am Silvester-Abend ab 20.15 Uhr in Schwarz-Weiß noch mal im NDR zu sehen, gefolgt von der aktuelleren (2011) Ohnsorg-Komödie "Alles auf Krankenschein". Möge das 2021 nicht (mehr) nötig sein!

( str )