Livemusik-Club

Das Molotow zieht zurück zum Spielbudenplatz

| Lesedauer: 3 Minuten
Tino Lange
Prophetisch: Schon beim Reeperbahn Festival 2013 hieß es „Molotow muss bleiben“ an der alten Adresse am Spielbudenplatz. Drei Monate später wurde der seit Jahren baufällige Komplex um die „Esso-Häuser“ wegen Einsturzgefahr geräumt. Das Molotow zog an die Holstenstraße und wenig später ans Nobistor um.

Prophetisch: Schon beim Reeperbahn Festival 2013 hieß es „Molotow muss bleiben“ an der alten Adresse am Spielbudenplatz. Drei Monate später wurde der seit Jahren baufällige Komplex um die „Esso-Häuser“ wegen Einsturzgefahr geräumt. Das Molotow zog an die Holstenstraße und wenig später ans Nobistor um.

Foto: Bodo Marks / picture alliance / dpa

Der Club soll von der Stadt knapp zwei Millionen Euro bekommen, um den Umzug zu stemmen. Der Start steht aber noch in den Sternen.

Hamburg.  „Vielleicht ist das der Anfang, vielleicht ist das das Ende“, sang die Band Madsen am 14. Dezember 2013 im alten Molotow am Spielbudenplatz – nicht ahnend, das es das letzte Konzert an dieser Stelle sein würde. In der Nacht wurde das Areal der so genannten Esso-Häuser wegen Einsturzgefahr geräumt und später abgerissen.

Das Molotow zog zuerst im Frühjahr 2014 an die Holstenstraße und im Spätsommer ans Nobistor. Trotzdem haben die Molotow-Betreiber von Anfang an betont, wieder zum Spielbudenplatz zurückkehren zu wollen. Jetzt sieht es so aus, dass der Traum Wirklichkeit wird.

Molotow im "Paloma-Viertel" - Hamburg will finanziell unterstützen

„Wir haben endlich die offizielle Zusage, dass das Molotow an seinen ursprünglichen Standort am Spielbudenplatz zurückkehren wird“, teilten die Betreiber des international renommierten Livemusik-Clubs am Montag auf Facebook mit. Sobald das „Paloma-Viertel“ auf St. Pauli fertig ist, kann das Molotow umziehen. Für die zu erwartenden deutlich höheren Mietkosten, die der Eigentümer Bayrische Hausbau erheben wird, und die Finanzierung von verordneten Lärm- und Brandschutzmaßnahmen soll Unterstützung aus dem Sanierungsfonds der Stadt kommen.

Leen Sie auch:

Am kommenden Dienstag wollen die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen in der Bürgerschaft den Antrag einbringen, für den Molotow-Umzug und die Mietkosten für 25 Jahre insgesamt 1,87 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Das ist ein durchaus üblicher Vorgang in Hamburg, so erhielt die Kulturfabrik Kampnagel für Um- und Ausbau sowie Sanierungsmaßnahmen 2019 insgesamt 120 Millionen Euro von Stadt und Bund.

Molotow-Umzug: "Alleine könnten wir das niemals stemmen"

„Wir freuen uns sehr über die Unterstützung, alleine könnten wir das niemals stemmen“, sagt Molotow-Betreiber Andi Schmidt zum Abendblatt. „Wir bekommen ja nur einen leeren Raum mit ein paar Steckdosen, und unsere Mittel sind begrenzt.“ Livemusik-Clubs in der Größenordnung von 300 bis 400 Gästen haben eine sehr geringe Umsatzrendite, was es schwer macht, Rücklagen aufzubauen.

Dazu kommt die Corona-Krise, die die komplette Clubkultur seit bald einem Jahr stillgelegt hat, eventuelle Ersparnisse sind längst aufgebraucht. Ein kommender „Neustart Kultur“ wird bei Null anfangen, auch für die rund 100 Hamburger Musikspielstätten inklusive Molotow, das bis auf einige Konzerte beim Reeperbahn Festival und im „Backyard“-Hinterhof seit Mitte März geschlossen ist.

Die Betreiber freuen sich auf eine Rückkehr zu den Wurzeln: „Wir planen mit einem Saal für 350 und eine Bar für 150 Gäste. Das wäre eine Bühne weniger als jetzt und kein Biergarten mehr. Aber das nehmen wir gern in Kauf“, sagt Schmidt. Bis dahin wird es allerdings noch dauern. Nach derzeitigem Stand soll die Schlüsselübergabe im Frühjahr 2025 erfolgen.