Zeit für etwas Schönes

In Ruhe Bilder ansehen und vielleicht ein Kunstwerk kaufen?

Aus der Ausstellung „Porsche People“ in der Galerie Roschlaub: „Four Pink Porsche Carrera RSs“, 2016. 

Aus der Ausstellung „Porsche People“ in der Galerie Roschlaub: „Four Pink Porsche Carrera RSs“, 2016. 

Foto: Chris Labrooy / Chris Labrooyhonorarfrei nur für o.g. Ausstellung

Galerien glänzen gerade mit besonderen Ausstellungen. Eine gute Gelegenheit, um nach etwas Besonderem zu stöbern.

Hamburg. Eine Blondine im Badeanzug räkelt sich auf dem Rücken eines 911er und schießt dabei ein Polaroid. Zwölf blaue Porsche Carreras „baden“ in einem Swimmingpool vor Palmen. Ein Skiläufer springt über eine mit Porschemodellen zugeparkte Straße. „Porsche People“, die brandneue Ausstellung in der Galerie Roschlaub, überrascht in der Lockdown-Zeit mit spektakulären Fotografien rund um die Luxusautomarke. Kuratiert hat der Fotograf und Porscheliebhaber Anatol Kotte, der Studios in Berlin und im Grindel hat. Man kann das nun gleich als dekadent abstempeln. Oder sich einfach auf Kottes faszinierende Geschichtenwelt einlassen.

„Das Tolle an der Ausstellung ist die Vielfalt der Fotografen, ihre verschiedenen Stile und Herangehensweisen an das Thema, von der inszenierten Kulisse eines Chris Labrooy über ästhetische Porträts der Fotografin Amy Shore, die etwa den Coldplay-Bassisten Guy Berryman abgelichtet hat, bis zu Sanford H. Roths James-Dean-Fotografie von 1955, die den Schauspieler kurz vor seinem tödlichem Autounfall zeigt“, sagt Kirsten Roschlaub.

Dadurch, dass so viele unterschiedliche Fotografen beteiligt sind, variieren auch die Preise für die Werke; so fangen einige Bilder schon bei 300 Euro an, die Obergrenze liegt bei 3000 Euro. „Da ist, denke ich, für Einsteiger auf jeden Fall etwas dabei, auch im Hinblick auf Weihnachten“, sagt die Galeristin.

Nachhaltiger lässt sich nicht konsumieren

Besucher könnten natürlich auch mit gutem Gewissen zu ihr kommen, ohne gleich etwas zu kaufen. „Ich freue mich immer, wenn sich Menschen für gute Fotografie interessieren.“ Die Galerie am Mittelweg ist zu den regulären Zeiten geöffnet. Wer ganz sicher gehen will, vereinbart einen individuellen Termin – so handhaben es derzeit fast alle Galerien in Hamburg. „Porsche People“ soll bis zum Frühjahr laufen.

Wann, wenn nicht genau jetzt, da nahezu alle gesellschaftlichen Höhepunkte und kulturellen Freizeitaktivitäten ausfallen, ist die richtige Zeit, um sich mit Kunst auseinanderzusetzen, in Ruhe Bilder anzusehen, sich darin zu vertiefen. Und sich vielleicht auch einfach mal ein Kunstwerk zu gönnen. Eines, in das man sich auf Anhieb verguckt. Oder eines, das man schon seit Längerem umkreist hat und sich nun endlich traut zu kaufen.

Nachhaltiger als ein Bild, eine Fotografie oder eine Skulptur lässt sich überdies nicht konsumieren. Denn ein Kunstwerk ist, wenn man will, für die Ewigkeit. Und wäre es nicht eine schöne Vorstellung, Jahre später genau dadurch an diese besondere, herausfordernde Zeit zurückerinnert zu werden? Das erwählte Objekt als Lichtblick in trüben Pandemiemonaten.

In Winterhude gibt es handverlesene Meisterwerke

„Ich kann nur auffordern, sich jetzt mit Kunst zu beschäftigen und in die Galerien zu gehen. So viel Zeit für intensive Beratung und Gespräche war nie“, sagt Angela Holzhauer, Sprecherin des Landesverbands der Hamburger Galerien. Gelegenheit dazu gibt es zur Genüge. Denn auch, wenn die meisten Ausstellungshäuser nicht gerade von Publikum überrannt werden, ist der Anspruch, qualitätsvolle, spannende Themen zu präsentieren und Lust auf den Kunstkauf zu machen, hoch. Und gerade weil die großen Museen derzeit geschlossen sind, haben die Galerien die Chance, mit besonderen Ausstellungen zu glänzen.

Andrea von Goetz zeigt in ihrem Showroom in der Maria-Louisen-Straße bis zum 9. Januar ihre „Handpicked Masterpieces“, handverlesene Werke von renommierten Künstlerinnen und Künstlern, aber auch von Jungstars der Kunstszene, darunter Alicja Kwade, Jeppe Hein und Jorinde Voigt.

„Tafelbilder, Objekte, Tische, Ballons und Spiegel setzen sich auf spannende Art mit der Schnittstelle zwischen Kunst und Design auseinander, manchmal eher hintergründig nur durch die Materialität, andererseits aber auch ganz deutlich durch die Formsprache und die Arbeit an sich“, sagt die Galeristin. Ebenso wie ihre Kolleginnen und Kollegen garantiert auch sie die Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln.

Beim Bücherstöbern auf den Kunstgeschmack kommen

Kunst zwischen Handwerk und Design für die eigenen vier Wände, zur Verschönerung des so wichtig gewordenen Home Office – das verspricht die Hamburger Künstlerin Samira Nami, deren Vater einen Teppichhandel in der Speicherstadt betreibt. In ihrem Studio (www.samiranami.com) werden Orientteppiche durch Siebdruck modern interpretiert. Die Modelle aus Wollfilz mit leuchtenden Ornamenten können gewendet und als Boden- oder Wandschmuck gleichermaßen genutzt werden.

Der Clou: Passend dazu können Bilder und Kissen gleich mitbestellt werden. Ihre Arbeiten wurden zuletzt im Rahmen der „Inspiration“-Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte sowie auf der Kunst und Handwerk-Messe des Museums für Kunst und Gewerbe gezeigt.

Bei Felix Jud am Neuen Wall kann man beim vorweihnachtlichen Stöbern zwischen Büchern auch auf den Kunstgeschmack kommen. Aktuell ist dort Klaus Fußmann, Jahrgang 1938, mit seiner Ausstellung „Im Garten – Am Meer“ (bis 9. Januar) zu sehen. Immer wieder neu malt der vielfach mit Preisen ausgezeichnete Künstler die Vielfalt der Blumen aus seinem Garten in Gelting an der Ostsee, die Küstenlandschaft und das Meer.

Dabei verwendet er unterschiedlichste Techniken, modelliert in Öl, kombiniert Gouache und Sand und bedient sich der Aquarell- und Pastellmalerei. Allein diese langjährig geprobte künstlerische Virtuosität zu erfassen und in Fußmanns Bildern spazieren zu gehen bedarf Muße. Diese Zeit ist jetzt dafür da.